Energiewende: "Wir brauchen einen Energieminister"

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Energiewende: "Wir brauchen einen Energieminister"

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Sven Becker, Chef des Stahlwerke-Verbund Trianel, im Interview mit der WirtschaftsWoche.

von Dieter Dürand

Sven Becker, der Chef von Europas größtem Stadtwerke-Verbund Trianel, fordert einen Masterplan für die Energiewende und kritisiert den unkontrollierten Zubau der erneuerbaren Energien.

WirtschaftsWoche: Herr Becker, ob Stromnetze, Meeres-Windparks oder Gaskraftwerke – überall stockt der Ausbau. Ist die Energiewende noch zu retten?

Becker: Sicher ist die Energiewende noch zu retten, aber nur, wenn der Ankündigung jetzt endlich Taten folgen.

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Was muss vordringlich geschehen?

Bisher hat die Bundesregierung vornehmlich Ziele gesetzt. Dagegen fehlt bis heute ein Masterplan, der zeigt, wie der Umstieg funktionieren soll. Aber erst wenn ein Masterplan gesicherte Rahmenbedingungen vorgibt, werden Investoren im notwendigen Ausmaß in Netze, Speicher und Kraftwerke investieren.

Energiewende Die grünsten Bundesländer

Ein exklusives Ranking der WirtschaftsWoche zeigt, welche Bundesländer bei der Energiewende am weitesten sind und wo die Schwächen der Verlierer liegen.

Aussschnitt einer begrünten Deutschlandkarte

Wo der Staat die Stromerzeugung wie bei der Fotovoltaik üppig fördert, kommt der Ausbau viel schneller voran als erwartet.

Das genau ist eines der vielen Probleme. Dieser Zubau bei den Erneuerbaren geschieht völlig unkoordiniert und kostenineffizient. Rechnet man die Ausbauziele aller Bundesländer zusammen, steigen die Erzeugungskapazitäten allein der Windkraft bis 2022 auf 100 Gigawatt. Das ist in etwa so viel, wie heute die fossilen Kraftwerke einschließlich der verbliebenen Kernkraftwerke leisten.

Das bestätigt doch nur das enorme Potenzial der erneuerbaren Energien.

Ja, durchaus. Wenn aber die gesamte Energieinfrastruktur im Bereich der Netze und flexibler Kraftwerke, die die hohe Volatilität der Einspeisung auffangen müssen, nicht in gleichem Tempo angepasst wird, drohen gefährliche Verwerfungen.

Stromausfälle und ausufernde Kosten?

So viel vorweg: Ich bin klar für den Ausbau der Erneuerbaren. Er sollte aber immer in dem energiepolitischen Dreieck Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit stattfinden. Solange wir keine Speicher und ausgebaute Netze haben, ist es volkswirtschaftlicher Unsinn, das gewaltige Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren um jeden Preis einzuhalten. Im Ergebnis exportieren wir dann in Zeiten hoher Einspeisung von Erneuerbaren hoch subventionierten Grünstrom zu Schleuderpreisen ins Ausland. So ging im Februar Fotovoltaikstrom für 60 bis 70 Euro die Megawattstunde nach Frankreich, dessen Produktion hier entsprechend den Sätzen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, des EEGs, mit 250 bis 300 Euro vergütet wurde.

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