Energieeffizienz: Mehr Geld in der Tasche

Energieeffizienz: Mehr Geld in der Tasche

, aktualisiert 21. Februar 2017, 17:00 Uhr
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Eine Studie zeigt: Wer regelmäßig über seinen Verbrauch informiert wird, heizt bewusster und spart Geld.

von Silke KerstingQuelle:Handelsblatt Online

Ein Praxistest zeigt: Mieter, die regelmäßig Informationen zu ihrem Heizungsverbrauch erhalten, können diesen durchschnittlich um zehn Prozent senken. Das Einsparpotenzial, auch klimaschädlicher Emissionen, ist groß.

BerlinManchmal sind es die kleinen Schritte, die am Ende zum Ziel führen. Deutschland hat sich vorgenommen, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen - was allein angesichts des Nachholbedarfs bei der energetischen Sanierung und der Umstellung der Heizungssysteme auf erneuerbare Energien ein ziemlich ehrgeiziger und kostspieliger Plan sein dürfte.

Die Energiewende im Gebäudesektor verläuft schleppend. Da würde es helfen, auch beim Verbrauchsverhalten der Mieter anzusetzen, um so Verbesserungen beim Klimaschutz zu erreichen. Schließlich sind seit Mitte der 1990er Jahre die Heizkosten um mehr als 100 Prozent gestiegen, für viele Haushalte sind die Kosten für Heizung und Warmwasser zu einer finanziellen Belastung geworden.

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Ein Praxistest zeigt nun: Mieter, die regelmäßig Informationen zu ihrem Heizungsverbrauch erhalten, können diesen durchschnittlich um zehn Prozent senken. Das ist das zentrale Ergebnis des Modellvorhabens „Bewusst heizen, Kosten sparen“, das die Deutsche Energie-Agentur (dena) gemeinsam mit dem Energiedienstleister ista, dem Deutschen Mieterbund und dem Bundesbau- und Umweltministerium (BMUB) durchgeführt hat. Der Abschlussbericht wurde am Nachmittag an Jochen Flasbarth, Staatssekretär im BMUB, übergeben.

Über mehrere Jahre wurden die Heizungsverbräuche von knapp 1.000 Haushalten in Essen, München und Berlin ausgewertet. 189 Haushalte wurden über drei Jahre jeweils monatlich über ihren Wärmeverbrauch und die Kosten per Internet oder Post informiert und über Optimierungsoptionen beim Heizen und Lüften beraten. Die Mehrheit veränderte dadurch ihr Heizverhalten erheblich und sparte Heizenergie ein.

Die Studie zeigt allerdings auch Mehrverbräuche in den untersuchten Haushalten. Nicht jeder Mieter zahlte also am Ende weniger Geld. Mieterbefragungen ergaben, dass sozio-ökonomische Faktoren wie das Alter oder das Einkommen eine Rolle spielten. Unter dem Strich war das Ergebnis aber positiv.

„Das Ergebnis zeigt: Effizienzmaßnahmen im Gebäude müssen nicht teuer sein“, sagte Thomas Zinnöcker, CEO von ista, dem Handelsblatt. Im Vergleich zur Dämmung und Heizungssanierung sei der Aufwand für die Verbrauchsinformation überschaubar und amortisiere sich schnell. Und das Potenzial sei groß. Die Energieeinsparungen bei dem Projekt vermittelten eine erste Idee davon, was in der Fläche möglich wäre. Knapp die Hälfte aller 40 Millionen Haushalte in Deutschland befinde sich in Mehrfamilienhäusern. Selbst wenn nur ein Bruchteil der Bewohner ähnlich gute Ergebnisse wie im Modellvorhaben erzielen würde, wäre der Effekt für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende riesig, nicht zuletzt mit Blick auf das Einsparpotenzial des klimaschädlichen CO2, so Zinnöcker.

„Auch vermeintlich kleine Maßnahmen können einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende und zur Erreichung unserer Klimaschutzziele leisten“, sagte Flasbarth bei der Übergabe des Berichts. Zugleich zeige das Projekt, dass klimaschonendes Verhalten ein Lernprozess ist, der auf mehr Wissen und Verbrauchstransparenz aufbaue.


Auch die Nachbarn sparen Energiekosten

„Die Verbrauchsinformation wirkt bei den meisten Mietern“, sagte dena-Geschäftsführer Andreas Kuhlmann. Im Klartext: werden Mieter regelmäßig über ihr Heizverhalten und die dadurch entstehenden Kosten informiert, können sie Verbrauch und Kosten besser im Griff behalten. Zudem ergab die Studie, dass nicht nur die 200 Mieter, sondern die Gesamtheit der Hausbewohner von den Verbrauchsinformationen profitierten: In den Gebäuden der Modellregionen sank der Heizungsverbrauch im Durchschnitt um acht Prozent. Durch den verstärkten Austausch in den Häusern und die Sensibilisierung der Mieter im Rahmen des Projekts profitierten auch die Nachbarn von den Informationen.

Laut ista rechnet sich die monatliche Verbrauchsinformation ab einer Wärmeeinsparung von drei Prozent pro Jahr, wenn die Heizungen der Haushalte bereits mit Funktechnik ausgestattet sind. Reduziert der Mieter seinen Heizungsverbrauch stärker, bleibt ein Gewinn für die Haushaltskasse im niedrigen zweistelligen Bereich. Muss zunächst auf Funk-Messtechnik umgerüstet werden, müsste ein Mieter zwischen fünf und sechs Prozent seines Verbrauchs einsparen.

Auch die Grünen sehen dringenden Handlungsbedarf im Gebäudebestand. „Über die Hälfte der Energie wird durch Wärmeerzeugung verbraucht, hier wird ein Großteil der klimaschädlichen Treibhausgase ausgestoßen“, mahnen Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik, und Chris Kühn, Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik. Ohne eine deutliche Senkung des Wärmeverbrauchs und den Umstieg auf erneuerbare Energien werde Deutschland seine Zusagen für den internationalen Klimaschutz nicht erfüllen und sich auch nicht aus seiner Abhängigkeit von Kohle-, Öl- und Gasimporten befreien können, prophezeien die Grünen. Sie fordern eine Verdoppelung der Mittel, die für erneuerbare Wärme, energetische Sanierung und Infrastruktur für die Wärmeversorgung bereitgestellt werden, auf insgesamt sieben Milliarden Euro jährlich. Zudem müsse sich der CO2-Ausstoß eines Energieträgers stärker im Preis widerspiegeln. Die Bevorzugung von Heizöl gegenüber anderen Brennstoffen, so die Forderung, müsse abgebaut werden, um Anreize zu schaffen, auf klimafreundliche Lösungen bei der Energieversorgung zu setzen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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