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Europawahlen: Testwahl für den Bundestag

von Cornelia Schmergal (Berlin)

Parteimanager nutzen die Abstimmung über Europa, um ihre Strategien für die Bundestagswahl zu überprüfen.

SPD-Wahlplakat: Die SPD setzt Quelle: ZB
SPD-Wahlplakat: Die SPD setzt auf Angriff Quelle: ZB

Jetzt bloß nicht durcheinanderkommen – am 7. Juni wählt Deutschland ein neues Europaparlament, erst am 27. September stimmen die Deutschen über ihren Bundestag und damit über den Kanzler ab. Eigenartig nur, dass die SPD auf ihren neuen Plakaten zur Europawahl schon mit Frank-Walter Steinmeier werben will. Der stellt sich als Kanzlerkandidat zwar genau genommen erst im Herbst den Bürgern, aber im Superwahljahr 2009 trennt die Sozialdemokratie das ohnehin nicht mehr.

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Allen Parteimanagern gilt die Europawahl als Testlauf. Am 7. Juni können sie prüfen, ob ihre Strategie aufgeht – oder bis September überholt werden muss. So kommt es für die SPD darauf an, ihre Anhänger von der Couch zur Wahlurne zu treiben, dagegen will die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sich möglichst lang ins Staatsfrauisch-Ungefähre ducken. Die FDP setzt auf Bürgerrechte, und die Linkspartei, die Europa ohnehin misstraut, plakatiert kapitalismusfeindliche Kurzparolen à la „Millionäre zur Kasse“.

In der „Nordkurve“ im Berliner Willy-Brandt-Haus basteln 230 Mitarbeiter an der Strategie für die SPD. Eine Trennung zwischen Europa- und Bundestagswahlkämpfern gibt es nicht, schließlich lägen die Probleme ähnlich. „Bei der Europawahl 2004 hatten wir eine sehr niedrige Beteiligung. Diesmal muss es besser werden“, sagt SPD-Manager Kajo Wasserhövel. Um ihre Stammklientel zu mobilisieren, inszeniert die SPD einen Richtungsentscheid. In Phase eins ihrer Kampagne warnte sie vor den sogenannten Marktradikalen. Ein grinsender Comic-Fisch, dazu der Slogan „Finanzhaie würden FDP wählen“, schaffte es zum bekanntesten Motiv des Jahres.

Aussagewert der Europawahl ist umstritten

Nun erreicht die SPD Phase zwei, und der Finanzhai muss den Staatsmännern weichen. Auf den Plakaten zur Europawahl prangt nun neben Spitzenmann Martin Schulz auch der Kanzlerkandidat. Der 7. Juni, heißt es in der SPD, sei der erste Schritt auf dem Weg Frank-Walter Steinmeiers ins Kanzleramt.

Daher will sich die Partei am Abstimmungstag als Gewinner inszenieren. Was nicht schwerfallen dürfte: Bei der letzten Europawahl im Jahr 2004, kurz nach der Agenda 2010, war die SPD auf 21,5 Prozent abgestürzt. Ganz so katastrophal kommt die Sozialdemokratie in Umfragen heute nicht weg. CDU und CSU indes erzielten damals 44,5 Prozent. Und es scheint utopisch, dass sie dieses Ergebnis wieder erreichen könnten.

In der Union kocht man die Abstimmung im Juni daher möglichst klein. Von „großer Bedeutung“ für die Bundestagswahl will niemand im Adenauer-Haus reden. Und auch der Slogan „Wir in Europa“ bleibt eigenartig blutleer für die Union, die sich einst als selbst ernannte Europa-Partei feierte.

Ob der 7. Juni als Testabstimmung überhaupt taugt, ist ohnehin umstritten. „Die Parteien können den Wahlkampf nutzen, um ihre Planung zu prüfen – und um zu testen, ob sie genug Kugelschreiber für die Straßenwerbung bestellt haben“, frotzelt Manfred Güllner, Chef des Meinungsforschungsinstitutes Forsa. „Genau genommen aber interessieren sich so wenig Menschen für die Europawahl, dass ihr Ergebnis bald vergessen sein wird.“

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.06.2009, 09:55 UhrAnonymer Benutzer: Helmers

    Was sagen sie zu einer Partei und einem Umweltminister Gabriel, der die Energiewende verspricht und aus der Atomenergie raus will? Vor Jahren versprach die SPD für 20 Jahre investorsicherheit für biogasanlagen, heute hat sie die Förderwende vollzogen und die investoren stehen vor der Pleite des biogaswerkes und Vorzeigeobjektes Penkun. Vorher hat sie das Objekt noch als Musterbeispiel besuchern vorgeführt und sich gebrüstet, das ist die SPD! Vorne weg die bundestagsabgeordneten becker und Kelber (Kelber Solarlobby) stimmen offen gegen diese Anlage, die ihre Partei vorher noch gelobt hat! Dieser Kanzlerkandidat, Herr Steinmeier, wurde unterrichtet, er macht nichts dagegen, in dieser Partei herrscht Chaos vor, die Linkspartei gibt die Schwerpunkte vor. Mit Frau Ypsilanti haben wir gesehen was Sache ist. Wahltag ist Zahltag, wir haben jedes Vertrauen in diese Partei verloren. Trotz einer Unterlassungsklage des LG Hamburg behauptet die SPD weiterhin die Unwahrheit über die biogasanlage Penkun und deren betreibern, unverfroren ist das! Die nächste Quittung für die SPD erfolgt zur bundestagswahl.

  • 07.06.2009, 20:28 UhrAnonymer Benutzer: nnnn

    ich war zwar nie ein Anhänger der SPD, aber was Müntefering, Steinmeier und -brück sich da soleisten hat eine so alte Volkspartei wirklich nicht verdient. Am Ende des Tages muss die SPD auch noch unter den Rettungsschirm um die Arbeitsplätze ihrer 230 Wahlstrategen zu retten.

    Es kommt einfach nicht gut, wenn SPDler bedauern, dass meine keine Soldaten oder indianer mehr nach Österreich, Luxemburg oder in die Schweiz schicken kann.

    insbesondere die Machenschaften des Herrn Steinbrück gehen dem Volk mächtig auf die Senkel.

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