Energiepolitik: Öko-Energie: 178 Milliarden Euro Schaden

Energiepolitik: Öko-Energie: 178 Milliarden Euro Schaden

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Die bunten Karten, die Dietmar Lindenberger zeigt, sehen so nett und fröhlich aus, doch ihre Botschaft ist alles andere als erfreulich. Der Wissenschaftler des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) hat auf ihnen eingezeichnet, wo die Bedingungen für erneuerbare Energieträger besonders preisgünstig sind. Und wie viel elektrische Leistung in den verschiedenen Ländern Europas damit aufgebaut wurde. Die Windräder stehen aber leider oft dort, wo die Lüfte nur spärlich wehen. Und Solarmodule sind nicht bevorzugt in Regionen installiert, wo häufig die Sonne scheint. Sondern ganz überwiegend in Deutschland.

Was Kritiker stets angeprangert haben, liefern die Forscher des EWI nun Schwarz auf Weiß: Die staatliche Förderung für die erneuerbaren Energien ist höchst teuer und ineffizient. Durch eine falsche Ausgestaltung der Anreizprogramme entstehen die Öko-Kraftwerke nicht dort, wo es volkswirtschaftlich besonders effizient wäre, sondern in jenen Regionen, in denen die öffentliche Hand die höchsten Subventionen auswirft. Für die Solartechnik eben nicht im sonnigen Portugal, sondern im eher schattigen Deutschland. Und vor Polens Ostseeküste, an der recht häufig ein strammer Wind weht, dreht sich kaum ein Rotor.

„Nur wo hohe Förderung gegeben wurde, hat es auch einen hohen Zubau an erneuerbaren Energien gegeben“, stellt Lindenberger ernüchtert fest. Sonnenenergie nutzen vor allem Deutsche und Spanier. Auch die Windräder drehen sich ganz überwiegend in diesen beiden Ländern. Durch die staatlichen Anreize wurden also oft nicht die optimalen Standorte ausgewählt. Allein daraus entstehen bis zum Jahr 2020, so errechneten Lindenberger und seine Kollegen, volkswirtschaftliche Nachteile in Höhe von 118 Milliarden Euro, die sich mit einer einheitlichen Förderpolitik in Europa verhindern ließen.

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Harmonisierung in Europa

Zudem gaben die einzelnen Staaten auch sehr eng vor, welche Technologien einzusetzen sind. Dadurch setzte beispielsweise Deutschland besonders auf die teure Photovoltaik. Immerhin: Biomasse und vor allem Windräder, die viel eher wettbewerbsfähig mit der konventionellen Erzeugung werden, kamen auch stark zum Zuge. Die Förderung, so sagt der Fachmann, sei „sehr technologiespezifisch“, nicht „technologieoffen“. Bei einem freien Wettbewerb zwischen den verschiedenen Erneuerbaren wären weitere volkswirtschaftliche Kostenvorteile von 60 Milliarden Euro bis 2020 möglich.

Jetzt gehe es darum, „günstige Standorte und marknahe Technologien intelligent zu kombinieren“, fordert Lindenberger. Ändere sich nichts, würde beispielsweise die teure Geothermie in Deutschland „starken Zuwachs erfahren, was kostenmäßig stark zu Buche schlägt, aber bei der CO2-Einsparung nur geringe Auswirkung hat“. Deshalb müsste die Harmonisierung der Förderung in Europa vorangetrieben werden. So könnten Länder mit guten Startbedingungen über den eigenen Bedarf hinaus Öko-Energie installieren und dafür so genannte Grünstrom-Zertifikate an jene Länder verkaufen, bei denen sich die Installation von Windrädern oder Biomasse-Kraftwerken nicht so lohnt. Erste Schritte hat die EU-Kommission zwar eingeleitet, aber dass die bis zum Jahr 2020 prognostizierten Schäden noch vermieden werden können, ist höchst zweifelhaft. Die Revision des bisherigen Konzepts ist erst 2014 geplant – bis dahin sind die meisten Investitionsentscheidungen für die Energiestruktur bis 2020 längst gefallen.

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