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EnBW: Legenden im Ländle

von Wolfgang Bok

Der Rechtsbruch bei Kauf des Energieversorgers EnBW ist greifbar – aber auch der Schaden für das Land? Manches spricht dagegen. Zieht Mappus am Ende die "russische Karte"?

Personalkarussell im Energieland

RWE: Beim zweitgrößten deutschen Energiekonzern steht ein Wechsel im Vorstandsvorsitz an. Im Sommer will der bisherige Chef Jürgen Großmann seinen Posten räumen und dem Niederländer Peter Terium Platz machen, einem bisher noch unbeschriebenen Blatt. Konzerninsider vermuten, dass Großmann schon weit vorher das Feld für Terium frei macht.

Großmann, ein strikter Kernkraft-Befürworter, gilt als Realist, der weiß, das RWE einen Neuanfang braucht, so die Manager. Terium muss den Kontakt zur Politik, vor allem zu den nordrhein-westfälischen Kommunen, die 25 Prozent von RWE halten, wieder verbessern.

Bild: dpa

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In Baden-Württemberg wird derzeit großes Theater gegeben. Die Rollen im Publikumsrenner „EnBW-Affäre“ sind klar verteilt: Als übler Schurke steht der ehemalige Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) einsam auf der Bühne, des Rechtsbruchs und der Geldverschwendung bezichtigt, was in Schwaben besonders schwer wiegt.

Am Pranger daneben windet sich sein „Spießgeselle“ Dirk Notheis, bis vor kurzem Deutschland-Chef von Morgan Stanley, dem die Rolle des Strippenziehers und gierigen Investmentbankers zugewiesen ist. Die einstigen Claqueure aus der abgewählten CDU rufen nun einig „Verräter“. Die wenigen Fürsprecher sind verstummt und geben sich selbst als die Betrogene. Alle gemeinsam geloben Buße – und wollen den Vorhang am liebsten endgültig fallen sehen. Schließlich sei „alles gesagt“ und der peinlichen E-Mail-Verkehr zwischen Notheis und Mappus hinreichend seziert.

Der Check von WirtschaftsWoche und A.T. Kearney ist der erste seiner Art, der ab sofort jährlich den Fortschritt der Energiewende in Deutschland misst. Im Zentrum der Analyse steht die Frage, inwieweit die vier wichtigsten Ziele der Energiewende, die die Bundesregierung vorgegeben hat, erreicht werden. Diese vier Ziele sind die Wirtschaftlichkeit der Stromversorgung, die Versorgungssicherheit, die Umweltverträglichkeit und die Akzeptanz bei der Bevölkerung.

Erklärung der Fußnoten:

1 - Daten jeweils Ende des Vorjahres

2 - nicht genutzte Stromerzeugungskapazität

3 - Das Soll basiert auf den 24 von der Bundesregierung als bevorzugt auszubauenden Netzstrecken (in km²)

Quelle: Studie A.T. Kearney/ Wirtschaftswoche

Grüne und SPD, die ihre neue Machtfülle im einstigen Kernland der CDU selbstbewusst genießen, wollen das Stück hingegen bis weit in kommende Wahljahr auf dem politischen Spielplan halten. Der CDU-Legende vom „autokratisch regierenden“ Ministerpräsidenten, der Parlament wie Parteifreunde hintergangen habe, setzen sie die Erzählung vom „schwarzen Filz“ entgegen. „Ihr wart dabei. Ihr seid Mappus“, schleudert ihnen SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel unablässig entgegen.

Weil dieser Vorwurf bei der bürgerlichen Wählerschaft verfängt, barmt Thomas Strobl, CDU-Landesvorsitzender und Schwiegersohn von Finanzminister Schäuble: „Wir lassen nicht zu, dass SPD und Grüne die CDU in Baden-Württemberg zerstören und ihre 71.000 Mitglieder in Mithaftung nehmen.“ Allen ist klar: Eine schwache Südwest-CDU gefährdet auch die Mehrheit in Berlin und damit die Macht von Angela Merkel. Es ist also längst keine Provinzposse mehr.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.07.2012, 22:14 Uhrshadowdancer

    Ich bin sehr dankbar, daß die EnBW nicht mehr in ausländischer Hand,
    sondern deutschen Eigentümern untersteht !

  • 29.07.2012, 12:27 UhrFFranz

    Guter Artikel. Und es wurde auch Zeit, dass so eine genauere Betrachtung auf den Tisch kommt. Bis jetzt haben nur Geiferer und Eiferer von Schaden gesprochen, ohne konkretes auszusprechen.

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