Euro-Krise: Die Deutschen verlieren das Vertrauen ins Sparbuch

05. April 2013, aktualisiert 05. April 2013, 07:28 Uhr
Die Deutschen halten ihre Spareinlagen nicht mehr für sicher. Quelle: dpaBild vergrößern
Die Deutschen halten ihre Spareinlagen nicht mehr für sicher. Quelle: dpa
Quelle: Handelsblatt Online

Durch die Zypern-Rettung hat die Politik viel Vertrauen verspielt. Die Deutschen glauben mehrheitlich nicht mehr, dass ihre Geldeinlagen noch sicher sind. Der Zusicherung von Angela Merkel schenken sie keinen Glauben.

Weniger als ein Drittel der Deutschen halten das Sparbuch noch für eine verlässliche Geldanlage. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Handelsblatts unter 1.000 Deutschen, über die die Zeitung in ihrer Freitagausgabe berichtet. Demnach hat die Heranziehung privater Spareinlagen zur Bekämpfung der Bankenkrise auf Zypern das Vertrauen der Deutschen in die Sicherheit ihrer Vermögen deutlich geschmälert.

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59 Prozent der Befragten glauben nicht mehr, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr Versprechen, deutsche Spareinlagen seien sicher, halten kann. Vor allem unter den 18- bis 29-Jährigen ist die Verunsicherung groß. Von ihnen vertrauen gar 65 Prozent dem Kanzlerinnen-Wort nicht mehr. Allerdings sehen die Sparer nicht so sehr die Politik als Verursacher des Problems, sondern die Banken: 75 Prozent der Deutschen glauben, dass die Banken die Spareinlagen ihrer Kunden nicht fair verzinsen. Die Umfrage wurde am Dienstag und Mittwoch dieser Woche durchgeführt.

Die Zahlen seien die normale Reaktion auf die „falsche Krisenbewältigung“ der Bundesregierung, sagte SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider dem Handelsblatt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwiderte: „Man sollte schon anerkennen, dass der europäische Finanzsektor deutlich an Krisenfestigkeit gewonnen hat. “ Und: „Die Einlagen der Sparer in Europa sind sicher“, betonte Schäuble.

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Kommentar | 1Alle Kommentare
  • 05.04.2013, 09:10 UhrWegweiser

    Das sind die Folgen einer Währungsunion. Siebzehn völlig verschiedene Volkswirtschaften, die kaum oder gar nicht zueinander passen, die völlig verschiedene Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeiten besitzen, viele Eurovolkswirtschaften, die selbst kaum oder gar nicht mehr eigenständig in dieser Eurozone existenz- und überlebensfähig sind, die ihre eigene Refinanzierung nur noch über permanente Notmaßnahmen der EZB sicherstellen können, da kann man leicht das Vertrauen in diese Währung, in Banken und in seine eigenen Geldvermögen verlieren. Zu Recht, denn man hat im Mai 2010 mit der alternativlosen Banken-, Euro- und Eurostaatenrettung den falschen Weg eingeschlagen. Statt nicht mehr existenzfähige Eurostaaten aus dem Währungsverbund zu entfernen, hat man den Weg der Monetarisierung, der Vergemeinschaftlichung und der Sozialisierung aller Fremdschulden und Fremdrisiken eingeschlagen. Man hat Zeit gekauft und die Problemlösungen in die Zukunft verschoben.

    Den Preis zahlten die deutschen Bürger, Rentner, Sparer, Anleger und Arbeitnehmer schon seit dem Bestehen dieser Währungsunion. Kaum Einkommenszuwächsen, häufig massive Absenkungen, zahlreiche Arbeitsmarkt-, Renten- und Gesundheitsreformen, Steuererhöhungen, die heutige Entwicklung makiert nur noch die Endphase dieser Euroentwicklung. Die Bankenunion ist dabei der Endpunkt, die geplante Schaffung gemeinsamer europäischer Konjunkturschwankungsfonds, einer gemeinsamen europäischen Arbeitslosenversicherung zeigt die Verzweiflung der Euroretter, Euroerhalter und Eurogläubigen (diese Bezeichnung ist hier schon angebracht).

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