Energiewende: So drücken sich Unternehmen vor der Ökostromumlage

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Energiewende: So drücken sich Unternehmen vor der Ökostromumlage

von Andreas Wildhagen und Mario Brück

Unternehmen versuchen mit eigenen Kraftwerken Netzentgelte, Steuern und Ökostromumlage zu sparen. Damit vergrößern sie die Last des Atomausstiegs für Verbraucher und die übrige Wirtschaft. Und ihr Vergnügen könnte nur kurz sein.

Stephan Wachtel ist ein pragmatischer Mann, der einiges über Wirtschaftsgeschichte weiß. Von seinem Büro im Norden der Stadt zeigt der Mitinhaber der Ingenieurgemeinschaft NEK in Braunschweig nach Nordosten, wo Volkswagen seinen Sitz hat.

Der Autoriese ist Wachtels größter Kunde. Für ihn plant und entwickelt er gerade ein Kraftwerk nach dem anderen, das jedes für sich Strom für die Fließbänder, Schmieden und Pressen des Konzerns liefern soll. "Eigentlich ist das Prinzip der dezentralen Energieversorgung ja ziemlich alt", sagt der Ingenieur. "Neben dem Volkswagen-Werk wurde gleich bei der Gründung in den Dreißigerjahren ein Kraftwerk gebaut, dessen Schornsteine bis heute die Silhouette Wolfsburgs und des Konzernsitzes bestimmen."

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Tatsächlich steht Wolfsburg mit seinem Schlot und dem dazugehörigen Meiler nicht allein. Auch im Ruhrgebiet bauten die Unternehmen früher sehr häufig Kraftwerke auf ihr Werksgelände oder direkt daneben, um von der nicht immer sicheren öffentlichen Stromversorgung unabhängig zu sein. Dies geschieht nun wieder und zunehmend - doch unter völlig anderen Vorzeichen.

Im Jahr zwei nach der Energiewende trachten immer mehr Unternehmen danach, Elektrizität in Eigenregie zu erzeugen, um die wachsenden Netzentgelte, Ökostromumlage, Steuern und Abgaben zu sparen. "Jeder versucht dem System zu entkommen und baut eigene Kraftwerke", sagt Professor Manuel Frondel, Energieexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Doch anders als früher hat die Flucht aus der üblichen Stromversorgung gravierende Auswirkung auf die Allgemeinheit. Die Zigtausenden zurückbleibenden Unternehmen, vor allem aber privaten Haushalte müssen für die Aussteiger deren bisherige Ökostromumlage und sonstige vom Stromverbrauch abhängige Zahlungen übernehmen. "Es besteht bei der Ausbreitung der dezentralen Energieversorgung die Gefahr einer Umverteilung von ärmeren Haushalten zu reicheren." Denn eine Solaranlage auf dem Dach oder eine Stromversorgung im Keller könnten sich eben nur betuchte Hausbesitzer leisten.

Windturbinen auf dem BMW-Werksgelände in Leipzig

  • Wenn kein Wind weht

    Weht kein Wind, muss BMW seinen i3 mit ganz ordinärem Strom aus dem öffentlich zugänglichen Netz produzieren. Der Strom der Windräder allerdings ist komplett dem Verbrauch im Werk vorbehalten und geht nicht ins Netz. Realisiert hat das Projekt der Entwickler wpd aus Bremen. Er betreibt den Miniwindpark und verkauft den Strom an BMW.

  • Made by Windstrom

    Sie sollen Strom produzieren, aber auch Zeichen setzen: die vier knapp 180 Meter hohen Windmühlen am Westrand des BMW-Werksgeländes in Leipzig. Im Herbst dieses Jahres startet dort die Serienproduktion des Elektrofahrzeugs BMW i3, im Frühjahr 2014 soll die Sportwagenvariante BMW i8 folgen - alles made by Windstrom.

  • Die vier Anlagen

    Jede der vier Anlagen besteht aus einem 80 Meter hohen Betonfuß, von dem aus zwei Stahlteile 60 Meter in den Himmel ragen. Dem Wind die Stirn bieten jeweils drei Rotorenblätter, von denen jedes zehn Tonnen wiegt und 50 Meter lang ist. Die vier Mühlen schaffen eine Leistung von zehn Megawatt und sollen mehr als 25 Millionen Kilowattstunden pro Jahr liefern, so viel, wie 8.000 Haushalte verbrauchen.

  • "Ein deutliches Signal"

    Die C02-freie Energieversorgung der Produktion in Leipzig sei für BMW wichtig, sagt Werksleiter Manfred Erlacher. "Wir wollen nicht nur emissionsfreie Autos auf die Straße bringen, sondern auch den Produktionsprozess nachhaltig gestalten." Nur so habe Elektromobilität Sinn, die Windräder setzten "ein deutliches Signal" - allerdings nur, wenn genug Wind weht und kein Strom aus dem Netz benötigt wird.

Der Trend ist unübersehbar: Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) verfügen in der Industrie acht Prozent von 2300 befragten Unternehmen schon über eine eigene Stromfabrik, ob als Solaranlage, Windräder oder Biogasanlage. Bei weiteren 21 Prozent sind Anlagen geplant oder schon im Bau. "Die hohen Energiepreise für öffentlich bezogenen Strom in Verbindung mit sinkenden Gestehungskosten erneuerbarer Energien machen die Eigenerzeugung aus Wind, Solar oder Biomasse für viele Unternehmen attraktiv", lautet das Fazit der DIHK-Studie. Denn wird Strom auf dem Betriebsgelände erzeugt, fallen beim Eigenverbrauch lediglich die reinen Stromgestehungskosten an. Die Unternehmen, die sich dies zunutze machen, gehen quer durch alle Branchen. Neben kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sich Windräder und Solarpanele aufs Werksgelände montieren, streben auch namhafte Adressen wie Daimler, BMW und große Handelsketten in die Selbstversorgung.

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9 Kommentare zu Energiewende: So drücken sich Unternehmen vor der Ökostromumlage

  • Die machen es richtig und steiegen aus diesem ganzen Ökowahn aus. Irgendwann ist es soweit und man muss sich nicht wundern, wenn Steine auf Solardächer bzw. Solarparks fallen.

    Die ganze grüne Wahnsinn, treibt die meisten Bürger in die Armut.

  • In Wahrheit haben doch die Atomkraftwerke Millionen von Menschen das Leben gerettet- denn ansonsten wären statt dieser Atomkraftwerke Kohlekraftwerke
    gebaut worden-
    so war die reale Lage doch –
    und diese zusätzlichen Kohlekraftwerke
    hätten mindestens 2 Millionen Menschen getötet.Denn die Luftverschmutzung wäre noch gravierender gewesen.-

    Nach green-peace sind allein in Deutschland pro Jahr 3.500 Menschen an der Luftverpestung gestorben- wenn man hier die 16 AKW und die 56 AKW
    in Frankreich durch Kohlekraftwerke hätte ersetzen müssen,wären sicher 10.000 pa allein hier gestorben.In 40 Jahren 400.000 Weltweit kann man einige Millionen schätzen.-

    Es wäre an der Zeit,den Menschen zu danken,die trotz einer hysterisierten Bevölkerung diese saubere Energie bereitgestellt haben.-

    Denn green-peace hat offenkundig aus taktischen Gründen diese Gefahren der Kohlekraftwerke geheim gehalten-solange es den Atomkraftwerk -Ausstieg wollte.-TV - Duell -Deutschland vor dem Abgrund 1
    http://www.youtube.com/watch?v=-9s2qRt837U

    TV - Duell -Deutschland vor dem Abgrund 2
    http://www.youtube.com/watch?v=OzHJjvmVirw


    Die Grünen: Tödliche Gefahr für Deutschland??
    http://www.youtube.com/watch?v=-_3C0g3ewmI

  • Ich habe eine tolle Idee, wie man den Atommüll schnell beseitigen, bzw. gut einlagern kann:
    Jeder, der die Atomenergie befürwortet, bekommt einen Castor in seinen Keller gestellt.
    Abgase kann man filtern, Strahlenverseuchte Gebiete bleiben über Jahrtausende verseucht. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die nächste Katastrophe kommt. Ich hoffe, dass es dann in der Nähe der Befürworter ist.
    Die Technik ist nicht beherrschbar, weil der Unsicherheitsfaktor Mensch einkalkuliert werden muß.
    ... schreibt ein ehemals atombegeisterter, inzwischen realistisch denkender Atomgegner.

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