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Energie: Solarförderung sinkt kaum

von Katharina Sekareva

Die Koalition hat endlich einen Kompromiss zur Kürzung der Solarförderung gefunden. Die Branche warnt vor Pleiten und dem Verlust Tausender Arbeitsplätze. Doch in Wirklichkeit hat die Politik ihr ein riesiges Schlupfloch gelassen. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteurin Katharina Sekareva.

Blick auf das größte Quelle: dpa/dpaweb
Blick auf das größte Photovoltaikdach Hessens bei der Solartechnikfirma SMA in Niestetal (Kreis Kassel) am Freitag (09.09.2005). Die als Hofüberspannung zwischen zwei Gebäuden errichtete Solaranlage kann 31 Vier-Personen-Haushalte das ganze Jahr über mit Strom versorgen. Die Anlage, die am Freitag offiziell in Betrieb genommen wird, soll zukünftig nicht nur Energie ins Stromnetz einspeisen, sondern auch als Testgenerator dienen. Das Dach besteht aus 523 Solarmodulen und zwölf Wechselrichtern. Foto: Uwe Zucchi dpa/lhe (c) dpa - Bildfunk Quelle: dpa/dpaweb

Nun ist es offiziell: Die Einspeisevergütung für Solaranlagen auf Dächern sinkt ab dem 1. Juli um 16 Prozent. Das heißt: Jeder, der sich nach dem Stichtag eine Anlage zulegt, erhält für jedes Kilowatt Sonnenstrom, das er ins Netz einspeist, ja nach Anlagengröße bis zu 33 Cent. Heute sind es noch rund 39 Cent.

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Der Solarbranche, die noch am Montag gegen die Kürzungen demonstriert hat, gehen die Pläne viel zu weit. Bundesverband Solarwirtschaft sieht eine Insolvenzwelle kommen, zumal im Januar 2011 die nächste Kürzung ins Haus steht. Laut SPD könnten es noch mal bis zu 14 Prozent weniger werden. Damit würde die Förderung innerhalb von zwei Jahren um insgesamt 39 Prozent sinken.

Doch die Kürzung ist für die Unternehmen weit weniger dramatisch, als es aussieht. Denn Umweltminister Norbert Röttgen hat der Branche ein Schlupfloch gelassen. Der CDU-Politiker will den Eigenverbrauch stärker fördern. Daher soll jeder Anlagenbetreiber ab Juli einen Vorteil von bis zu 41 Cent pro Kilowatt (kW) erhalten, wenn er seinen Sonnenstrom selbst verbraucht. Heute erhält er dafür rund 43 Cent.

Solaranlagen bleiben lukrativ

Die Förderung für den Selbstverbrauch sinkt also kaum, wie wiwo.de bereits berichtete. Ein Einfamilienhaus hat meistens eine 4-kW-Anlage auf dem Dach. In solchen Fällen kann die Familie bis zu 42 Prozent ihres Solarstroms selbst nutzen. Für sie sinkt die durchschnittliche Förderung nach Berechnungen des Solarmagazins Photon nur um 4,6 Prozent. Wenn die Anlagenbetreiber ihre Gewohnheiten geringfügig ändern und zum Beispiel die Waschmaschine und den Trockner dann anwerfen, wenn besonders viel Solarstrom zur Verfügung steht, können sie bis zu 70 Prozent selbst verbrauchen. Damit würden sie ihre durchschnittliche Förderung und ihre Rendite spürbar erhöhen.

Es kann zwar sein, dass der Gesetzgeber den Eigenverbrauch nur dann fördert, wenn der Anlagenbetreiber zusätzlich investiert, sich also beispielsweise einen speziellen Zähler zulegt. Das wäre aber finanziell zu verkraften - die Zähler können für zehn Euro pro Jahr gemietet werden. Der Hamburger Modulhersteller Conergy hat seine Chance bereits erkannt und will bei seinen Kunden solche Geräte installieren. Andere Unternehmen dürften folgen.

Allerdings scheint auch die Politik sich des Schlupflochs bewusst zu sein. Die Regierung will die Eigenverbrauchsregelung bis Ende 2011 befristen um dann die Auswirkungen zu überprüfen. Gut so, denn sonst könnte die Solarförderung weiter ausufern.

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10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.03.2010, 12:31 UhrAnonymer Benutzer: NOF

    Dieser Artikel ist schlecht recherchiert und trifft den Nagel garantiert nicht. Hier wurden Zahlen und Fakten vertauscht. "Die Förderung für den Eigenverbruach sinkt also kaum". Wer den Gesetzestext genau liest, wird feststellen, dass der Eigenverbrauch sogar stärker gefördert wird: Statt bisher 3,5 Cent soll der Zuschlag 8 Cent je Kilowattstunde betragen. Und wie sie auf ihre Rechenbeispiele kommen bleibt mir ein Rätsel. Wenn Sie schon Zahlen ins Spiel bringen, dann bitte auch belegen. "Wenn besonders viel Solarstrom zur Verfügung steht, können Sie bis zu 70 Prozent selbst verbrauchen." Wie kommen Sie darauf???

    Und dass Unternehmen deutlich höhere Absätze durch grosse Solarparks erzielen, als durch die kleine Dachanlage steht ausser Frage. Nicht ohne Grund sehen Seehofer und Thüringens Wirtschaftsminister Machnig die Entscheidung von Röttgen als "völlig verfehlt".

    Wieder mal ein Sieg der grossen Energielobbyisten, die gegen eine dezentrale Stromversorgung sind. Die Solarbranche wird hier den kürzeren ziehen.

  • 27.02.2010, 14:33 UhrAnonymer Benutzer: Skeptiker

    Das Modell von Gerhard hat einen gewaltigen Haken. Wenn der Anschaffungspreis direkt subventioniert werden soll, wer finanziert das vor? Soll denn der Staat oder die Energieversorger die jährlich anfallenden Milliardenbeträge für die Anlagensubventionierung vorschiessen? Das ist zu teuer und damit unrealistisch. Wenn aber weiterhin der Anlagenbetreiber auch die Anlagensubvention komplett vorschiessen soll, dann muss man ihm den subventionierten Anteil z.b. über 20 Jahre vergüten und wir sind de facto beim heutigen System. beim System nach Gerhard (sofortige Anlagensubvention) kommt noch folgendes Problem dazu: Wer überwacht denn über zwei Jahrzehnte, dass der Anlagenbetreiber die Anlage auch 20 Jahre lang betreibt und diese nicht einfach nach ein paar Jahren abbaut und mit Gewinn verscherbelt? So wie es bei der Abwrackprämie für Autos bereits praktiziert wird. Zusätzlich ist bei der vorgeschlagenen 2/3-Subventionierung der
    Anlage, eine zusätzliche Einspeisevergütung von 0,22ct/kWh deutlich überhöht. Hier wären eher 10ct/kWh angemessen. Das würde auch den Anreiz zum Eigenverbrauch steigern.

  • 26.02.2010, 14:45 UhrAnonymer Benutzer: Nicolo

    Na ja, ich persönlich halte die Einschnitte von bis zu 16% für zu groß. Wo gibt es das sonst? Sicher, einige Firmen, auch aus Deutschland, werden diese verkraften können. in jedem Fall wird sich die Ertragssituation der branche insgesamt ersteinmal verschlechtern, der Anreiz, zu investieren (in Entwicklung und Ausbau) und damit die Dynamik wird nachlassen, mit den entsprechenden Konsequenzen. Man sollte nicht glauben, dass diese Entwicklung keine negativen Folgen haben wird. Positiv ist sicherlich, dass bei der Novellierung anscheinend die Anreizwirkung ausgebaut werden soll, seinen eigenen produzierten Strom auch selber zu verbrauchen. Das wird dazu führen, dass in wenigen Jahren auch Photovoltaikanlagen mit Speichersystemen Standard werden, und damit auch der PV-Strom insgesamt planbarer wird. Etwas, was die bundesregierung schließlich immer als Ziel formuliert und gefordert hat.
    @gerhard
    Den Ansatz finde ich interessant. ich halte es auch nicht für ausgeschlossen, dass man in wenigen Jahren, wenn die Grid-Parity nahezu erreicht sein sollte, auf ein analoges Fördersystem umstellen wird. Über den Strompreis finanzierte Fördersysteme haben sich allerdings in der Phase des Aufbaus, um überhaupt erst ein kritisches Volumen erreichen zu können, als die erfolgreicheren erwiesen, aus vielerlei Gründen.

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