Energiewende: Der deutsche Ökoimperialismus

KommentarEnergiewende: Der deutsche Ökoimperialismus

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WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy

von Roland Tichy

Angela Merkels Rein-raus-Kurs in der Energiepolitik stellt Deutschland auf den Kopf und läuft frontal gegen die Umweltbewegung in unseren Nachbarländern. Ein Kommentar von Roland Tichy.

Nehmen wir Azienda Elettrica Ticinese, kurz AET, den Stromversorger des schön grünen Schweizer Kantons Tessin. Per Volksabstimmung soll das Unternehmen gezwungen werden, seine Anteil von 15,76 Prozent am Kohlekraftwerk Lünen im Ruhrgebiet zu verkaufen. Die Tessiner Grünen haben dazu ein Volksbegehren erwirkt. Sie wollen nicht, dass mit dem Geld, das AET mit den sauberen Wasserkraftwerken des Tessins verdient, ein Kohlestinker in Deutschland oder anderswo gebaut wird. Die AET Manager wiederum verweisen auf die fabelhafte Rendite, die in Deutschland mit Kohleverstromung zu verdienen ist – besonders seit der Atomwende, die auf unabsehbar lange Zeit nur mit Kohlestrom zu schaffen ist. Acht neue Steinkohlekraftwerke sind in Deutschland im Bau, weitere sieben geplant.

Das Tessin ist kein Einzelfall. Kritische Aktionäre des schwedischen Energieversorgers Vattenfall wollen erreichen, dass der Konzern keine der ökologisch besonders belastenden neuen Braunkohlekraftwerke mehr in Deutschland baut und bestehende Braunkohlekraftwerke stilllegt; insgesamt sollen aber sieben neue entstehen. Die Schweden wollen zum ersten Null-Emissionsland der Welt werden – und sich die nordischen Anstrengungen im Kampf gegen das Klimagas nicht durch Deutschland konterkarieren lassen. In Frankreich wiederum will die Regierung den Energiekonzernen gerade untersagen, neue Erdgasfelder zu erschließen – aus Sorge um die brutale Verschmutzung des Grundwassers und die Freisetzung von CO2. In Deutschland dagegen sollen neue Gaskraftwerke gleich dutzendweise ans Netz gehen, sie werden hierzulande als umweltverträglich schöngeredet.

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Atomare Nabelschau

Mit der aktuellen Energiepolitik läuft Deutschland frontal gegen die Umweltbewegung in unseren Nachbarländern.

Dabei geht es nicht nur um die grenznahen Atommeiler in Frankreich, Tschechien, Belgien und Holland, die für die deutsche Bevölkerung ein Risiko darstellen, das kaum niedriger ist als das von AKWs innerhalb der Bundesrepublik. Es geht vielmehr um die Klimapolitik.

Im Zuge der Atomwende ist dieses Ziel in der deutschen Debatte irgendwie verloren gegangen. Dabei wollte Angela Merkel hier sogar eine Vorreiterrolle übernehmen und bis 2020 mindestens 40 Prozent des CO2 Ausstoßes vermindern.

Wer durch Europa reist, erlebt eine seltsame Welt: Deutschland, das sich viel darauf einbildet, an der Spitze der Ökobewegung zu marschieren, gilt bei den Nachbarn als Klimasünder Nummer eins.

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