Energiepolitik: Experten kritisieren deutschen Netzausbau

ThemaEnergiewende

Energiepolitik: Experten kritisieren deutschen Netzausbau

von Henning Krumrey

Die Experten der Internationalen Energie-Agentur stellen Deutschland nur ein mittelmäßiges Zeugnis aus. Um die bis 2020 gesetzten Ziele der Energiewende zu erreichen, müsste sich Europas größte Industrienation noch mächtig anstrengen.

 

Regelmäßig inspizieren die Fachleute der Internationalen Energie-Agentur (IEA) die Mitgliedsländer. Doch bei ihrer jüngsten Expertise müssen sie sich vorgekommen sein wie bei einer Premiere. Denn das Land, das sie erstmals seit 2007 wieder genauer unter die Lupe nahmen, hat dem früheren Hort von Kohle und Kernkraft nur noch wenig zu tun. Denn seitdem gab es ein neues Energiekonzept (samt längeren Laufzeiten für Kernkraftwerke) und danach den Hau-Ruck-Ausstieg aus der atomaren Stromgewinnung. Dazu den forcierten Ausbau der Erneuerbaren Energien, und, und, und.

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Zwar bescheinigen die Experten in ihrem neuen Länderbericht, dass Deutschland beim Umbau seiner Energieversorgung mit „stetigen Schritten“ recht weit vorangekommen sei. Doch obwohl Deutschland so viel Neues macht, haben die Prüfer jede Menge Nachholbedarf gefunden, den es schleunigst zu schließen gilt, um die von der Bundesregierung selbst gesteckten Ziele für das Jahr 2020 zu erreichen. So habe sich das Energie-Einspeise-Gesetz (EEG) „als sehr wirksames Instrument zur Verbreitung der erneuerbaren Energien und insbesondere der Stromerzeugung durch Biomasse, Windenergie und Photovoltaik erwiesen“. Auch die Vergütungen für den Ökostrom seien nach und nach zurückgeführt worden.

Dennoch reiße die flotte Expansion Fragen auf. Die Bundesregierung habe zwar sehr erfolgreich Investitionen in erneuerbare Energien gelockt, „weniger gut ist es ihr jedoch gelungen, die Menge der jedes Jahr ans Netz gehenden erneuerbaren Energien zu kontrollieren“. Fraglich sei, „ob eine Steuerung der Mengen über eine Vergütung pro Kilowattstunde auf mittlere bis lange Sicht wirkungsvoll bleiben wird“. Denn die Kosten seien dadurch erheblich gestiegen, und auch deren Verteilung erregt die Kritik der IEA. „Kosten und Nutzen der erneuerbaren Energien müssen fair und transparent verteilt werden.“

Dazu gehört beispielsweise, dass die vielen kleinen Einspeiser mit ihren Solar-Dachanlagen zwar auf das Stromnetz angewiesen sind, aber mit ihrer schwankenden Leistung keinen Beitrag zur Stabilität des Gesamtsystems leisten. Entsprechend müssten sie entweder dazu angehalten werden oder anderen Beteiligten wie Großkraftwerken eine Vergütung für deren Beitrag zahlen.

Um den weiteren Kostenanstieg zu begrenzen, empfehlen die internationalen Experten, nicht mehr jede Solarzelle und jedes Windrad im hintersten Winkel des Landes gleichermaßen bevorzugt zu honorieren. Denn die Erneuerbare Energie wird meist nicht dort erzeugt, wo sie später auch für Industrie oder Großstädte gebraucht wird. Deshalb rät die IEA: „Die Netzentgelte sollten Anreize dafür schaffen, dass neue Kapazitäten dort ans Netz gehen, wo sie das System am dringendsten benötigt.“

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