Energiewende: Der erstaunliche Imagewandel der Offshore-Windenergie

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Energiewende: Der erstaunliche Imagewandel der Offshore-Windenergie

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Ein Umspannwerk und Windräder stehen in der Nordsee rund 70 Kilometer westlich der Insel Sylt.

von Christian Schlesiger

Die Zahl der Windparks auf dem Meer könnte bis 2020 deutlich höher ausfallen, als es die Bundesregierung bislang geplant hat. Die beiden ersten Windparks Alpha Ventus in der Nordsee und Baltic 1 in der Ostsee haben bislang zudem mehr Strom produziert, als Prognosen vorhergesagt hatten.

Der Koalitionsvertrag gilt als Richtschnur für die laufende Legislaturperiode. Einige Ziele darin werden gehalten, viele verfehlt und wenige übertroffen. Letzteres könnte für den Ausbau der Windenergie auf hoher See zutreffen. Die große Koalition hatte in ihrem Vertragswerk von 2013 einen „Ausbaupfad 2020 auf 6,5 Gigawatt“ festgelegt – so viel Strom wie der Betrieb von rund drei Kernkraftwerken liefert.

Nun könnte die Offshore-Stromproduktion im Umfang der Leistung eines zusätzlichen Atomkraftwerks hinzukommen.

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Das zumindest sehen interne Überlegungen aus dem Bundesverkehrsministerium vor, dessen Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie die Genehmigung der Windparks verantwortet.

Die 15 aussichtsreichsten Windparkprojekte vor Deutschlands Küsten

  • Dan Tysk

    Größe: 70 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 3,6 MW
    Parkleistung: 288 MW

    Projektentwickler: Vattenfall
    Eigentümer: Vattenfall, Stadtwerke München
    Investoren: Vattenfall, Stadtwerke München

    Anzahl versorgter Haushalte: 400.000¹
    Investitionssumme: 1000 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2.695 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2014

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung
    Stand: 15.09.2014
    Quelle: windresearch

  • Global Tech I

    Größe: 41 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 5,0 MW
    Parkleistung: 400 MW

    Projektentwickler: Windreich (in Insolvenz)
    Eigentümer: Stadtwerke München, Heag, Axpo International, Exportes Offshore, Windreich, Norderland
    Investoren: Stadtwerke München, Heag, Axpo International, Exportes Offshore, Windreich, Norderland

    Anzahl versorgter Haushalte: 445000¹
    Investitionssumme: 1700 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 3744 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2014

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Meerwind Süd-Ost

    Größe: 40 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 3,6 MW
    Parkleistung: 288 MW

    Projektentwickler: WindMW
    Eigentümer: Blackstone, Windland
    Investoren: Blackstone, Windland

    Anzahl versorgter Haushalte: 370.000¹
    Investitionssumme: 1200 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2695 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2014

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Trianel Windpark Borkum (Phase I)

    Größe: 56 qkm
    Anzahl der Anlagen: 40
    Einzelleistung je Anlage: 5,0 MW
    Parkleistung: 200 MW

    Projektentwickler: Trianel
    Eigentümer: Trianel
    Investoren: Trianel, Europ. Investment Bank, NRW-Bank, Dexia Kommunalbank, UniCredit

    Anzahl versorgter Haushalte: 200.000¹
    Investitionssumme: 800 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 1872 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2014

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Amrumbank West

    Größe: 32 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 3,6 MW
    Parkleistung: 288 MW

    Projektentwickler: E.On
    Eigentümer: E.On
    Investoren: E.On

    Anzahl versorgter Haushalte: 300.000¹
    Investitionssumme: 1000 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2799 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2015

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • EnBW Baltic 2

    Größe: 27 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 3,6 MW
    Parkleistung: 288 MW

    Projektentwickler: EnBW
    Eigentümer: EnBW
    Investoren: EnBW

    Anzahl versorgter Haushalte: 340.000¹
    Investitionssumme: 1100 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2675 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2015

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Borkum Riffgrund I

    Größe: 36 qkm
    Anzahl der Anlagen: 78
    Einzelleistung je Anlage: 4 MW
    Parkleistung: 312 MW

    Projektentwickler: PNE 2 Riff I
    Eigentümer: DONG Energy, Kirkbi, Oticon Stiftung
    Investoren: DONG Energy, Kirkbi, Oticon Stiftung

    Anzahl versorgter Haushalte: 320.000¹
    Investitionssumme: 1250 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2592 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2015

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Butendiek

    Größe: 33 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 3,6 MW
    Parkleistung: 288 MW

    Projektentwickler: wpd
    Eigentümer: Marguerite Fund, Siemens Financial Service, Industriens Pension, PKA, CDC Infrasturcture, wpd Butendiek
    Investoren: E.On

    Anzahl versorgter Haushalte: 300.000¹
    Investitionssumme: 1000 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2799 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2015

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Nordsee Ost

    Größe: 24 qkm
    Anzahl der Anlagen: 48
    Einzelleistung je Anlage: 6,15 MW
    Parkleistung: 295 MW

    Projektentwickler: RWE Innogy
    Eigentümer: RWE Innogy
    Investoren: RWE Innogy

    Anzahl versorgter Haushalte: 300.000¹
    Investitionssumme: 1000 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2869 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2015

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Gode Wind I+II

    Größe: 42 qkm
    Anzahl der Anlagen: 55
    Einzelleistung je Anlage: 6 MW
    Parkleistung: 330 MW

    Projektentwickler: Dong Energy
    Eigentümer: Dong Energy
    Investoren: Dong Energgy

    Anzahl versorgter Haushalte: 340.000¹
    Investitionssumme: 1250 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 3207 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2016

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • MEG Offshore 1

    Größe: 46 qkm
    Anzahl der Anlagen: 80
    Einzelleistung je Anlage: 5 MW
    Parkleistung: 400 MW

    Projektentwickler: Nordsee Offshore MEG
    Eigentümer: Windreich (in Insolvenz)
    Investoren: keine Angaben

    Anzahl versorgter Haushalte: 445.000¹
    Investitionssumme: 1400 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 3780 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2018

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Nordergründe

    Größe: 6 qkm
    Anzahl der Anlagen: 18
    Einzelleistung je Anlage: 6,15 MW
    Parkleistung: 111 MW

    Projektentwickler: wpd
    Eigentümer: wpd
    Investoren: wpd

    Anzahl versorgter Haushalte: 140.000¹
    Investitionssumme: 300 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 1046 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2018

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Nordsee One

    Größe: 33 qkm
    Anzahl der Anlagen: 54
    Einzelleistung je Anlage: 6,15 MW
    Parkleistung: 332 MW

    Projektentwickler: Rwe Innogy
    Eigentümer: RWE
    Investoren: RWE

    Anzahl versorgter Haushalte: 300.000¹
    Investitionssumme: 1100 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 3138 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2018

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Sandbank

    Größe: 66 qkm
    Anzahl der Anlagen: 72
    Einzelleistung je Anlage: 4 MW
    Parkleistung: 288 MW

    Projektentwickler: Vattenfall
    Eigentümer: Vattenfall, Stadtwerke München
    Investoren: Vattenfall, München

    Anzahl versorgter Haushalte: 370.000¹
    Investitionssumme: 1200 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 2722 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2018

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

  • Wikinger

    Größe: 35 qkm
    Anzahl der Anlagen: 70
    Einzelleistung je Anlage: 5 MW
    Parkleistung: 350 MW

    Projektentwickler: Iberdrola
    Eigentümer: Iberdrola
    Investoren: Iberdrola

    Anzahl versorgter Haushalte: 400.000¹
    Investitionssumme: 1500 Mio. Euro
    Einnahmen nach 20 Jahren: 3612 Mio. Euro²
    Voraussichtliche Inbetriebnahme: 2018

    ¹Angaben der Projektentwickler, zum Teil geschätzt; ²Aus Einspeisevergütung

„Ein Ausbau der Offshore-Windenergie auf 7,7 Gigawatt bis 2020 macht Sinn“, heißt es in hochrangigen Regierungskreisen. Bislang ging die Bundesregierung davon aus, dass in Nord- und Ostsee bis 2020 pro Jahr im Schnitt zwei Windparks ihren Betrieb aufnehmen sollen. Nun könnte sich diese Zahl erhöhen. „Voraussetzung dafür ist allerdings, dass genug Windparks genehmigungsfähig werden“, sagt ein Beteiligter.

Hohe Kosten, enttäuschte Erwartungen

Der Offshore-Windenergie gelingt damit ein erstaunlicher Imagewandel. Die Technik hatte wegen ihrer hohen Kosten in der Vergangenheit nicht alle Erwartungen der Politik eingelöst.

Doch die Experten der Bundesregierung sehen nun ihre Vorteile. Auf hoher See weht der Wind nahezu rund um die Uhr, sodass die Stromproduktion außerordentlich stetig ausfällt. Die beiden ersten Windparks Alpha Ventus in der Nordsee und Baltic 1 in der Ostsee haben bislang zudem mehr Strom produziert, als Prognosen vorhergesagt hatten.

Einsparmöglichkeiten bei Offshore-Windparks

  • Berechnungsgrundlagen

    Ein Windpark auf hoher See mit 400 Megawatt Leistung kostet rund 1,8 Milliarden Euro. Schöpften die Planer alle Einsparpotenziale aus, ließe er sich 2020 etwa ein Drittel preiswerter bauen – und würde die Kilowattstunde dann für rund 10 statt 14 Cent erzeugen.

    Gesamtkosten für einen Standardpark heute: 1,8 Mrd. Euro

  • 1. Entwicklung und Planung

    Kosten heute: 72 Mio. Euro

    Einsparungen: 18 Mio. Euro

    Durch Einsparungen wie: vereinfachte Genehmigungen, Zuschlag für den billigsten Bieter in Ausschreibungen

  • 2. Finanzierung und Versicherung

    Kosten heute: 54 Mio. Euro

    Einsparungen: 3 Mio. Euro

    Durch Einsparungen wie: sinkende Versicherungsprämien und Zinsen, weil Vertrauen in Technik steigt

  • 3. Produktion der Windanlagen

    Kosten heute: 774 Mio. Euro

    Einsparungen: 310 Mio. Euro

    Durch Maßnahmen wie: Serienfertigung, höhere Leistung, Einsatz preiswerterer Materialien

  • 4. Transport und Montage

    Kosten heute: 270 Mio. Euro

    Einsparungen: 160 Mio. Euro

    Durch Maßnahmen wie: schnellere Installation von Fundamenten und Rotoren, mehr Montageschiffe

  • 5. Anbindung ans Stromnetz

    Kosten heute: 360 Mio. Euro

    Einsparungen: 80 Mio. Euro

    Durch Maßnahmen wie: kleinere Umspannstationen, einheitliche Genehmigungsstandards

  • 6. Betrieb und Wartung

    Kosten heute: 270 Mio.

    Einsparungen: 50 Mio.

    Durch Maßnahmen wie: robustere Bauteile und längere Serviceintervalle

  • Gesamte Einsparung

    bis 2020 insgesamt: 621 Mio. Euro

    Quellen: windresearch, eigene Berechnungen, die Einsparpotenziale sind jeweils Beispiele, das ganze ist eine Musterrechnung

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) verweist auf das vor einem Jahr in Kraft getretene Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das zwar ein Ausbauziel bei der Offshore-Windenergie von 6,5 Gigawatt bis 2020 vorsieht, aber der Bundesnetzagentur Spielraum beim Netzanschluss einräumt. So darf die Regulierungsbehörde in Bonn verfügen, die Anschlussleistung für den Strom-Transport vom Meer aufs Festland bis 2020 auf 7,7 Gigawatt auszubauen.

Über die im Vergleich zur Stromproduktion um 1,2 Gigawatt höhere Anschlusskapazität soll sichergestellt werden, „dass der im EEG genannte Korridor von 6,5 Gigawatt auch tatsächlich erreicht wird“, heißt es aus dem BMWi.

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Hintergrund der Pufferzone seien Erfahrungen aus der Vergangenheit, als es beim Ausbau der Offshore-Plattformen zu Verzögerungen kam. Die Anschlusskapazität würde so auf jeden Fall ausreichen, um auch zusätzliche Windparks anzubinden.

Die Branche begrüßt die Überlegungen der Politik. „Die Ausbauziele von 6,5 Gigawatt bis zum Jahr 2020 werden wir schaffen“, sagt Ronny Meyer, Geschäftsführer der Windenergieagentur in Bremerhaven. „Wir würden auch gerne mehr machen, brauchen dafür aber Planungssicherheit“, sagt Meyer. Sollte der Ausbaubedarf über die geplanten 6,5 Gigawatt hinausgehen, „muss spätestens im kommenden Jahr eine Entscheidung erfolgen“, sagt er.

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