Energiewende: Reservekraftwerke werden Milliarden verschlingen

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Energiewende: Reservekraftwerke werden Milliarden verschlingen

von Andreas Wildhagen

Die Regierung verschweigt, was die Sicherung der Stromversorgung für den Fall kostet, dass zu wenig Wind weht und die Sonne kaum scheint. Schon jetzt zwingt der Ökostrom die Versorger zu riesigen Abschreibungen. Nun drohen den Stromverbrauchern weitere zig Milliarden, weil sie für Reservemeiler zahlen sollen.

Jan Trost ist ein optimistischer Mann. Der Ortsbürgermeister der württembergischen Kleinstadt Marbach am Neckar, 20 Kilometer nördlich von Stuttgart, gab die Hoffnung nicht auf.

Jahrzehntelang brummte am Rande der Geburtsstadt des Dichters Friedrich Schiller, zweieinhalb Kilometer flussaufwärts, ein Gas- und Dampfkraftwerk. Dann aber rief 2011 die Bundesregierung die Energiewende aus. Und die drei Blöcke, in der Leistung halb so groß wie ein kleines Kernkraftwerk, liefen immer immer seltener, zuletzt nur 100 Stunden oder gut vier Tage im Jahr. Darum beantragte der baden-württembergische Energiekonzern EnBW im Juli bei der Bundesnetzagentur in Bonn, den Verlustbringer stilllegen zu dürfen.

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Damit wären in der 15.000-Einwohner-Gemeinde die rund 500 Jobs, die das Kraftwerk einst bot, endgültig verloren. Und die 30 Techniker, die den Meiler zurzeit noch in Schuss halten, müssten für immer das Licht ausmachen.

Doch dazu wird es nicht kommen. Die Bundesnetzagentur, die über den Kraftwerkspark wacht, untersagte die Stilllegung. Ortsvorsteher Trost freut sich, dass der alte Meiler als Reserve erhalten bleibt – für den Fall, dass die Stromversorgung im Südwesten Deutschlands durch ausbleibenden Windstrom aus dem hohen Norden gefährdet ist. Im Gegenzug erhält EnBW Geld vom konzerneigenen Stromnetzbetreiber, der die Kosten auf den Stromkunden umlegt. „Das ist eine gute Nachricht, an die wir immer geglaubt haben“, sagt Trost. Und einer der verbliebenen Kraftwerker meint: „Wir können doch nicht alle auf Museumswärter im Schillermuseum umschulen.“

Kraftwerke, für die bei der Bundesnetzagentur die Stilllegung beantragt wurde

Es ist keine zwei Wochen her, dass der neue Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) seine Pläne für eine Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) und damit der Energiewende präsentierte. Mit neuen Vorschriften will der Sozialdemokrat die Kosten des Atomausstieges und der Umstellung der Stromproduktion von fossilen Energieträgern auf Wind und Solar bremsen.

Doch Gabriels Vorschlag enthält nicht nur weiterhin Treibsätze für Kostensteigerungen, vor allem für Deutschlands Industrieunternehmen. Mehr noch: Der Minister weiß auch, dass er den künftigen Aufwand für Reservekraftwerke à la Marbach bei der Reform der Energiewende noch gar nicht berücksichtigt hat. Denn darüber, ließ er in den Koalitionsvertrag schreiben, sei erst „mittelfristig“ zu reden.

Aber mittelfristig ist bald. Denn schon 2016, in zwei Jahren, will die Bundesregierung einen Mechanismus in Gang setzen, den es in Deutschland bisher nicht gab: Statt ausschließlich für den verbrauchten Strom zu bezahlen, sollen die Kunden künftig auch für Kraftwerke aufkommen, die die Energieversorger wie in Marbach lediglich in Reserve halten. Dazu soll ein sogenannter Kapazitätsmarkt etabliert werden, der die bisherige Versorgungssicherheit gewährleistet. Im Klartext: Wenn Wind- und Solarkraftwerke nicht genügend Volt und Ampere produzieren, sollen fossile Kraftwerke einspringen, die ansonsten aber auf Standby stehen.

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40 Kommentare zu Energiewende: Reservekraftwerke werden Milliarden verschlingen

  • EEG Subventionen SOFORT abschaffen! Windenergie ist ohne Subventionen vollkommen konkurrenzfähig und hat Energiegestehungskosten von ca. 4 Ct pro KW/h. Dann noch 1 Ct pro KW/h Abgabe in Forschung an neuen Kernreaktoren investieren (Dual FLuid Reaktor, Molten Salt Reaktor). Diese sind absolut sicher und brauchen als Brennstoff den Atommüll --> Endlagerproblem nahezu gelöst!!!!
    USA, Indien und Russland bauen solche Reaktoren schon, das Technologieland Deutschland hat Kernkrafttechnik der 60er Jahre ... Armes Deutschland!!!

  • Der Artikel offenbart den ganzen Irrsinn der Energiewende. Jedem, der zwei und zwei zusammenzählen kann, ist klar, dass die Energiewende nur scheitern kann.

    Es ist nun einmal physikalisch unmöglich, aus Zufallsstrom eine sichere Stromversorgung zu bauen. Man müsste schon Harry Potter um Hilfe bitten.

    Mit absoluter Sicherheit weiß Frau Merkel das. Schließlich hat sie einen Doktor in Physik. Dass sie dennoch aus rein parteitaktischen Gründen die deutsche Stromversorgung an die Wand fährt, um die Grünen zurechtzustutzen, ist in höchstem Maße unethisch, verantwortungslos und gemeingefährlich. Es ist einer Parteivorsitzenden schlechterdings nicht erlaubt, um eines parteipolitischen Vorteils willen eine ganze Volkswirtschaft in den Ruin zu treiben.

    Eine sachliche Anmerkung zum Artikel ist noch notwendig: Die diskutierten 30000 Megawatt sichere Reservekapazität aus zuverlässigen Wärmekraftwerken ist bei einer bisherigen Spitzennachfrage von 87000 Megawatt absolut unzureichend. Tatsächlich müsste eine Reservekapazität nicht nur von 87000 verfügbar sein, sondern ein zusätzlicher Sicherheitspuffer von mindestens 10% für den Fall, dass eine Anlage wegen technischer Probleme ausfallen sollte.

    Es kommt schließlich durchaus regelmäßig vor, dass Wind und Sonne gleichzeitig nicht für die Stromproduktion zur Verfügung stehen. Wenn wir ein längeres Kältehoch im Winter haben mit zugeschneiten Solardächern und Windgeschwindigkeiten von weniger als 3 Meter pro Sekunde, müssen für 100% Nachfrage zuzüglich Sicherheitspuffer Reservekraftwerke zur Verfügung stehen.

    Die Kosten werden gigantisch. Die deutsche Volkswirtschaft wird das nicht schultern können. Sie wird darüber zusammenbrechen. Danke, Frau Merkel!

  • Und was, wenn es eine gute Speichertechnologie gibt? In Wasserstoff lässt sich Strom ganz gut speichern. Wenn wir davon ausgehen, dass die Nacht vom Verbrauch her nur 30 % ausmacht und zur Zeit noch 30 % verlorengehen, macht das einen Verlust von 9 %. Dichter Flüssigwasserstoff nimmt nicht viel Platz weg. Ich habe - zugegeben nur mit Physik im Abi - für eine 10.000 Einwohner-Gemeinde mit Gewerbe, Ampeln, ... eine Tankgröße von ca. 10.000 bis 15.000 Litern errechnet. Warum wird diese Technik nicht intensiver verfolgt?:)

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