Euro-Zone: Duell um die Rettungshoheit in der Euro-Krise

Euro-Zone: Duell um die Rettungshoheit in der Euro-Krise

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Otmar Issing und Angela Merkel

von Silke Wettach, Henning Krumrey, Christian Ramthun, Annina Reimann und Elke Pickartz

Das große Tauziehen um die Stabilisierung der Gemeinschaftswährung hat begonnen. Die Zentralbank will einen noch gigantischeren Rettungsschirm aufspannen. Deutschland gerät unter Druck, sich mit weiteren Milliardensummen zu engagieren.

Im Sommer 1998 bekam Otmar Issing Post von Ökonomie-Nobelpreisträger Milton Friedman. Der Begründer des Monetarismus gratulierte dem deutschen Architekten des Euro zur Gründung der Europäischen Zentralbank (EZB). Die neue Gemeinschaftswährung werde allerdings nicht von Dauer sein, lautete Friedmans pessimistische Prognose. Aber das Scheitern werde sicher eine Weile hinausgezögert, „weil du es machst“.

Zwölf lange Jahre hat Issing das Lob mit Todesprophezeiung still für sich behalten. Als damaliger Chefökonom der Bundesbank und dann Direktoriumsmitglied der EZB konnte und wollte er keinen Schatten auf das neue Geld fallen lassen. Nun aber hat sich die Perspektive für den Euro verdüstert – und Issing ist aus der EZB ausgeschieden.

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Mit Issing distanziert sich einer der prominentesten Konstrukteure von seinem Werk. Vor Kunden der Landesbank Berlin und ausdrücklich zum Mitschreiben erteilte er Anfang Dezember der aktuellen Geldpolitik, seinem früheren Chef Jean-Claude Trichet und dem europäischen Krisenmanagement ein denkbar schlechtes Zeugnis. Der Rettungsschirm und die bisherige EZB-Politik seien „in der Sache falsch“, weil sie wirtschaftliches Wohlverhalten bestraften und Fehler belohnten. Und sie brächten für Deutschland„in der Höhe unbegrenzte wirtschaftliche Risiken“.

Düstere Prognose

Wie viel denn noch? Welche Beträge muss der deutsche Steuerzahler riskieren und vielleicht auch bezahlen für Rettungsschirm und Griechenland-Stütze, für Bankenschutz und Anleihekäufe durch die EZB? Auf rund 220 Milliarden Euro summieren sich die deutschen Hilfszusagen – bisher. Deutschland werde „für den Euro und die EU bluten müssen“, prophezeit der frühere BDI-Präsident Michael Rogowski. Notenbanken und Regierungen schieben die Verantwortung für den künftigen Kurs hin und her, rangeln um Einfluss einerseits und Unabhängigkeit andererseits. Keine Seite kann den Konflikt gewinnen. Beide können verlieren, weil Wankelmut die Wetten an den Märkten anheizt – ein Duell im Grauen.

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