Endlager-Kommission: Deutschland sucht ein Endlager

ThemaEnergiewende

Endlager-Kommission: Deutschland sucht ein Endlager

von Cordula Tutt

Nach mehr als 35 Jahren erbitterter Kämpfe nehmen Politiker und Experten einen neuen Anlauf, um die verstrahlten Reste der Atomkraft unter die Erde zu bringen. Doch die erste Sitzung der Endlager-Kommission zeigt: Das Misstrauen sitzt tief.

Die Gegner beschnuppern sich über stollentiefe Gräben hinweg – das war der Zweck der ersten Sitzung der Endlager-Kommission heute im Bundestag. Alles soll wieder auf Anfang stehen, unvoreingenommen sollen 32 Mitglieder, Wissenschaftler, Verbandsvertreter und Politiker nach einem Endlager suchen, in dem die Hinterlassenschaften deutscher Atomkraftwerke auf zehntausende Jahre hin sicher verstaut werden können.

Mehr als eine Generation beinharter Auseinandersetzung um den ehemaligen Salzstock Gorleben hat Deutschland schon erlebt. Energiekonzerne und verschiedene Politiker forcierten den Ausbau des Bergwerks. Atomgegner unterstellten, die dünn besiedelte Region am ehemaligen Zonenrand müsse nur dafür herhalten, weil anderswo noch mehr Widerstand drohte.

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Nun sind die Gegner von gestern in der Kommission manchmal sogar Sitznachbarn, ohne sich schon nahe zu kommen. Ralf Güldner, Chef des Deutschen Atomforums, sitzt nahe bei den beiden Vertretern der Umweltverbände, die erst überhaupt niemanden hierher schicken wollten. Auf der anderen Seite umrahmt ihn der Kieler Energieminister Robert Habeck von den Grünen. Der ehemalige Atomkraft-Manager Bruno Thomauske sitzt nicht weit von Michael Sailer, Geschäftsführer des Öko-Institutes.

Bitte zuhören
Da sind die Worte der Kommissionsvorsitzenden Ursula Heinen-Esser (CDU) nicht übertrieben, die wirbt: „Wir brauchen hier ein Grundvertrauen. Wir müssen auch bereit sein, einander zuzuhören.“ Sie selbst war angefeindet worden, weil sie Staatssekretärin im Bundesumweltministerium war, auch als längere Laufzeiten für Atomkraftwerke beschlossen wurden. Jetzt hat sie einen Ko-Vorsitzenden, den SPD-Umweltpolitiker und Gorleben-Gegner Michael Müller.

Die Kommission soll bis 2016 zum Beispiel festlegen, ob für ein Endlager sowohl Salz- und Ton- als auch Granitgestein in Betracht kommt. Besonders in Norddeutschland gibt es viele solcher Gesteinsschichten. „Über kein untersuchungswürdiges Gestein verfügen nur das Saarland, Rheinland-Pfalz und Berlin“, heißt es in einer Greenpeace-Studie. Bundespräsident Norbert Lammert (CDU) forderte von den Kommissionsmitgliedern, möglichst zügig zu arbeiten und sich auf Kompromisse einzulassen. „Wenn es bei diesem Thema einen breiten gesellschaftlichen Konsens gäbe, hätten wir diese Kommission nicht gebraucht“, sagte er.

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Eine erste Hand über die Gräben hinweg streckte die Grünen-Politikerin Sylvia Kotting-Uhl aus. Die erklärte Kernkraftgegnerin und scharfe Kritikerin der Atomindustrie zeigte gegenüber unversöhnlichen Umweltaktivisten klare Kante. Diese unterstellen, dass es am Ende einer Suche immer wieder auf Gorleben hinauslaufe, weil dort schon mehr als anderthalb Milliarden Euro zur Erkundung ausgegeben worden sind.

Wissenschaftler verweisen darauf, dass Gorleben neben anderen als Lagerstätte geologisch zumindest geeignet sein könnte. Kotting-Uhl machte sich also bei den eigenen Anhängern nicht unbedingt beliebt, als sie sagte: „Ich bin der Meinung, dass Gorleben nicht vorab politisch ausgeschlossen werden darf.“

Der Beginn einer sehr mühsamen Arbeit - um die Bundestagspräsident Lammert die Kommission ausdrücklich nicht beneidete.

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