Energiewende: Der große Schub beim Strompreis

ThemaEnergiewende

Energiewende: Der große Schub beim Strompreis

Bild vergrößern

28,7 Cent insgesamt kostet im Durchschnitt eine Kilowattstunde Strom für Privatverbraucher. Die durchschnittliche Jahresrechnung einer dreiköpfigen Familie steigt 2014 von 980 Euro auf 1050 Euro

von Cordula Tutt, Henning Krumrey und Silke Wettach

Die Umlage für Ökostrom steigt zum Jahreswechsel um 0,963 Cent auf 6,240 Cent je Kilowattstunde. Doch richtig teuer wird es, wenn im nächsten Jahr die großen Windparks auf See ans Netz gehen. Höchste Zeit für einen Schnitt bei der Förderung.

Helga Düring ist Herrin über eine große Maschine. Die kann maximal 150 Tonnen Gefrorenes am Tag produzieren. Das Kühleis verkauft die Bremerhavener Eiswerk GmbH vorrangig an Fischhändler – vergangenes Jahr 17.000 Tonnen. Doch die Stromrechnung bringt den Zehn-Mann-Betrieb, immerhin größter Hersteller im Land, in Existenznot. „Eine Schreibtischentscheidung ruiniert uns“, klagt die Geschäftsführerin.

Mehr als die Hälfte des Gesamtwerts der Produktion geht für Energie drauf: Der Verbrauch schlägt jährlich mit 80.745,03 Euro zu Buche. Hinzu kommen 123.325,19 Euro Steuern und Abgaben sowie 41.776,95 Euro Entgelt fürs Stromnetz.

Anzeige

Dienstleister gehen leer aus

Anders als 2400 andere energieintensive Betriebe gibt es fürs Eiswerk keine Erleichterung von der steigenden Last der Energiewende. „Angeblich sind wir kein Produktionsbetrieb“, wundert sich Düring über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). „Wir wurden einfach als Kältelieferant eingestuft.“ Und Dienstleister gehen eben leer aus.

Zuletzt hat sie Energiewende-Brandbriefe an Bundesumweltminister Peter Altmaier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) geschrieben. Altmaier bittet sie, „sich unseres Problems anzunehmen und für unser Unternehmen eine Regelung zu finden, die es möglich macht, weiter bestehen zu können“.

Strompreise für Privathaushalte und Industrie

Strompreise für Privathaushalte und Industrie. Klicken Sie auf die Grafik, um eine vergrößerte Ansicht zu erhalten

Steigende Kosten

Es ist wieder die Zeit der steigenden Wende-Kosten. Jedes Jahr zum 15. Oktober geben die Netzbetreiber bekannt, wie hoch die Umlage nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) ausfällt, die private Verbraucher sowie Industrie, Gewerbe und Handel für den gigantischen Umbau unseres Energiesystems im kommenden Jahr berappen müssen. Dazu kommen noch Netzentgelte, Stromsteuer und andere Abgaben, die bei Verbrauchern inzwischen mehr als 50 Prozent der Stromkosten ausmachen. Kein Wunder also, dass nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft eine Reform der Energiepolitik bei 72 Prozent der Deutschen ganz oben auf der Aufgabenliste für die neue Bundesregierung steht.

Ab Januar müssen Verbraucher mehr zahlen: Die Ökostrom-Umlage als Teil des Strompreises wird 2014 bei 6,240 Cent je Kilowattstunde liegen. Im laufenden Jahr fallen bereits 5,3 Cent EEG-Umlage an. Das ist der bisherige Rekordwert. Das Geld geht an die Betreiber von Windparks, Solarkollektoren und Biogaskraftwerken, die auf 20 Jahre eine feste Vergütung für ihren Strom bekommen.

Wie das EEG funktioniert

  • Gibt es Unsicherheiten?

    Die Netzbetreiber schätzen ab, wie sich die Lage im Folgejahr entwickelt: Wie viel erneuerbare Energie kommt hinzu? Wie entwickelt sich der Marktpreis? Wie vielen Industriebetrieben werden Ausnahmen gewährt, die die übrigen Verbraucher belasten? Außerdem wird noch eine Liquiditätsreserve eingeplant.

  • Was wird finanziert?

    Die EEG-Umlage wird erhoben, weil Betreiber von Anlagen für Solarenergie, Windkraft oder Biogas eine auf 20 Jahre festgelegte Bezahlung je Kilowattstunde (kWh) Strom bekommen. Je niedriger der Börsenpreis für Strom ausfällt, desto größer ist die Differenz, die durch die Umlage von den Verbrauchern finanziert werden muss. Je mehr Industriebetriebe zudem von der Umlage befreit sind, desto stärker steigen die Kosten für die verbleibenden Zahler.

  • Wie wird gerechnet?

    Die Umlage wird jeweils am 15. Oktober fürs Folgejahr bekannt gegeben. Berechnet wird sie von den Netzbetreibern auf Basis der Septemberdaten – ausgehend davon, wie viele Anlagen für Erneuerbare am Netz hängen und welcher Börsenpreis für Strom erwartet wird.

Teurer Strom

Nach Rechnung des Vergleichsportals Verivox bedeutet das für einen Haushalt mit drei Personen und dem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden 2014 im Schnitt 1050 Euro für Strom im Jahr – 70 Euro mehr als bisher. Die EEG-Umlage macht dabei 36 Euro aus, hinzu kommen 23 Euro bei Netzentgelten und obendrauf 11 Euro Mehrwertsteuer – selbst auf die staatlichen Zwangsabgaben. Insgesamt würde der Preis so um sieben Prozent klettern.

Ursprünglich war ein noch stärkerer Anstieg erwartet worden – aber im September gab es wenig Wind- und Solarstrom (siehe Kasten). Besonders paradox: Die Umlage steigt 2014 nicht vorrangig, weil so viele neue Wind- oder Solaranlagen gebaut worden wären oder die Industrie so großzügig Rabatt bekam. Nach Gutachterschätzungen ist es vor allem der Preis an der Strombörse, der dank der vielen Ökoanlagen und reichlich Kohlestrom massiv gefallen ist. Die Differenz zur auf 20 Jahre festgelegten Vergütung für Betreiber der Ökoanlagen zahlen die Verbraucher. Die Lücke klafft bisher bei rund 20 Milliarden Euro im Jahr.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%