Ex-Piraten-Chef Seipenbusch: Langjähriger Chef der Piratenpartei kritisiert Parteispitze

Ex-Piraten-Chef Seipenbusch: Langjähriger Chef der Piratenpartei kritisiert Parteispitze

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Jens Seipenbusch auf einem Bundesparteitag der Piratenpartei in Hamburg. Der langjährige Chef der Piratenpartei fordert vor dem Bundesparteitag eine Neuorganisation des Vorstandes.

von Oliver Voß

Der langjährige Vorsitzende der Piratenpartei, Jens Seipenbusch, kritisiert den Umgang der Partei mit ihren Kernthemen und fordert eine neue Organisation des Vorstandes.

WirtschaftsWoche: Sie standen fünf Jahre an der Spitze der Piratenpartei und haben sich im Vorjahr, gerade vor dem großen Durchbruch zurückgezogen. Bereuen sie die Entscheidung manchmal?

Jens Seipenbusch: Nein, überhaupt nicht. Auch vorher gab es verschiedene Durchbrüche und die Meilensteine, die ich mir gesetzt hatte, sind erreicht worden. Nämlich die Gründung der Partei und aller Landesverbände, sowie die erste erfolgreiche Teilnahme an einer nationalen Wahl. Und den ersten Einzug in ein Landesparlament hatte ich schon vorausgesagt, als ich meine Pause genommen habe.

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Sie sind danach abgetaucht und haben das öffentlich nicht groß erklärt. Was war denn letztlich der Grund?

Ich hatte auch schon 2010 mit dem Gedanken gespielt, eine Auszeit zu nehmen, denn ich habe jahrelang zeitlich über meine Verhältnisse gelebt. Neben Beruf und Familie den Job eines Parteivorsitzenden ehrenamtlich zu machen führt langfristig zur Überlastung.
Das Problem sieht man aktuell ja auch an anderen Amtsträgern, wie Marina Weisband und Gerald Anger in Berlin, die sich zurückziehen. Ich bin sogar einer der wenigen, die mehrere Jahre durchgehalten haben.

Das heißt der Vorstand muss anders organisiert werden.

Genau, wir müssen langfristig eine andere Lösung finden. Die Leute im Vorstand sind zu wenige für das explosiv gestiegene Interesse. Die Probleme sind schon jetzt eklatant und werden immer stärker.

Denn wenn es gut bezahlte Mandate im Parlament und schlecht oder gar nicht bezahlte Vorstandsposten gibt, gehen vielleicht nicht mehr die besten Leute in den Vorstand, sondern verabschieden sich in die Parlamente.

Dass heißt man sollte den Vorstand angemessen bezahlen, wie es auch einige fordern?

Wenn wir vor der Bundestagswahl Vorstandsposten als bezahlte Arbeit einrichten, würde das in Chaos und Streit enden. Zudem können wir auf absehbare Zeit sowieso nicht das bezahlen, was jemand mit einem normalem Job verdienen würde. Wir können auch nicht für jeden Vorstand einen Assistenten bezahlen, da wir bei der Parteienfinanzierung noch auf einem unglaublich niedrigen Level sind.

Natürlich muss es eine großzügige Kostenerstattung geben. Doch sonst setze ich eher darauf, dass wir den Vorstand entlasten, damit er sein Geld nebenher verdienen kann.

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