Erhöhung beschlossen: Experte warnt vor Kostenexplosion im Rentensystem

Erhöhung beschlossen: Experte warnt vor Kostenexplosion im Rentensystem

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Erhöhung: Rentner sollen mehr bekommen

Rentner bekommen ab Juli 1,1 Prozent mehr Geld - das beschloss heute das Bundeskabinett. Wirtschaftsforscher Bernd Raffelhüschen warnt dennoch vor einer Kostenexplosion. Er hält Mehrkosten von 115 Milliarden Euro für möglich.

Rentenexperte Raffelhüschen befürchtet laut „Bild-Zeitung“ das komplette Aus für den „Riester-Faktor“ über 2009 hinaus und in der Folge eine Verzehnfachung der bisher angesetzten Zusatzkosten.

„Es ist äußerst zweifelhaft, ob der Riester-Faktor 2012 nicht erneut ausgesetzt wird“, wird der Rentenexperte zitiert. Nach seinen Berechnungen würde ein Aus des dämpfend wirkenden Riester-Faktors das Rentensystem bis 2030 mehr als 100 Milliarden Euro zusätzlich kosten. „Dann kommen auf die Rentenkasse bis 2030 Mehrkosten von insgesamt 115 Milliarden Euro zu“, sagte Raffelhüschen. Alle vorangegangen Bemühungen zur Sicherung der Rente seien dann wieder zunichte gemacht.

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Trotz aller Kritik hat das Bundeskabinett heute die angekündigte außerplanmäßige Rentenerhöhung um 1,1 Prozent ab Juli dieses Jahres auf den Weg gebracht. Die Erhöhung fällt damit doppelt so hoch aus wie nach geltendem Recht vorgesehen. Für einen „Eckrentner“ bedeutet das 13,05 Euro mehr im Monat, ohne die Korrektur wären es nur 5,50 Euro.

Merkel kritisiert Scholz

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Ralf Brauksiepe (CDU), verteidigte die Rentenerhöhung indes als „sozial gerecht“. „Wir lassen die Rentner am Aufschwung teilhaben, aber wir schütten nun wirklich nicht das Füllhorn aus“, sagte er im ZDF.

Durch ein Aussetzen des Riester-Faktors bei der Rentenberechnung für zwei Jahre fällt die Erhöhung etwa doppelt so hoch aus wie eigentlich vorgesehen.

Brauksiepe betonte, dass die Rentenformel nicht dauerhaft geändert werden soll. „Es gibt keinen Zweifel, wir brauchen diese Rentenformel. Wir können nicht Rente nach Kassenlage machen.“

Im Vorfeld der heutigen Kabinettssitzung hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel den zuständigen SPD-Arbeitsminister Olaf Scholz scharf angegriffen. In der gestrigen CDU-Vorstandssitzung habe sie kritisiert, Scholz habe das Vorhaben schlecht nach außen dargestellt, berichtete die „Berliner Zeitung“ unter Berufung auf Sitzungsteilnehmer. „Das war ein kommunikatives Desaster“ sei die Kanzlerin zitiert worden.

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