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Euro-Rettung: Die wüsten Folgen des Liquiditätspokers

von Dieter Schnaas und Christopher Schwarz

Der Soziologe und Ökonom Dirk Baecker über die bürokratische Eigendynamik einer fehlgeleiteten Euro-Politik, die Krise als Normalfall und Durchwurschtelei als politische Strategie.

Dirk Baecker
Die fehlgeleitete Euro-Politik hat einen Eigendynamik entwickelt.

WirtschaftsWoche: Herr Baecker, Ökonomen haben jahrzehntelang weissagend in die Zukunft geblickt, seit 2007 sind sie notorisch verunsichert – heute halten sie nichts mehr für un-möglich. Das Ende des Euro, den Kollaps der Weltfinanzmärkte, einen Schuldenschnitt für Europa: Ist 2012 nichts mehr so sicher wie die Unsicherheit?

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Baecker: Die Ökonomen stehen vor der Herausforderung, ihre Rechnung mit einem Akteur zu machen, der in ihren Gleichungen nicht recht vorkommt: Der Staat ist nicht nur Garant eines ordoliberalen Rahmens, sondern zugleich einer der größten Konsumenten, Arbeitgeber, Investoren und Kreditnehmer der Wirtschaft – ganz zu schweigen von seiner einzigartigen Fähigkeit, sich durch Zugriff auf Zwangszahlungen wie Steuern zu refinanzieren. Diese Rolle stabilisiert die Wirtschaft, aber sie verunsichert sie auch, weil die Entscheidungen des Staates einem politischen und nicht nur einem ökonomischen Kalkül gehorchen. Das gilt nicht zuletzt für die Geldpolitik.

Gefüttert wird die EU-Krise vom billigen Geld aus staatlicher Hand

Sie meinen die Politik des billigen Geldes?

Weil die Notenbanken mithilfe der Geschäftsbanken prinzipiell unbegrenzt Geld und Kredit schöpfen können, müssen sie laufend beobachten, wie viel Vertrauen in den Wert des Geldes vorhanden ist. Die westlichen Notenbanken haben sich in den vergangenen Jahren auf ein Liquiditätspoker eingelassen. Dabei haben sie es zunehmend riskiert, das politische Vertrauenskapital ihrer Wirtschaft zu verspielen. In der Absicht zu stabilisieren, haben die Notenbanken die Lage destabilisiert.

Die Geschäftsbanken haben sich den Staaten lustvoll als Kreditgeber angedient?

Privatbanken verdienen ihr Geld mit Provisionen für Geschäfte, deren Risiken andere tragen. Wenn man dann glaubt, sich darauf verlassen zu können, dass die Wirtschaft nur wächst und jeder, der sich an dem Spiel beteiligt, nur reicher werden kann, aber niemals ärmer, ist das Ponzi-Schema programmiert. Dann gilt nur noch die Regel, dass man nicht der Letzte sein darf, der auf einem Stapel Papiere sitzen bleibt. Aber gefüttert wird das Ganze vom billigen Geld aus staatlicher Hand.

Anders als in den USA ist eine lockere Geldpolitik nicht Ursache der Krise. Was ist im Euro-Raum schiefgelaufen?

Die Europäer träumen seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 vom einheitlichen Währungs- und Wirtschaftsraum. Warnungen, dass man mit der einheitlichen Währung wechselseitige Korrekturspielräume aufgibt und dort gleiche Bedingungen schafft, wo ungleiche Verhältnisse herrschen, wurden in den Wind geschlagen. Erklären kann man das nur mit dem technokratischen Optimismus der EU-Kommission, getragen von einem euphorischen Ja zu Europa. Aber die Existenz einer Behörde garantiert nicht die Gestaltbarkeit einer Entwicklung.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.01.2012, 22:54 UhrAnonymer Benutzer: W._Kluem

    Herzlichen Glückwunsch zu diesem Interview,
    gehört zum Besten (und verständlichsten), das ich letztes Jahr - gerade auch in ihrer Zeitung - zu dem Thema Eurokrise etc. gelesen habe. Wie die "Beiträge" von Hr. Schnaas (nebenbei bemerkt mein Jahrgang, ich hätte ihn für wesentlich älter gehalten) generell weit über das Niveau hinaus gehen auf dem sich die Mitglieder des Berliner Büros und der Rubrik "Der Volkswirt" üblicherweise bewegen: häufige Vermischung von Meinung und Nachricht und beständige ideologische Indoktrination ohne empirische Grundlage. Letztere konnte sich Frau Schmergal selbst in ihren Beiträgen für die ansonsten sehr zu begrüßende "Schulausgabe" nicht verkneifen. Bitte mehr vom Stil eines Herrn Schnaas - es wäre eine Wohltat

  • 05.01.2012, 21:15 UhrAnonymer Benutzer: Pequod

    Bedauerlicherweise wurde nie bekannt wie die Kanzlerin die
    Spareinlagen retten wollte?
    Vielleicht durch die Beschlagnahmung der Banken oder durch
    das Anwerfen der Notenpressen?
    In der Praxis kann der Sparer nur selbst seine Einlagen
    retten, indem er sie schnellstens von seiner Bank zurückfor-
    dern, oder gibt es noch andere Möglichkeiten?

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