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KommentarEuro-Rettung: Zur unendlichen Geschichte verkommen

von Max Haerder

Der Bundestag billigt 100 Milliarden Euro Kredite zur spanischen Bankenrettung, doch von Zuversicht keine Spur. Die unaufhörliche und reaktive Retterei verschleißt Parlament und Regierung.

Abgeordnete verfolgen am Bundestag in Berlin die Debatte zu Finanzhilfen für Spanien. Quelle: dapd
Abgeordnete verfolgen am Bundestag in Berlin die Debatte zu Finanzhilfen für Spanien. Quelle: dapd

Das deutsche Credo, falls es in der europäischen Schuldenkrise ein solches noch gibt, klingt so: Mit Geld alleine lasse sich das Problem nicht lösen, neues Vertrauen schaffe man nur, wenn Solidität, Sparsamkeit und Reformen Einzug in Europa erhielten. „Man verliert Vertrauen schnell und gewinnt es nur allmählich zurück“, sagte Wolfgang Schäuble heute in seiner Regierungserklärung.

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Der Finanzminister hat damit Recht, und doch ist das nicht die entscheidende Frage. Entscheidend ist, ob die Maßnahmen zur Konsolidierung und die begonnenen Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit ihre Wirkung zeigen, bevor internationale Investoren den Daumen über den EU-Mitgliedern senken, die „too big to rescue“ sind. Das ist große, die (meistens) unausgesprochene Angst.

In diesem Jahr hat Bundestagspräsident Norbert Lammert die Abgeordneten schon bei der letzten regulären Sitzung vor der Sommerpause mit der Mahnung verabschiedet: „Schwimmen Sie nicht so weit raus und achten Sie darauf, das Handgepäck immer griffbereit zu halten.“ Jetzt wurden die Parlamentarier zurückbeordert, um über die Bankenhilfen für Spanien abzustimmen.

Bild: dapd

Immer neue Hilfspakete - ohne nachhaltige Erholung

Die daraus folgende Ungewissheit durchzieht die deutsche Politik seit Monaten, sie war auch in der heutigen Debatte im Deutschen Bundestag spürbar. Dass die 100 Milliarden Euro Hilfskredite aus dem Rettungsfonds EFSF für spanische Banken eine breite Mehrheit im Parlament finden würden, stand fest. Diese Frage taugte nicht als Elektrisierer. Die Warnung vor nervösen Märkten ist nicht weniger bedrohlich geworden, aber in ihrer rituellen Wiederholung nicht mehr neu. Und auch die Haltung der Opposition (namentlich von SPD und Grünen) ist mittlerweile bekannt: Ihre Vertreter kritisieren die Regierung pflichtgemäß für Stopp-and-go-Politik, mangelnden Erklärwillen und das Übertreten roter Linien, um dann selbst immer noch ein fast letztes Mal zuzustimmen.

Die deutsche Krisenpolitik ist in einem Modus der aufgeputschten Ermattung angekommen. Man kann es sich nicht leisten, nicht zu handeln, aber ob man sich dieses Handeln ganz am Ende selbst leisten kann – keiner weiß es. Immer neue Hilfspakete immer größeren Ausmaßes wurden geschnürt und doch hat ihre Androhung und Nutzung bislang keine nachhaltige Erholung bringen können. Die heutigen Erklärungen Schäubles, die spanischen Reformen und die Banken-Restrukturierung finanziell unterstützen zu müssen, um die Stabilität der Eurozone nicht zu gefährden, klingen noch so fern und doch schon so gefährlich.

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So mancher Parlamentarier dürfte sich beunruhigt gefragt haben, was all die Zusagen für die deutsche Stabilität bedeuten. Was all die persönlichen Abstimmungs-Jas für Folgen haben werden. Ganz anders, nämlich erleichtert und mit sich im Reinen, wirkten nur Abgeordnete wie Manfred Kolbe (CDU/CSU), Frank Schaeffler (FDP) oder Hans-Christian Ströbele (Grüne).

Sie alle haben heute den Milliardenhilfen ihre Zustimmung verweigert.

13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.07.2012, 12:06 UhrJAP27

    Hier wird erfolgreich der Versuch unternommen, deutschlands Wirtschafts-und Finanzkraft so zu schwächen, dass es sich absehbar auf dem Niveau der schwachen Länder der Euro-Zone befindet. Somit hat man dann überall etwa gleich starke "Partner-Länder". Ein Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone würde ähnliches bewirken, wäre aber auf Dauer "kostengünstiger" und die Basis für erfolfgreiches finanzpolitisches und wirtschaftliches agieren danach, wäre immer noch vorhanden.
    V.Kauder hat gestern S.Wagenknecht im Bundestag angegriffen, indem er sinngemäß sagte, sie (die Linke vormals PDS) habe die DDR wirtschaftlich ruiniert und 17 Millionen Deutsche in die Armut getrieben. Ob das so war, lassen wir mal dahingestellt. Aber ich fürchte, dass in nicht allzu langer Zeit Herr Kauder & Co. sich diesen Vorwurf von Frau Wagenknecht anhören muß.
    Dann geht´s aber nicht mehr um 17 Millionen, sondern um 80 Millionen Deutsche !

  • 20.07.2012, 10:15 UhrPoeki

    Unfähig

    Eine Totgeburt kann auch durch immer neue Rettungsversuche nicht lebendig werden

  • 20.07.2012, 08:24 Uhrberkmann

    Die Wähler müssen die Antwort an der Wahlurne geben.
    Wer als Euro-"Retter" hunderte Milliarden an Steuergeldern verschleudert, gehört dafür zur Verantwortung gezogen.
    Wenn der dumme Michel die Ausbeuter allerdings weiter wählt, ist diesem Volk auch nicht zu helfen.
    Am Ende steht der Staatsbankrott. Das könnte ungemütlich werden.

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