Energieversorgung: Bernotat: Nach der Wahl über Kernkraft sprechen

Energieversorgung: Bernotat: Nach der Wahl über Kernkraft sprechen

E.On-Chef Wulf Bernotat hat vorgeschlagen, dass nach der Bundestagswahl im Herbst Politik und Wirtschaft über die Zukunft der Energiepolitik in Deutschland sprechen und dabei auch die Rolle der Kernenergie klären.

Die Energieversorger seien bereit, für solch eine Runde auch Angebote und Zugeständnisse anzubieten. „Zunehmend werden die Vorteile der Kernenergie von der deutschen Politik wieder diskutiert, offenkundig soll das sogar Wahlkampfthema werden“, sagte Bernotat der am Montag erscheinenden WirtschaftsWoche. „Ich bin da aber eher besorgt, denn das Thema Kernkraft eignet sich aus unserer Sicht nicht für den Wahlkampf. Mir wäre lieber, man würde sich nach der Bundestagswahl zusammensetzen und über den zukünftigen Energiemix reden und über die Frage, ob Kernenergie dabei nicht wieder eine feste Rolle spielt.“

Die Energieversorger diskutierten derzeit, was sie der Politik anbieten können. „Dazu gibt es Ideen der Energieunternehmen, die aber noch reifen müssen, bevor sie mit der Politik erörtert werden können“, so Bernotat. In einem Gespräch mit Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg habe er auf Gespräche ohne ideologische Vorbehalte gedrängt. „Wir haben vor allem darüber gesprochen, dass wir für Deutschland ein stimmiges Energiekonzept brauchen, das alle Ziele gleichermaßen berücksichtigt: Sicherheit, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit der Energieversorgung. Und wir brauchen eine neue Art der Diskussion, ohne jeden ideologischen oder politischen Vorbehalt.“ Bernotat weiter: „Wir müssen in der Energiepolitik generell raus aus den Schützengräben. Wenn die Energieagentur davor warnt, dass uns eine Kraftwerkslücke droht, falls viele Bauprojekte durch Proteste torpediert werden, dann kommen sofort die Umweltverbände und sprechen von einer Kraftwerkslücken-Lüge.“

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Der E.On-Chef verweist auf das Beispiel Schweden, das seinen Ausstieg aus der Kernenergie aufgegeben und E.On den Ausbau vorhandener Meiler erlaubt habe. „In Schweden hat man die politische Ablehnung gegen die Kernkraft gerade aus Klimaschutzgründen aufgegeben. Und die schwedischen Sozialdemokraten haben diesen Beschluss mitgetragen. Bei uns dagegen verläuft in der Kernenergiefrage ein tiefer Riss durch die Politik, auch innerhalb der Parteien selber. Ich habe wenig Hoffnung, dass sich daran vor der Bundestagswahl im Herbst etwas ändert.“ In Schweden habe E.On dagegen die Genehmigung erhalten, die Kernkraftwerke Forsmark, Oskarsham und Ringhals zu modernisieren. „Dies umfasst sowohl Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Sicherheit als auch zur Steigerung der Kraftwerksleistung. Innerhalb weniger Jahre werden wir somit mehr als 1.000 Megawatt zusätzlicher CO2-freier Grundlastkapazität schaffen, das entspricht ungefähr der Leistung eines neuen Kernkraftwerkes.“ Aufgrund der hohen Investitionen habe Schweden die Laufzeit der Kernkraftwerke auf 60 Jahre verlängert. Sogar der Neubau von Kernkraftwerken sei möglich, neben vorhandenen Meilern. „Das planen wir jedoch derzeit nicht.“

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