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InterviewEuro-Krise: "Wir müssen für den Euro bluten"

von Böhmer und Reinhold

Der frühere BDI-Präsident und Ex-Chef des Maschinenbauers Voith, Michael Rogowski, über die teure Rettung des Euro.

Rogowski Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Rogowski Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Herr Rogowski, der Bundesverband der Deutschen Industrie fordert, dass Deutschland für Europa mehr Einsatz leisten müsse als ursprünglich beabsichtigt. Wie teuer darf der Euro für Deutschland werden?

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Rogowski: Die Fragen kann natürlich keiner seriös beantworten. Ich sage aber, die Bundesregierung muss alles Mögliche tun, um den Euro und die EU zu erhalten.

Auch wenn dadurch noch mehr deutsche Steuermilliarden an Länder mit maßloser Staatsverschuldung fließen?

Das eine muss man vom anderen trennen. Für mich steht, unabhängig von den Sünden einiger Länder und den erforderlichen Reformen, klar fest, dass wir alle – drastisch gesagt – für den Euro und die EU werden bluten müssen.

Das klingt so, als solle der deutsche Steuerzahler immer tiefer in die Tasche greifen – Hauptsache, die deutsche Industrie -exportiert so munter weiter wie bisher.

Das mag der eine oder andere so interpretieren. Diese Sichtweise ist jedoch falsch. Wir alle profitieren von der Exportstärke Deutschlands. In der Geschichte der Bundesrepublik gab es nur zweimal die Situation, dass die Binnennachfrage die Konjunktur beflügelte, ansonsten waren es immer die Exporte.

Müssen die Deutschen deshalb die Zahlmeister Europas werden?

Man sollte nicht vergessen, dass pro Kopf zurzeit andere Länder mehr zur Rettung Europas und des Euro beitragen als die Deutschen. Ohnehin sind das bisher im Wesentlichen nur Bürgschaften. Sollte aber einmal Geld notwendig werden, werden alle Deutschen einen Beitrag leisten müssen: in Form von Steuern, Zinsen oder eines Forderungsverzichts gegenüber den ärmeren EU-Ländern.

Auch die deutsche Industrie?

Die deutsche Industrie ist schon hoch genug belastet. Wenn es aber nicht anders geht, wird auch sie ihren Beitrag leisten. Da bin ich sicher. So weit sind wir aber noch lange nicht.

Was muss geschehen, damit es nicht so weit kommt?

Wir müssen den hoch verschuldeten Ländern mit allen Mitteln helfen, über niedrige Zinsen ihre Reformanstrengungen zu unterstützen. Außerdem muss die Europäische Zentralbank, wenn diese Länder keine erforderlichen Kredite mehr bekommen sollten, weiter oder sogar noch mehr deren Staatsanleihen ankaufen als bisher. Auch eine Ausweitung des Rettungsschirms kann anstehen.

Sind Sie für Euro-Bonds, also europäische Staatsanleihen für die hoch verschuldeten Länder, hinter denen auch starke EU-Mitglieder wie Deutschland stehen?

Eindeutig ja. Das heißt aber nicht, dass wir unbegrenzt für andere Schulden machen. Es reicht, nur einen Teil der erforderlichen Kredite in Euro-Bonds aufzunehmen, vielleicht erst einmal zehn Prozent, maximal aber bis zur Verschuldungsgrenze, die der EU-Stabilitätspakt vorgibt.

Wie soll sichergestellt sein, dass diese Länder die niedrig verzinsten Euro-Bonds nicht missbrauchen, um weiter über ihre Leistungsfähigkeit zu leben?

Die Euro-Bonds müssen an -klare politische Bedingungen gekoppelt werden, denen sich die Regierungen als Gegenleistung unterwerfen.

Büßen würden dafür trotzdem die -Deutschen, weil sie dann für ihre eigenen Anleihen höhere Zinsen bezahlen müssten.

Ich halte das nicht für zwingend, schon gar nicht die behaupteten bis zu 20 Milliarden Euro. Es ist durchaus möglich, dass die Anleger Euro-Bonds schätzen, weiter deutsche Staatsanleihen nachfragen und so für hohe Kurse, also niedrige Zinsen, sorgen.

Ist es politisch durchsetzbar, das Einkommen der Bürger in den hoch verschuldeten EU-Ländern auf ein Niveau zu drücken, das deren wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit entspricht?

Diese Länder müssen saniert werden. Das geht nicht ohne Verzicht der Bürger. Das muss man den Menschen dort offen sagen. Allerdings müssen wir sie dabei unterstützen.

Damit macht die Rettung des Euro die EU endgültig zur Transferunion.

Die Warnung vor der Transferunion ist die große Lebenslüge derer, die sie aussprechen. Einen Euro und eine EU, in der die reichen Ländern den ärmeren innerhalb bestimmter Bandbreiten helfen, gab es immer und wird es immer geben.

Warum sträubt sich die deutsche Industrie so gegen die Idee einer Wiedereinführung der D-Mark? Ihre Exportgüter bestehen doch zu 40 Prozent aus importierten -Vorprodukten, eine starke Mark fiele da kaum ins Gewicht.

Das wäre eine Katastrophe für die europäische Idee und für die deutsche Wirtschaft. Die D-Mark würde dermaßen aufwerten, dass es zu einem Exodus der Industrieunternehmen ins Ausland käme. Wir würden so viel Wertschöpfung verlieren, dass Deutschland zu einer Basarökonomie verkäme, in der fast nur noch Importware gehandelt würde. Unser Fernziel sind die Vereinigten Staaten von Europa. Dazu ist der Euro unabdingbar.

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19 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.01.2011, 20:36 UhrFreiheit

    Wer entscheidet in diesem Land? Nicht frei gewählte industrie-
    banken-u.Eu-Funktionäre , oder das Souverän Volk ?
    Adios Demokratie !!

  • 26.01.2011, 20:31 Uhrpanther

    Für betrugsstaaten sollen wir nicht nur bluten- sondern
    ausbluten .

  • 01.01.2011, 14:04 UhrPeb

    Die Ausführungen von Herrn Rogowski zeigen mit aller Klarheit, dass die Europäische Union prinzipiell eine Transferunion ist. Sie ist in der Realität von Anfang an ein instrument, dessen sich verschiedenste mächtige interessengruppen kollusiv bedienen, um sich zu Lasten der Allgemeinheit zu bereichern. Dies sind nicht nur praktisch alle Mitgliedsstaaten zu Lasten von Deutschland. Sondern es sind vor allem die großen Kapitalinteressen, die über den "Umweg über brüssel" die Staatshaushalte abschöpfen, oder Gesetze durchbringen, die sie ansonsten auf nationaler Ebene, wo es noch ein bißchen Transparenz und demokratische Kontrolle gibt, niemals durchsetzen könnten. Der Deutsche Michel ist jednfalls hier praktich immer der Dumme. Das ahnt er mittlerweile auch. Welche gigntischen Schuldschein er schon unterzeichnet hat, ist ihm allerdings noch nicht ganz klar.

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