Energie: Öko-Institut: Klimaexperte will Kohlekraftwerke länger laufen lassen

Energie: Öko-Institut: Klimaexperte will Kohlekraftwerke länger laufen lassen

Felix Christian Matthes, Klimaexperte beim Berliner Öko-Institut, fordert einen Neubau-Stopp für Kohlemeiler – obwohl der Weg für sauberen Kohlestrom gerade geebnet wird, nachdem das Bundeskabinett am vergangenen Mittwoch den Gesetzesentwurf zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid aus Kraftwerksgasen verabschiedet hat.

Doch auch wenn Bundesrat und Bundestag das CCS-Gesetz (Carbon Capture and Storage) annehmen, empfiehlt Matthes abzuwarten, „ob sich CCS bewährt und welcher Kraftwerkstyp sich durchsetzt.“ Matthes hält die Aussagen der Betreiber, sie könnten Neubauten mit CCS nachrüsten für „leere Versprechen“. Er plädiert für einen Neubau-Stopp, weil „genug Kapazitäten bis 2020 – auch wenn wir schrittweise aus der Kernenergie aussteigen“ vorhanden seien. Matthes: „Wir sollten lieber die alten Meiler etwas länger laufen lassen und dann auf die beste CCS-Technologie setzen. Immerhin geht es bei der Nachrüstung um hohe dreistellige Millionenbeträge über die Abschreibungszeit.“

Matthes, der die Forschung zur Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut koordiniert, spricht sich in der WirtschaftsWoche auch dafür aus, dass „der Staat die CO2-Pipelines planen, bauen sowie den freien Zugang sicherstellen“ soll. Matthes: „Die Deutsche Netz AG könnte sich darum kümmern.“ Seiner Ansicht nach erhöht ein „neutraler Bauherr“ auch die „Akzeptanz“ in der Bevölkerung. Diese sei das größte Problem beim Transport von Kohlendioxid. Matthes: „Damit tritt der Staat in Vorleistung, ohne die Privatwirtschaft aus ihrer finanziellen Verantwortung zu entlassen.“ Grundsätzlich wertet Matthes CCS als „unser Ass im Ärmel“. Diese Technologie helfe nicht nur bei Kohle, sondern auch bei Energiequellen wie Erdgas oder Biomasse und sogar bei der Stahl- und Zementherstellung. „Gerade da ist CCS die einzige Möglichkeit zur radikalen Emissionsminderung.“

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