ThemaPolitische Debatte

alles zum Thema

EU: Transfers, die nicht enden werden

EU: Vergebliche Hoffnungen der Europapolitik

« 2 / 4 »

Transfers, die nicht enden werden

Platz 10: Kanada

Mit rund 864 Milliarden Euro besitzt Kanada den zehngrößten Schuldenberg der Welt. Laut dem World Factbook der CIA sind das 84 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Bild: AP

Auch wenn sie in den nationalen Verfassungen stehen?

Wenn das Haus brennt, spielt der Wasserpreis keine Rolle mehr. Als ob eine demokratische Regierung es sich leisten könnte, eine Politik zu machen, durch die dann 20 Prozent der Menschen arbeitslos werden!

Das Wundermittel, das nach dem Wunsch der Rettungspolitiker die endgültige Erlösung aus der Eurokrise bringen soll, heißt Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit.

Die Deutschen haben die Vorstellung, die Krisenländer müssen jetzt durch eine harte Zeit durch, müssen ihre Wirtschaft umbauen. Und sie glauben, jetzt, wo es eine unabhängige Zentralbank gibt, können die Politiker in jenen Ländern ihren Bürgern sagen: Tut uns leid, da müsst ihr durch, jetzt also Löhne und Renten runter, und in ein paar Jahren seid ihr so gut wie die Deutschen. Aber die Hoffnung, dass der Süden sich von alleine auf ein wettbewerbsfähiges Niveau hocharbeitet, ist eine Illusion.

Warum?

Man kann keine Audi-Fabriken auf der grünen Wiese neu aufbauen. Die heutigen Produktionskapazitäten sind hoch entwickelte Organisationen mit sehr viel investiertem Wissen. Die entstehen nicht so einfach.

Und das kann man nicht ändern?

Die Unterschiede in der Wirtschaftsleistung innerhalb der Europäischen Union sind ungefähr so groß wie die zwischen Nord- und Süditalien. In 150 Jahren italienischer Einheit ist es nicht gelungen beide anzugleichen. Der Einkommensunterschied beträgt dort immer noch etwa 35 Prozent. Es gehen im Jahr ungefähr vier Prozent des Sozialprodukts vom Norden in den Süden – und die dienen überhaupt nur dazu, den Unterschied nicht noch größer werden zu lassen. Schauen wir auf Deutschland. Bei uns liegt der Einkommensunterschied zwischen West und Ost bei ungefähr 25 Prozent. Wir transferieren heute etwa drei Prozent des Sozialprodukts. Und im Bericht zum Stand der deutschen Einheit von diesem Jahr steht, dass dieser Transfer weiter nötig ist, bloß um ein Absacken des Ostens zu verhindern. Dabei hatten wir in Deutschland in gewisser Weise den Idealfall einer Wirtschafts- und Währungsunion: Die alten lokalen Eliten waren diskreditiert und konnten abgesetzt werden. Tabula rasa. Westdeutschland schickte Scharen von Beamten und Politikern rüber, um die neuen Länder zu verwalten. In Südeuropa dagegen sitzen alteingesessene Oligarchen, von der alten Aristokratie bis zur Mafia.

Beruht nicht die gesamte europäische Integrationspolitik, Euro inklusive, auf der Vorstellung, dass die starken Länder den schwachen helfen, auch stark zu werden?

Anzeige

Es war immer klar, dass die europäische Integration für Südeuropa ein Weg war, um die zerbrechlichen politischen Strukturen in diesen Ländern aufrecht zu erhalten. Auf Seiten des Nordens stand dahinter immer die Hoffnung: Wenn sie erst integriert sind, dann werden sie irgendwann so werden wie wir - dass man ganz Europa nach dem Vorbild einer modernen kapitalistischen Gesellschaft, wie sie sich im Westen und Norden entwickelt hat, umbauen kann. Konvergenzhoffnung würde ich das nennen.

Zu diesem Artikel
11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.01.2013, 21:13 UhrSam

    Wolfgang Streeck spricht mir aus der Seele.
    Bisher die einsichtigste und schlüssigste Argumentation zum Thema Euro die ich in der deutschen Presselandschaft gefunden und gelesen habe.

  • 15.12.2012, 15:13 UhrKarakungsberga

    Ach, der Mann hat so recht!
    Diese einsichtigen Ökonomen wissen genau, warum das System nicht funktioniert, ihre Analysen beschreiben die Situation ganz korrekt.
    Aber sie wissen nicht, warum die Systeme, oder richtiger, das Zusammenleben der Menschen überhaupt funktioniert. Sie wissen auch nicht, was ein Paar, eine Familie, eine Gemeinde, eine Firma, eine staatliche Solidargemeinschaft zusammenhält.
    Sie wissen gar nichts (Wesentliches)!
    Deshalb schreien sie auch immer nach der Politik, die die Lösungen bringen soll.

  • 01.12.2012, 17:12 Uhrallesverloren

    Unsere Politiker wollen alle Verantwortung an Europa abgeben, bei Beibehaltung ihrer Bezüge. Dann können sie sich auf ihre kleinen Hobbies konzentrieren, Betreuungsgeld, Harz IV, Schlaglöscher, Kreisel und Bespassungen im Altenheim.

    Wir sollen die Ignoranten alle abwählen und in der Alternativlosigkeit die Alternative suchen.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Flattern auf der Stelle
Flattern auf der Stelle

Die SPD feiert pompös 150 Jahre Vergangenheit – und hat keine Zukunft, weil sie sich erst vergessen und dann selbst...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.