Ergebnis der Grünen: Stehempfang mit Spaßbremse

ThemaWahlen 2017

KommentarErgebnis der Grünen: Stehempfang mit Spaßbremse

von Cordula Tutt

Die FDP hat es bei der Bundestagswahl noch härter erwischt als die Grünen. Doch jubeln mag die Öko-Partei nicht. Zu schlecht schneidet sie selbst ab. Der Obergrüne Trittin steht zur Disposition.

Gestern noch von Ministerämtern geträumt, jetzt nur viertstärkste Partei im neuen Bundestag: Die Grünen haben Wählerstimmen verloren, ihre Ziele zur Bundestagswahl klar verfehlt und landen nach CDU, SPD und Linkspartei nur auf dem vierten Platz der Wählergunst. Die Union mit Kanzlerin Angela Merkel an der Spitze dagegen kratzt mit gut 42 Prozent der hochgerechneten Stimmen lange Zeit an diesem Abend an der absoluten Mehrheit der Sitze im Bundestag.

So gleicht die Wahl-Party der Öko-Partei in der Berliner Konzerthalle eher einem gemeinsamen Fernsehgucken mit Bierverkauf und Brezeln als einem Freudenfest. Stehempfang mit Spaßbremse. Die treuesten Gefolgsleute der Grünen und die abgekämpften Wahlhelfer halten die ausgegebenen Sonnenblumen bestenfalls auf Halbmast, die ersten Stiele rotten schon in den hinteren Winkeln der Halle, die zwar stickig, aber nicht voll ist. Bei der ersten Hochrechnung brandet Applaus und Riesenjubel auf, als die FDP unter der Fünf-Prozent-Hürde bleibt. Beim geschätzten Grünen-Ergebnis von rund acht Prozent reicht es nur zu einem Raunen. Vor vier Jahren hatte die Partei immerhin 10,7 Prozent geholt und stellt inzwischen sogar einen Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg. Doch jetzt gibt es keinen Grund zum Jubeln. Als der Balken der Hochrechnung bei der Alternative für Deutschland bis knapp zur Fünf-Prozent-Marke hochragt, fangen die ersten Junggrünen an zu rufen: „Nazis raus, Nazis raus!“

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An diesem für die Ökos ernüchternden Abend ist das Publikum vereint in Enttäuschung und Ablehnung. Positive Gefühle kommen da nicht auf. Enttäuschung, weil die Truppe um die Spitzenkandidaten Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt beide Wahlziele krachend verfehlt hat. Weder zu Rot-Grün reicht es, noch hat die Partei ihren eigenen Anteil vergrößern können. Ablehnung, weil sowohl eine absolute Mehrheit der Sitze für die Union im Bundestag eine schaurige Aussicht für Grüne ist, als auch die andere mögliche Variante an diesem Abend: Die Frage, ob die Grünen sich auf Koalitionsgespräche mit der Union einlassen würden. Rechnerisch möglich wäre das, Obergrüne wie Jürgen Trittin oder Claudia Roth mögen solche Gedankenspiele aber in etwa so sehr wie der Eisbär tropische Hitze. Roth verweist später „mit Verlaub“ darauf, dass es mit der Union rechnerische Mehrheiten gebe, nicht aber inhaltliche oder kulturelle Übereinstimmungen.

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Als endlich die beiden Spitzenleute, Göring-Eckardt und Trittin, auf die vom Schwarz der Konzerthalle umgebene begrünte Bühne kommen, gruppieren sich oben auf dem Zuschauerbalkon auch endlich zwei sichtlich mitgenommene Parteichefs. Claudia Roth zeigt ein sehr trauriges Gesicht und Cem Özdemir, der sein ganz persönliches Wahlziel des Direktmandats in Stuttgart gerade weit verfehlt hat, klatscht nur müde. Katrin Göring-Eckardt verlangt eine „schonungslose“, eine „sehr ehrliche und sehr klare Analyse“, was alles schiefgelaufen ist. Die Diskussion um Steuererhöhungen, Ausschließeritis bei möglichen Koalitionen und die noch kaum aufgearbeitete Unterwanderung der Grünen durch Pädophile in ihren Anfangsjahren – die Liste der selbstgestrickten Probleme dürfte lang sein. „Es wird eine schwere Zeit“, meint Göring-Eckardt. „Aber wir schaffen es wieder raus aus diesem Loch.“

Natürlich wird bei dieser Klettertour aus dem Stimmental auch die Frage gestellt werden, ob Trittin die richtige Taktik verfolgt hat. Er verweist zunächst einmal auf „massiven Gegenwind mächtiger Interessengruppen“, denen seine Partei etwa bei Themen wie der Energiewende ausgesetzt gewesen sei. Dann setzt er etwas hinzu, das nicht danach klingt, als ob er persönlich Konsequenzen ziehen wollte. „Man kann mal ein Spiel verlieren, dann steht man auf und kämpft weiter“ – mit diesem Satz verabschiedet er sich vom Hallenpublikum, das ihn zwar mit Applaus verabschiedet, aber nicht in optimistischen Jubel ausbricht. Aber lahmes Klatschen ist besser als nichts und um einen König zu stürzen bräuchte es auch einen, der das zu tun bereit ist. Der deutlich jüngere Oberrealo Cem Özdemir wirkt nach der Wahl nicht unbedingt wie ein kraftstrotzender Anwärter.

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