Energie: Klima: Deutschland im Dunkeln - Seite 2

Energie: Klima: Deutschland im Dunkeln

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Bleibt es beim Atomausstieg, lässt sich den Marktforschern zufolge eine Unterversorgung mit Strom nur vermeiden, wenn Neubauten mit einer Leistung von 36.000 Megawatt ans Netz gehen – also rund 15 neue Kraftwerke von Wilhelmshaven über Duisburg bis Mainz. Selbst bei einer möglichen Verlängerung der Laufzeiten auf eine alterstypische Länge von 50 Jahren sind – so das Ergebnis der Umfrage unter Anlagenbauern, Versorgern und Energieexperten – zusätzlich etwa 13.000 Megawatt fossile Kraftwerksleistung nötig.

Ein gleichzeitiger Ausstieg aus Kernkraft und Kohle – das geht eben nicht. Diese Position vertritt auch Wolfgang Clement (SPD). Scharf verurteilt der frühere Bundeswirtschaftsminister die Energiepolitik der hessischen SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti. Mit seinem Affront („Ich würde sie nicht wählen“) hetzte er die Genossen gegen sich auf – und offenbarte die energiepolitischen Differenzen seiner Partei.

Rückendeckung bekommt Clement von den Christdemokraten. „Er hat recht, wenn er auf drohende Engpässe bei der Energieversorgung hinweist“, pflichtet Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein ihm bei. Um den Ausbau regenerativer Energien voranzutreiben, sollten laut Beckstein die Kraftwerksbetreiber verpflichtet werden, einen Teil der durch die Verlängerung der Restlaufzeiten der Kernkraftwerke erzielten Gewinne in die Forschung und Entwicklung sowie den Ausbau erneuerbarer Energien fließen zu lassen.

Dieses Tauschgeschäft gefällt auch dem neuen EnBW-Chef Hans-Peter Villis. Sein Angebot: In einem bestimmten Umfang – Genaueres sei mit der Politik abzuklären – wolle er Vorteile aus dem verlängerten Betrieb des Kernkraftwerks Neckarwestheim weiterreichen. Der Konzernchef kündigte an, drei bis vier Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren. Dabei habe er auch Auslandsmärkte im Blick – zum Beispiel den Betrieb eines Wasserkraftwerks in der Türkei. Bis spätestens 2020 will er so den Anteil von Ökostrom in seinem Konzern auf 20 Prozent verdoppeln.

Zugleich warnt Villis vor drastischen Konsequenzen des Atomausstiegs für den Südwesten der Republik: Bliebe es bei dem Beschluss, würde EnBW bis 2021 mehr als die Hälfte seiner Erzeugung verlieren. Im Stammland Baden-Württemberg sei die Kohleverstromung „komplett unrentabel“, sagte der Manager. „Der Transport der Kohle von Südafrika nach Rotterdam ist billiger als der Transport der Kohle von Rotterdam nach Stuttgart, 26 Staustufen hinauf.“

Blutet der Süden Deutschlands also energiepolitisch aus? Das muss nicht sein, behaupten die Vertreter grüner Energien. Das sonnenreiche Baden-Württemberg könne beispielsweise wegen seiner großen Wälder und landwirtschaftlichen Fläche bis 2020 mehr als ein Drittel des Stromverbrauchs aus Biomasse, Solarenergie und Wasserkraft erzeugen. In den Höhenlagen des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb herrschten Windverhältnisse wie an der Küste. Allein zehn Prozent des Strombedarfs könne deshalb durch moderne Windkraftanlagen abgedeckt werden.

Auch in Bayern, wo die Windkraft noch ein Schattendasein führt, sehen sich ihre Befürworter im Aufwind. Gerade in der Oberpfalz und in Franken gebe es gute Standorte für Windkraftanlagen. Bisher werden in Bayern lediglich 0,03 Prozent der Fläche durch Windkraft genutzt – in Ländern wie Rheinland-Pfalz, Sachsen oder Thüringen die zehnfache Fläche.

Doch bisher zeigt sich Bayern den Windspargeln gegenüber kritisch. Auch die Deutsche Energie-Agentur (Dena) räumt in ihrem Bericht über die Zukunft der Windenergie ein: Der Windstrom, in großen Mengen in Offshore-Anlagen produziert, kann zwar von der Küste in den Süden Deutschlands transportiert werden – aber das ist eine teure Angelegenheit. Rund 400 Kilometer des vorhandenen Verbundnetzes müssen verstärkt, rund 850 Kilometer neu gebaut werden. Kosten für den Netzausbau: 1,1 Milliarden Euro. Für die privaten Haushalte betragen die Kosten für den weiteren Ausbau der Windenergie im Jahr 2015 bis zu 0,49 Cent je Kilowattstunde.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), weitere Schwachstellen des Systems vor Augen, warnt: „Noch ist nicht klar, wie der Strom quer durch die Bundesrepublik geleitet werden soll.“ Gegen sichtbare Hochspannungsleitungen wehren sich die Gemeinden und Kommunen, Rohre unter der Erde zu verlegen, treibe die Kosten noch mehr in die Höhe. Zu den Ursachen für den schleppenden Netzausbau zählten auch die gesetzlich vorgeschriebenen Genehmigungsverfahren. Glos will deshalb noch in diesem Jahr ein Energieleitungsausbaugesetz vorlegen. „Mit dem Hubschrauber lässt sich Strom jedenfalls nicht befördern“ – der Bayer ist die Diskussion leid.

Stattdessen kündigte Glos an, er wolle das Reizthema Atompolitik im nächsten Bundestagswahlkampf auf die Agenda heben. Schließlich stehe auch in seinem eigenen Wahlkreis Schweinfurt ein Kernkraftwerk, das von der Bevölkerung akzeptiert werde. Man müssen den Menschen nur die Angst nehmen. „Viele Leute sind gegen Atomkraft, Kohle ist ihnen zu dreckig, Windräder auf dem Feld finden sie nicht schön. Aber der Strom soll billig sein – so funktioniert das nicht“, sagt Glos. Denn wer leichtfertig auf die Verheißungen erneuerbarer Energien setzt, ohne die Netze vorher an die neue Energielandschaft anzupassen, der riskiere den Stromausfall. Deutschland im Dunkeln – ein Schreckensszenario nicht nur für einen schwarzen Politiker aus dem Freistaat.

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18 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.10.2008, 14:15 UhrAnonymer Benutzer: markus

    ich hofe es wird ein schöner winter

  • 15.10.2008, 14:12 UhrAnonymer Benutzer: marcel

    ich liebe dich

  • 10.02.2008, 15:35 UhrAnonymer Benutzer: Annekathrin Fischer

    ich habe Mangelwirtschaft zu DDR-Zeiten genug erlebt und bin froh über den Entwicklungsfortschritt, den wir machen durften, einschließlich den im bereich Umweltschutz. Jeden Tag genieße ich unser schönes Deutschland und wünsche meinen Kindern denselben Standard. Und jetzt wird eine Megabedrohung erfunden (nein, lasst Eure Statistiken stecken, die Wende hat bewiesen, dass man misstrauisch sein sollte, wenn es nur eine Wahrheit gibt), die Wirtschaft soll sinnlos kaputt gemacht werden und wie zu DDR-Zeiten wird ein Maulkorb für Zweifler verhängt. Wem es zu gut geht, der soll doch seinen Stromanschluss kündigen! Niemand wird gezwungen, Energie zu verbrauchen.
    ich selbst ehre das Andenken von Marie Curie, die hungernd Jahrzehnte (!) zum Einsatz von Radium geforscht hat und deren Tochter keinen Schaden abbekommen hat, obwohl keinerlei Strahlenschutz bekannt war. ich ziehe den Hut vor den klugen Köpfen, die den Verbrauch der fossilen brennstoffe immer effektiver machen.
    Auch wenn alles, was man tut (egal ob Mensch oder Hamster) auch Nachteile hat und die wie bei der braunkohle auch ganz schön harte Eingriffe in die Umwelt darstellen-Verantwortung heißt eben, den Schaden wieder in Ordnung zu bringen und das traue ich Mensch und Natur unbedingt zu. Die Natur ist kein armes Opfer, das man ständig bedauern muss. Und wie meine Nachbarn liebe und respektiere ich sie vom ersten Tag an, ohne dass mir das sogenannte Naturschutzorganisationen predigen (und abkassieren ) müssen.
    Wer des menschlichen (ja, er ist auch Teil der Natur) Fortschritts überdrüssig ist, ab in die Höhle. Vernünftige aus ganz Deutschland, wehrt euch!

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