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Energiewende: Hohe Kosten sind ein Mythos

von Hans-Josef Fell

Die Gegner der Energiewende rechnen die Kosten fälschlicherweise hoch, sagt der energiepolitische Sprecher der Grünen Hans-Josef Fell. Der Netzumbau koste den Verbraucher kaum etwas.

Hans-Josef Fell Quelle: Pressebild
"Ohnehin zieht sich die Industrie mehr und mehr aus der EEG-Umlage zurück.", so Hans-Josef Fell von den Grünen. Quelle: Pressebild

Warum verschweigen die Gegner der Energiewende konsequent die viel höheren Kosten der konventionellen Versorgung? Hunderte Milliarden kosten die neuen Erdgaspipelines und -terminals, neue Tiefseebohrungen, neue Kohlekraftwerke, neue Gaskraftwerke und die dazu notwendigen Brennstoffe, von den externen Schadenskosten ganz zu schweigen.

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Dies macht auch der bayrische Wirtschaftsstaatsminister Martin Zeil. Er spricht nicht von den stark gestiegenen Steinkohle- und Erdgaspreisen, die den Strom teurer machen. Importsteinkohle ist heute um 25 Prozent teurer als 2010. Öl zog um mehr als ein Drittel auf 110 Dollar pro Barrel an, plagt die Autofahrer und jagt die Heizungskosten in die Höhe.

Minister Zeil benennt in seinen Berechnungen stattdessen die angeblich höheren Kosten für die Börsenstrompreise, für den Ausbau der erneuerbaren Energien und für die Stromnetze. Er spricht von einer Erhöhung der Großhandelspreise um 0,7 bis 0,8 Cent je Kilowattstunde nach Abschalten der Atomkraftwerke. Doch die Bundesregierung antwortete dieser Tage auf meine Anfrage: „In den letzten Monaten ist eine sinkende Tendenz bei den Futures zu beobachten, und in jüngster Zeit befindet sich das Strompreisniveau für Future-Kontrakte auf einem vergleichbaren Niveau wie vor dem Atommoratorium. Die börslichen Strompreise liegen damit zurzeit rund ein Drittel unterhalb des 2008 zu beobachtenden Hochpreisniveaus.“ So weit die Bundesregierung. Solar- und Windstrom senken also die Börsenstrompreise.

Ungerechte Verteilungspolitik

Natürlich zahlt der Stromkunde für die Investitionen in Wind-, Sonnen- oder Geothermieenergie über die Umlage des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes. Die EEG-Umlage wird häufig mit den Kosten der erneuerbaren Energien verwechselt. Dabei geht unter, dass es sich um einen Vergleichswert zu den Spotmarktpreisen an der Börse handelt. Und dort ergibt sich ein paradoxer Effekt: Immer dann, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht, drücken die erneuerbaren Energien den Spotmarktpreis nach unten. Als Folge steigt die Differenz zu den Vergütungen, die die erneuerbaren Energien bekommen, und damit auch die EEG-Umlage. Die Paradoxie geht noch weiter: Von den gefallenen Börsenpreisen profitieren Unternehmen, die am Spotmarkt einkaufen. Die höhere Umlage zahlen aber andere. Ohnehin zieht sich die Industrie mehr und mehr aus der EEG-Umlage zurück. Schon jetzt sind 15 Prozent des Stromverbrauchs zulasten anderer Kunden begünstigt, Tendenz stark steigend. Die von Herrn Zeil zitierten Anstiege für 2012 und 2013 haben vor allem mit der Privilegierung der Industrie zu tun, daneben aber auch mit neuen Sonderfaktoren wie der neuen Marktprämie und dem ebenfalls neuen Liquiditätspuffer für die Übertragungsnetzbetreiber. Das sind aber nicht die Kosten der Energiewende, sondern die einer ungerechten Verteilungspolitik.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.01.2012, 09:53 Uhrhorrex

    Der gute Mann in seinem Grünen Hohepriester Tenor ignoriert,
    dass 1.) die Sicherheit eines bewährten Systems mit über 99% Sicherheit etwas kostet.
    2.) Die Risiken dieses überhasteten Umbaus dagegen enorm sind (jede Std. Netzausfall - nur in Bayern - auf eine "läppische" Milliarde - die taxiert werden.
    Was für ihne "uninteressant" ist, weil ANGEBLICH (!!!) die "böse Industrie" das zu zahlen hat.
    3.) Ein kompletter Infrastrukturwechsel (hin zum 2Wege-Netz) nötig ist. Stattdessen suggeriert er in typischer Milchmädchen-Art die er seinser Klientel ja verkaufen kann, dass dies, weil „ab-zu-schreiben“ so gut wie nix mehr kostet.
    4.) Die Kohle, Öl, Gaspreise zwar deutlich gestiegen sind, die Kosten der Brennstoffe aber nur einen SEHR geringen Teil der Gesamtkosten ausmachen, all die politischen UMLAGEN im Strompreis inzwischen weit gewichtiger sind.




  • 16.01.2012, 12:00 Uhrrealist42

    Sie beklagen ein von der Regierung geschaffenes Problem (negative Strompreise), dass in keinem Zusammenhang mit den Erneuerbaren Energien steht!

    Die Politik (u.a.die CDU) wollte, dass die durch EEG-Anlagen produzierten Strommengen über die Börse angeboten werden (seit 2009). Das kann sie aber genauso leicht wieder ändern. Der EEG-Strom wird ja nicht von den Stromkäufern an der Börse bezahlt, sondern von den sogenannten "Nicht-privilegierten Letztverbrauchern" (i.d.R. den Haushalten). Ohne diesen "Umweg" hätte die EEG-Umlage die Verbraucher im letten Jahr nur ca. 2,6 Cent/ kWh gekostet (anstatt 3,5 Cent)! Die Differenz von 0,9 Cent haben die Verbraucher dafür bezahlt, dass Stromhändler und Energieunternehmen zusätzlich 100 Mrd. kWh Graustrom für im Mittel 5 Cent/ kWh an der Börse einkaufen konnten. Das hat aber mit dem EEG gar nichts zu tun!

    Wenn diese Regierung immer weiter Kosten von den Großverbrauchern auf die Kleinverbraucher verlagert und damit die Kosten für diese treibt, so kann sie das tun, aber dann soll sie bitte schön den Kostenanstieg nicht den EE "in die Schuhe schieben". Das ist ein durchsichtiges Manöver und hat mit Wahrheit nichts zu tun!

  • 14.01.2012, 17:23 Uhrskeptiker33

    Nach der Propaganda von Herrn Fell, mal einige Zitate aus dem "EEG-Erfahrungsbericht 2011" (Entwurf)des BMU:

    -"Die Vergütungszahlungen im Rahmen des EEG beliefen sich 2010……auf über 12 Mrd. €….. Hier ist es in den letzten Jahren zu Fehlentwicklungen gekommen (!). So entfielen 2010 im Stromsektor von rund 23,7 Mrd. € Investitionen in erneuerbare Energien allein 19,5 Mrd. € und damit über 80% auf die Photovoltaik.“

    -"Insgesamt stieg seit dem Jahr 2000 die durchschnittliche Vergütung für Strom aus (allen) erneuerbaren Energien von 8,5 Cent / kWh auf voraussichtlich 15,5 Cent / kWh (2010) an. Diese Entwicklung mußte dringend gestoppt werden."

    -"Im September 2008 wurde an der Strombörse die Möglichkeit negativer Preise eingeführt. Dies ist bislang weltweit einzigartig. (Anm.: Die Verfasser sind eindeutig stolz darauf). Tatsächlich sind negative Preise inzwischen mehrfach vorgekommen, im Extremfall wurden Preise bis zu minus 500 €/MWh erreicht.

    Um die Höhe negativer Preise zu begrenzen, sah die Ausgleichsmechanismus-Ausführungsverordnung (AusglMechAV) vom 22.2.2010 eine bis zum Jahresende 2010 befristete Übergangsregelung vor, welche die Netzbetreiber in Ausnahmefällen von der Pflicht befreite, EEG-Strom um jeden Preis an der Börse verkaufen zu müssen. Um das Kostenrisiko auch über das Jahr 2010 hinaus zu reduzieren, enthält die AusglMechAV seit dem 1.1.2011 eine bis zum 28.2. 2013 befristete Möglichkeit, negative Preise zu begrenzen. Danach greifen Preislimits zwischen minus 150 und minus 350 Euro."

    Quelle:
    http://www.science-skeptical.de/blog/die-energiewende-ist-schon-gescheitert/006460/

    Was Herr Fell (typisch Lehrer!) zudem komplett übersieht, ist, dass er für die Realisierung seiner grünen Träume Kapital benötigt. Kapital jedoch ist scheu wie ein Reh und flieht vor den Sozialisten.
    Frage:
    Warum installierte die DDR-Führung keine Elektrofilter in Bitterfeld? Man hätte es doch nur befehlen müssen im sozialistischen Paradies?!

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