Erneuerbare Energie: Sieg der Solar-Lobbyisten

Erneuerbare Energie: Sieg der Solar-Lobbyisten

Im Streit um die Kürzung der Einspeisevergütung gibt der Bundesumweltminister den Forderungen der Solarbranche nach.

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Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) wird den Forderungen der Solarbranche nackommen

Das Entsetzen der Solarbranche war groß, als Bundesumweltminister Norbert Röttgen ankündigte, er wolle die "Überförderung" der Solarwirtschaft beenden. Vom 1. Juni an soll die Einspeisevergütung für Sonnenstrom außerplanmäßig um 16 Prozent sinken. Sofort sah die Solarindustrie sich in ihrer Existenz bedroht und befürchtete den Verlust von fast 50.000 Jobs. Die Lobbyisten der Branche liefen Sturm, die Unternehmen schickten ihre Mitarbeiter zu Protesten auf die Straße.

Wie sich jetzt zeigt, mit Erfolg: Denn der Minister lässt der Branche einen Ausweg: Wer sich jetzt eine Solaranlage aufs Dach baut, kassiert in den nächsten 20 Jahren für jede produzierte Kilowattstunde bis zu 39 Cent vom heimischen Stromversorger, wenn er die Energie ins öffentliche Netz einspeist. Geht die Anlage erst nach dem 1. Juni ans Netz, soll der Betreiber dafür nur noch maximal 32,8 Cent erhalten.

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Lösung ist nicht in Sicht

Verbraucht er die Elektrizität jedoch selbst, bekommt er zurzeit eine Förderung von bis zu 43 Cent pro Kilowattstunde. Dieser Betrag soll nur geringfügig auf 42,8 Cent sinken. Der Trick: Wer seinen Eigenverbrauch an Solarstrom steigert, ist von den Kürzungen weniger betroffen. Experten zufolge kann ein Anlagenbetreiber ohne besonderen Aufwand auf einen Eigenverbrauch von 40 Prozent kommen. Dann fiele die durchschnittliche Vergütung nur um sechs Prozent statt um 16 Prozent, wie vom Minister angekündigt.

Förderung für den in Deutschland produzierten Solarstrom

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Damit bleibt Röttgen auffallend nah am Vorschlag des Bundesverbandes Solarwirtschaft, der eine Kürzung von allenfalls fünf Prozent vorgeschlagen hat. Der Plan des Ministers dürfte die Nachfrage nach Solaranlagen kaum dämpfen – und die Subventionen nicht eindämmen. Sein Vorstoß entlastet somit kaum den gewöhnlichen Stromverbraucher, der die Solarförderung über seinen Strompreis finanziert. Dabei hätte eine stärkere Absenkung der Förderung die Unternehmen nicht gefährdet, sagt Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung: "Einige werden zwar nicht überleben, aber das würden sie auch mit einer hohen Vergütung nicht, weil sie teurer produzieren als die Konkurrenz." Mittelfristig plädiert er dafür, die Kostenlawine zu bremsen, indem der Staat die Anzahl der jährlich installierten Solaranlagen begrenzt. Doch eine solche Lösung ist nicht in Sicht.

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