Energiewende: Gabriels Energiekonzept kommt Deutschland teuer zu stehen

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Energiewende: Gabriels Energiekonzept kommt Deutschland teuer zu stehen

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Mit seinen Zugeständnissen an die Industrie macht Sigmar Gabriel die Energiewende für Deutschland deutlich teurer.

von Angela Hennersdorf und Marc Etzold

Das Energiekonzept der Bundesregierung lässt viele Fragen offen. Fest steht aber: Für Stromkunden und Steuerzahler wird es noch teurer.

Um große Worte ist Sigmar Gabriel selten verlegen, vor allem nicht zu seinem Lieblingsthema, der Energiewende. „Wir schreiben hier ein neues Kapitel in den Geschichtsbüchern“, versprach der Bundeswirtschaftsminister (SPD), als er das neue Konzept der Bundesregierung zur Energie- und Klimapolitik vorstellte. Dieses Konzept, so Gabriel weiter, sei nicht weniger als „ein historischer Pakt für einen neuen Wohlstand“.

Was Gabriel galant verschwieg: Der nun gefundene Kompromiss wird für Stromkunden und Steuerzahler rund zehn Milliarden Euro kostspieliger werden als die ursprünglich von ihm geplante Klimaabgabe auf alte Kohlemeiler.

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Deutschlands Energieriesen im Vergleich

  • Eon

    Mit über 122 Milliarden Euro Umsatz und weltweiten Kapazitäten zur Stromerzeugung von 61 Gigawatt im Jahr 2013 ist Eon Deutschlands größter Energiekonzern. Doch den Düsseldorfern machen die Folgen der Energiewende zu schaffen. Das klassische Stromgeschäft wirft wegen des wachsenden Anteils von Sonnen- und Windenergie immer weniger Geld ab. Zudem häufte Eon durch seine Expansion einen Schuldenberg von 31 Milliarden Euro an. Ende 2013 hatte der Konzern 62.200 Mitarbeiter.

  • RWE

    Die Gewinne des zweitgrößten deutschen Versorgers sind wegen des niedrigen Börsenstrompreises 2014 rapide geschrumpft. Das betriebliche Ergebnis sank auf 4 Milliarden Euro und lag 25 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Außenumsatz des Konzerns ging von 52,4 auf 48,5 Milliarden Euro zurück. Die Nettoverschuldung von RWE bewegte sich 2014 mit 31 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Ende 2014 beschäftigten die Essener weltweit knapp 59.800 Mitarbeiter.

  • EnBW

    Die Nummer drei der Branche will zum Treiber der Energiewende werden. Ende 2013 erzeugte EnBW knapp 20 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser, Sonne und Biomasse. Bis 2020 soll der Anteil 40 Prozent betragen. Die Karlsruher haben rund 20.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von über 20 Milliarden Euro. Unrentable Kraftwerke und niedrige Strompreise sorgten unter dem Strich in den ersten neun Monaten 2014 für ein Minus von über 770 Millionen Euro.

  • Vattenfall

    Fallende Preise machten dem schwedischen Konzern 2014 zu schaffen. Der Umsatz sank auf 166 Milliarden Kronen (18 Milliarden Euro). Auch das bereinigte Betriebsergebnis von 2,6 Milliarden Euro fiel geringer aus - teils wegen Rücklagen für den deutschen Atomausstieg. 2015 will das Staatsunternehmen aus Stockholm mit 30.200 Mitarbeitern einen strikten Sparkurs fahren. In Deutschland erwägt Vattenfall einen Verkauf seiner Braunkohle-Sparte in Brandenburg und Sachsen.

Freuen können sich die Energieversorger. Statt Strafgebühren für alte Meiler zu zahlen, winkt ihnen nun eine saftige Belohnung. Zwar wehrt sich Gabriels Umfeld gegen den Eindruck, es gäbe künftig eine Art Abwrackprämie für energieintensive Kraftwerke. In der Praxis ist aber genau das vorgesehen.

Nun sollen die Versorger Braunkohlekraftwerke mit einer Leistung von 2,7 Gigawatt – das entspricht etwa fünf größeren Kraftwerken – ab 2017 nur noch als Notreserve bereithalten. Dafür will die öffentliche Hand die Versorger bis 2020 mit 230 Millionen Euro entlohnen – pro Jahr, versteht sich.

Stillgelegte Meiler sollen elf Millionen Tonnen CO2 beitragen

Zugleich steigt die Gefahr, dass die Bundesregierung ihre ehrgeizigen Klimaziele verfehlen wird.

Damit der Ausstoß in Deutschland bis 2020 wie geplant um 40 Prozent gegenüber 1990 sinkt, müsste der Energiesektor zusätzlich 22 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Der nun vorgelegte Plan, fünf Meiler stillzulegen, wird dazu aber nur rund elf Millionen Tonnen beitragen.

Wo der Rest herkommen soll? In Gabriels Konzept heißt es, die Energiekonzerne sollten ab 2018 jährlich weitere 1,5 Millionen Tonnen einsparen.

Wie das geschehen soll, lässt der SPD-Minister jedoch offen. Dafür rechnet er vor, die immer noch fehlenden 9,5 Millionen Tonnen sollten durch bessere Energieeffizienz in Gebäuden, Kommunen und auch bei der Bahn zusammenkommen.

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