Energiewende: Grüne: 35 Euro weniger für Strom

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Energiewende: Grüne: 35 Euro weniger für Strom

Die Grünen wollen die Industrie und die Windenergie-Branche stärker an den Kosten der Energiewende beteiligen. Mit einem am Dienstag vorgestellten Paket zur Reform der Ökostromförderung sollen die Stromkosten für eine vierköpfige Familie um rund 35 Euro pro Jahr gesenkt werden.

Die Grünen stellten ein entsprechendes Projekt zur Reform der Ökostromförderung vor. "Wir stehen zur Energiewende und wollen, dass sie gerecht, verbraucherfreundlich und transparent gestaltet wird", heißt es in dem Papier. Dafür sollen die Ausnahmen für große Stromverbraucher bei der Förderung von Ökostrom wieder auf das Niveau aus der Zeit der rot-grünen Bundesregierung gekürzt werden. Der Mindestbeitrag, den auch diese zu zahlen haben, soll zudem erhöht werden.

Die Energiewende und der Sand im Getriebe

  • Wo liegen aktuell die drängendsten Probleme?

    Der Netzausbau ist weit hinter dem Plan zurück. Die Betreiber der teuren Offshore-Windsparks in Nord- und Ostsee sind verärgert, dass es immer neue Verzögerungen gibt, beim Energiesparen gibt es kaum Fortschritte, die Debatte über die Ökostromförderung entwickelt sich zum Dauerbrenner - die Liste ließe sich fortsetzen. Die Regierung muss an zahlreichen Stellschrauben drehen, ein abgestimmtes Konzept ist in vielen Bereichen aber noch nicht erkennbar.

  • Welche Erfolge gibt es?

    Der Ausbau der erneuerbaren Energie liegt nicht nur im Plan, er übertrifft sogar die Erwartungen. Im ersten Halbjahr 2012 machte Ökostrom erstmals mehr als 25 Prozent am deutschen Strommix aus, insgesamt wurden knapp 68 Milliarden Kilowattstunden ins Stromnetz eingespeist. Die Windkraft hat mit 9,2 Prozent den größten Anteil, vor der Bioenergie mit 5,7 Prozent. Der Anteil der Solarenergie hat sich binnen Jahresfrist fast verdoppelt und liegt nun mit 5,3 Prozent auf dem dritten Platz, vor der Wasserkraft mit vier Prozent.

  • Was bedeutet das für die Verbraucher?

    Der Anstieg der erneuerbaren Energien kann für die Stromkunden teuer werden. Wenn mehr Ökostrom produziert wird, steigt auch die Umlage zur Förderung der Energie aus Sonne, Wind oder Wasserkraft, die über den Strompreis gezahlt wird. Diese ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt und liegt aktuell bei 3,59 Cent pro Kilowattstunde. Das bedeutet für einen Durchschnittshaushalt rund 125 Euro Zusatzkosten pro Jahr. Der Aufschlag dürfte sich nun deutlich erhöhen. Spekuliert wird bereits über einen Anstieg auf 5,3 Cent zum Jahreswechsel, was die Kosten für einen Durchschnittshaushalt auf 185 Euro hochtreiben würde.

  • Wird der drohende Anstieg der EEG-Umlage Konsequenzen haben?

    Das ist noch offen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) warnt immer wieder, dass hohe Strompreise die Wettbewerbsfähigkeit gefährden könnten. Er fordert deshalb eine Reform der Förderung. Die Regierung hat jedoch erst 2011 eine Reform des EEG auf den Weg gebracht, die Anfang 2012 in Kraft trat und bei der Solarförderung nochmals verändert wurde. Außerdem ist der Strompreis viel stärker gestiegen als die Ökoenergieförderung. Umweltschützer halten mangelhaftes Energiesparen und pauschale Befreiungen für die stromintensive Industrie für die eigentlichen Preistreiber.

  • Wie weit ist der Ausbau der Windenergie?

    Neben dem Ausbau der Windkraftanlagen an Land gilt der Ausbau der Offshore-Windenergie, also der Windkraftanlagen im Meer, als wichtiger Pfeiler der Energiewende. Bis zum Jahr 2020 sollen vor den Küsten Windenergieanlagen mit einer Kapazität von 10 000 Megawatt zur deutschen Stromerzeugung beitragen. Das sind ungefähr 2000 Windkraftwerke. Gegenwärtig arbeiten in der Nordsee aber erst 28 Anlagen mit 140 Megawatt Leistung. Dazu kommen noch 21 kleinere Windkraftwerke in der Ostsee - macht zusammen gerade einmal 180 bis 190 Megawatt.

  • Woran hakt es?

    Das größte Problem ist nach wie vor die Anbindung der Anlagen in Nord- und Ostsee an das Festlands-Stromnetz. Zudem reichen die Leitungen an Land nicht für den Weitertransport des Windstroms in den Süden Deutschlands. Die Stromerzeuger sehen wegen der Verzögerungen beim Netzanschluss inzwischen die ganze Energiewende in Gefahr. Sie verlangen dringend Klarheit, wer dafür haftet, wenn die Windparks stehen, aber nicht ans Netz gehen können. Wirtschaftsminister Rösler und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) haben vorgeschlagen, dass die Verbraucher die Kosten für Verzögerungen über den Strompreis mittragen sollen. Rösler hofft auf eine endgültige Regelung noch im Sommer.

  • Wie weit ist der Netzausbau insgesamt?

    Für die Energiewende werden laut Bundesregierung 3800 Kilometer an neuen Stromautobahnen benötigt. Weitere 4400 Kilometer des bestehenden Netzes sollen fit gemacht werden für die schwankende Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie. Die Netzbetreiber haben einen Entwurf für einen Netzentwicklungsplan vorgelegt, bis Mitte August soll eine zweite Version fertig sein. Die Bundesnetzagentur verlangt nun, der Ausbau müsse viel schneller gehen. Rösler fordert deshalb bereits, vorübergehend Umweltstandards außer Kraft zu setzen, so dass zum Beispiel bei Klagen gegen den Bau von Leitungen eine Gerichtsinstanz ausreicht.

Nach dem Modell der Grünen soll die Windbranche an der Küste Einschnitte hinnehmen. Diese Anlagen an guten Standorten sollen weniger für ihren Strom erhalten, um so eine Überförderung zu verhindern. Ferner sollen auch alle Betriebe und Privatverbraucher, die Strom selber etwa über eigenen Kraftwerke oder Solaranlagen produzieren, an der Umlage für Ökostrom beteiligt werden. Dies hatte auch Umweltminister Peter Altmaier (CDU) in seinem Konzept für eine Strompreisbremse aufgenommen. Getroffen werden davon vor allem große Industriekonzerne. Ökostrom wird für die Verbraucher durch eine Umlage auf den Strompreis besonders gefördert. Diese war zuletzt deutlich gestiegen.

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Die Grünen sehen die Einigungschancen im Streit um eine Strompreisbremse zwei Tage vor dem Sondertreffen skeptisch. Chef der Grünen-Fraktion im Bundestag, Jürgen Trittin, meinte beispielsweise, dass es noch eine Menge Beratungsbedarf gebe. Die rheinland-pfälzische Grünen-Wirtschaftsministerin Eveline Lemke sagte, sie nehme das Treffen bei Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) an diesem Donnerstag ernst. Eine Einigung sei aber nur möglich, wenn die Grünen Altmaier zu deutlichen Abstrichen etwa bei den geplanten Kürzungen für Wind- und Solaranlagen bewegen könnten.

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