Ethnisches Unternehmertum: Migranten wagen die Selbständigkeit

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Ethnisches Unternehmertum: Migranten wagen die Selbständigkeit

von Artur Lebedew

Das russische Reisebüro, der indische Gemischtwarenhändler: In Deutschland leben ganze Wirtschaftszweige von Zuwanderern.

Wenn Taisia Wilhelm für ihr Reisebüro Werbung macht, geht das so: Sie holt sich eine Tasse schwarzen Tee, setzt sich vor ihren Computer und drückt immer wieder „Freundschaftsanfrage senden“. Mehr als 600 Menschen haben bei „odnaklasniki.ru“, dem russischen Pendant zu Facebook, ihre Freundschaftsanfrage in den vergangenen drei Monaten angenommen. Taisia Wilhelms Reisebüro sitzt in Düsseldorf, trotzdem sprechen fast alle ihre Kunden russisch.

In Deutschland leben etwa 20 Millionen Menschen mit einem ausländischen Hintergrund. Etwa zehn Millionen von ihnen sind im Ausland geboren, gingen dort zur Schule, arbeiteten in Fabriken und Büros und gingen alle paar Tage einkaufen. Als sie dann nach Deutschland auswanderten, brachten sie ihre Gewohnheiten und Geschmäcker mit. Hier verkaufen ihnen ehemalige Landsleute Nahrungsmittel, Zeitungen und andere Waren aus der Heimat. Als „Ethnic-Business“ bezeichnen Experten das Phänomen, wenn Migranten mit Migranten ins Geschäft kommen.

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Quelle: dpa

„Viele Russen leben in Deutschland so, als hätten sie Russland nie verlassen“, sagt Taisia Wilhelm, den Rücken durchgedrückt, den Kopf gerade. Die 65-Jährige hat den größten Teil ihres Lebens als Tänzerin und Galeristin verbracht, 1989 war sie aus Russland nach Deutschland geflohen. Als sie sah, dass immer mehr Deutschrussen kamen, gründete sie 1995 ihr Reisebüro in Düsseldorf. Mittlerweile gibt es Filialen auch in Stuttgart, Köln und Frankfurt. Rund 1000 Touristen pro Woche bringt „Viktoria Reisen“ im Sommer mit dem Bus nach Paris, Madrid oder Rom. Warum reisen sie nicht mit deutschen Reisebüros? „Es ist ein kultureller Unterschied“, sagt Wilhelm. Die Russen müssten an die Hand genommen, alles müsse ihnen gezeigt werden. „Sie sind hier unter ihresgleichen. Hier stellen sie auch Fragen; das würden sie sich unter Deutschen nicht trauen.“

Für Deutschland sind Unternehmer wie Taisia Wilhelm mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Fast jeder fünfte Unternehmensgründer in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. 2012 waren es nach Zahlen der KfW-Bankengruppe 147.000 Menschen. Türkische Migranten bilden dabei die größte Gründergruppe und stellen jeden vierten ausländischen Neuunternehmer; fast jeder zehnte kommt aus Russland. Wer davon ethnische Nischengeschäfte betreibt und wer etwa einen Friseurladen oder eine IT-Firma unterhält, ist schwer zu ermitteln. Geschäftsgründungen sind jedenfalls für viele Migranten ein Weg, um sich in Deutschland eine selbstständige Existenz zu verschaffen – und mit Menschen aus der Heimat in Kontakt zu bleiben.

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