Energiewende-Index: Deutschland ist kein Vorbild

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Energiewende-Index: Deutschland ist kein Vorbild

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Eine Windkraftanlage in der Nähe von Niebüll wird gewartet: Erneuerbare Energien alleine sind kein Allheilmittel.

von Niklas Dummer

Angela Merkel feierte sich zu Beginn der Energiewende als Klimakanzlerin und präsentierte Deutschland als Vorbild für die Welt. Eine Studie von McKinsey zeigt nun: Von einer Vorreiterrolle ist Deutschland weit entfernt.

Im Jahr 2007 wollte Deutschland noch Vorreiter sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ sich als Klimakanzlerin feiern. Als der bisher größte Industriestaat versuchte Deutschland, Konsequenzen aus dem Klimawandel zu ziehen. Mit der Energiewende wollte es ein Modell liefern, dem die Welt nacheifern könnte.

Die Unternehmensberatung McKinsey begleitet die Energiewende seit 2012 und analysiert(.pdf) regelmäßig die Erreichbarkeit der ambitionierten Ziele der Bundesregierung. Die Bilanz nach zwei Jahren sei „ernüchternd“.

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Galten 2012 noch fünf von 15 Indikatoren als „realistisch“ umsetzbar und ganze acht als „unrealistisch“, schätzt McKinsey mittlerweile nur noch sechs als realisierbar ein. Neun Indikatoren schätzen die Autoren des Energiewendenindex als nicht realisierbar ein.

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde

  • Das Bevölkerungswachstum

    Die Anzahl der Menschen auf der Erde wächst jedes Jahr um etwa 70 bis 80 Millionen Personen. Das entspricht fast der Bevölkerungsgröße Deutschlands. Bis 2050 soll laut Schätzungen der Vereinten Nationen die Weltbevölkerung auf knapp 10 Milliarden Menschen angewachsen sein. Dass die Kinder nicht hierzulande oder bei unseren europäischen Nachbarn geboren werden, ist hinreichend bekannt. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika und Asien wächst die Bevölkerungszahl. Dadurch wächst auch der Bedarf an Rohstoffen, Energie, Wasser und Nahrung.

  • Wirtschaftswachstum

    Trotz Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1992 hat sich der CO2-Ausstoß kaum verringert. Lediglich als 2009 aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise viele Industriestätten weniger produzierten, sank der Wert der Kohlendioxidemission auf 784 Millionen Tonnen. Schon ein Jahr später lag der Wert wieder bei 819 Millionen Tonnen. Dabei entsteht ein Großteil der Emissionen in nur wenigen Ländern wie China, den USA und der EU.

  • Automobile

    Während Carsharing und der öffentliche Nahverkehr in Ländern wie Deutschland in Zeiten hoher Benzinkosten viele Anhänger findet, ist der weltweite Trend eindeutig ein anderer. Immer mehr PKW fahren über den Globus. 2010 wurde erstmals die Eine-Milliarde-Marke geknackt. Besonders viele Autos pro Einwohner werden in Monaco und den USA gefahren.

  • Kohle, Kohle, Kohle

    Der seit Mai 2012 stetig ansteigende Ölpreis hat dafür gesorgt, dass Kohle wieder an Attraktivität gewonnen hat. Die Wiederauferstehung der Kohle ist für die Umwelt eine Katstrophe. Laut BUND sind Kohlekraftwerke mehr als doppelt so klimaschädlich wie moderne Gaskraftwerke. Die großen Dampfwolken aus den Kühltürmen der Kraftwerke machen ein anderes Problem deutlich: Mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht meist als ungenutzte Wärme verloren.

  • Abholzung

    Das Handout der Umweltschutzorganisation WWF zeigt die illegale Abholzung eines Waldgebietes in Sumatra (Indonesien). Jährlich gehen knapp 5,6 Millionen Hektar Wald verloren. Die fortschreitende Abholzung von Regenwäldern trägt entsprechend mit zur globalen Erderwärmung bei. Denn die Wälder speichern Kohlendioxid.

  • Rindfleisch

    Rinder sind wahre CO2-Schleudern. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie eine 1.600 Kilometer lange Autofahrt. In diese Rechnung fließen mehrere Faktoren ein. Zum einen können auf dem für die Rinder genutzten Weideland keine Wälder mehr wachsen. Zum anderen scheiden Rinder das klimaschädliche Gas Methan aus. Laut WWF sind in Deutschland fast 70 Prozent der direkten Treibhausemissionen auf die Ernährung mit tierischen Produkten zurückzuführen.

  • Wegwerfgesellschaft

    Nicht nur Unmengen an Verpackungsmüll produzieren die Deutschen. Wir schmeißen auch jede Menge Lebensmittel weg, pro Kopf etwa 100 Kilogramm pro Jahr. Auch diese Verschwendung wirkt sich massiv negativ auf das Klima aus.

  • Flugzeuge

    Flugzeuge stoßen CO2, Stickoide, Wasserdampf, Ruß, Sulfat und andere Partikel aus und verpesten so die Umwelt. Die größte Klimawirkung hat laut atmosfair.de das reine CO2, das immer beim Verbrennen von Benzin oder Kerosin entsteht. Außerdem die Bildung von Schleierwolken und Kondensstreifen, der Aufbau vom Treibhausgas Ozon in einem sensiblen atmosphärischen Stockwerk sowie der Abbau von Methan.

So zum Beispiel einer der Kernpunkte der Energiewende: die Reduktion der CO2-Emissionen. Bis 2020 will die Bundesregierung den Ausstoß im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent reduzieren. Durch den gezielten Ausbau und die Förderungen der erneuerbaren Energien sollte das realisiert werden.

Zwar stieg laut dem Report der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch von sechs Prozent im Jahr 2000 auf 31 Prozent im ersten Halbjahr dieses Jahres – das Ziel bis 2020 wird damit aller Voraussicht nach deutlich überfüllt. Die CO2-Emissionen gingen aber gemessen an den Zielen kaum zurück.

Der Strompreis steigt! Schon wieder mag der ein oder ander da denken. Heute geben die Netzbetreiber in Deutschland bekannt, um wie viel die Ökostrom-Umlage oder auch EEG-Umlage im kommenden JAhr steigen wird.

Klimaexperte Friedrich Schmidt-Bleek sagte dazu im Interview mit Wirtschaftswoche Online, dass selbst die neuesten Photovoltaik-Anlagen immer noch den Ressourcenverbrauch von Atomkraft hätten. „Der vermeintliche Ökostrom aus Photovoltaikanlagen ist also selbst beim aktuellen Stand der Technik alles andere als grün.“

Die Autoren zeigen, der Ausbau führe vielmehr dazu, dass sich sowohl die Preise für CO2-Zertifikate als auch für Strom im Großhandel senkten. Das habe zur Folge, dass deutscher Strom immer stärker nachgefragt werde – die Krux sei dabei aber, dass die Nachfrage durch CO2-intensive Stein- und Braunkohlekraftwerke gedeckt werde.

Im Vorjahr stiegen die CO2-Emissionen um 1,2 Prozent auf 951 Millionen Tonnen. Zwar sank der Ausstoß dieses Jahr wieder, der Grund dafür sei aber die milde Witterung – ein externer Effekt und keine politische Leistung.

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