Ex-RAF-Terrorist Klar wird freigelassen : Von Bert Brecht zum Komödienstadl mit RAF-Mumien

KommentarEx-RAF-Terrorist Klar wird freigelassen : Von Bert Brecht zum Komödienstadl mit RAF-Mumien

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Roland Tichy, WirtschaftsWoche-Chefredakteur

Roland Tichy, Chefredakteur der WirtschaftsWoche, über die Freilassung Christian Klars.

Nun also wird Christian Klar, wegen neunfachen, gemeinschaftlich begangenen Morden und elffachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt, vorzeitig aus der Haft entlassen. Er kommt schon im Januar 2009 auf Bewährung frei.

Es ist kein Einzelfall. Mord ist eben nicht gleich Mord, und wer seinen Mord unter dem Siegel RAF schönredet, kann mit Mitleid rechnen. Mitleid allerdings mit den Tätern, nicht mit den Opfern.

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Klar ist leider kein Einzelfall.

Rolf Clemens Wagner war Mitglied der Bande, die am 5. September 1977 Hanns Martin Schleyer entführte, seine vier Begleiter ermordete und Schleyer mit drei Kopfschüssen tötete. Er verübte einen Sprengstoffanschlag auf den Nato-Oberbefehlshaber General Alexander Haig, raubte in Zürich eine Bank aus und ermordete, quasi nebenbei, eine Passantin.

Wagner wurde 1985 zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt und im Jahr 2003 durch Bundespräsident Johannes Rau begnadigt. Er darf seither nicht mehr als Terrorist bezeichnet werden.

Wie auch Klar hat er sich nie von seinen Taten distanziert. Wozu auch? Das könnte ihm ja Freunde kosten. "Er hatte Gerechtigkeitgefühl, war ein Moralist", zitiert Spiegel-Online fett dessen früheren Lehrer.

Gab es auch Opfer, gibt es Frauen, Mütter, Söhne, Töchter der Ermordeten, die zu Wort kommen? Die Opfer der RAF bleiben gesichtslos. Die Gerechtigkeit endet, wenn es um die Aufklärung von Morden geht; die Moral, wenn es um die RAF-Verbrecher geht.

Verharmlosung des Terrors

Der Beschluss des 2. Senats Quelle: dpa

Der Beschluss des 2. Senats des Oberlandesgerichts Stuttgart, dass die Restfreiheitsstrafe gegen Christian Klar zur Bewährung ausgesetzt wird, am Montag (24.11.2008) vor einem Foto des 56-Jährigen in Stuttgart. Der ehemalige RAF-Terrorist war unter anderem wegen der Beteiligung an der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Schleyer sowie wegen der Morde an Generalbundesanwalt Buback und Dresdner-Bank-Chef Ponto verurteilt worden.

Bild: dpa

Vergessen wir nicht: Es waren mörderische Anschläge auf den Staat und die Repräsentanten der Wirtschaft.

Ins Fadenkreuz wurden besonders Industrie, Banken und deren Repräsentanten genommen. Das alles ist keineswegs Geschichte.

Klar bedauert nichts. "Vor der Trauer müsste sich sehr viel ändern." Wagner  erklärt, dass die Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Schleyer „auch aus heutiger Sicht richtig“ gewesen sei, leider habe die RAF daraus „einfach zu wenig gemacht“.

Nennen wir Wagner, der also seine Tat nicht bereut, das, was er ist: einen Mörder.

Ihn zu begnadigen war falsch. Unklar ist nach wie vor, ob Wagner selbst die Pistole an der Schläfe Schleyers abgedrückt hat. Dazu schweigt er ebenso wie Christian Klar und andere RAF-Gesellen von damals. Diese und weitere Verbrechen bleiben unaufgeklärt.

Klar war bei der Ermordung des Bankiers Jürgen Ponto dabei. Über den Vorgang schweigt er. Die Familie Pontos wird bewußt im unklaren gelassen, wer den Ehemann, den Vater erschossen hat. Klar behandelt seine Morde als Kavaliersdelikt.

Deutlicher kann nicht signalisiert werden, dass man die Opfer und die Öffentlichkeit weiter vorführen will. Was wir in diesen Tagen darüber lesen, trieft oft vor Verständnis für die Mörder. Die Täter von gestern sind heute Stars in Filmen, TV-Sendungen, gefragte Zeitzeugen, die ihre Verbrechen schönreden dürfen und zu publizistischen Beratern bei der Aufarbeitung ihrer Untaten avanciert sind.

Täter und Opferrollen werden vertauscht. Verantwortung wird abgewälzt auf jene, die den Terror bekämpften, und nicht den Terroristen zugewiesen, welche damals die Spirale von Mord und Gegenmaßnahmen in Gang setzten.

Ihr Erfolg, diese grausig lange Blutspur, gründet auf der erstaunlich breiten Unterstützung vor allem auch im Kern der außerparlamentarischen Opposition, bei den 68-zigern. Sie haben dieses Land nicht liberaler und offener gemacht, sondern die „bleierne Zeit“ provoziert.

Nach wie vor wird weiter an Legenden gestrickt, etwa an jener Mär von der „Isolationsfolter“. Dabei war Stammheim ein sehr angenehmes Gefängnis – mit allerlei Musik, ausgesuchten Büchervorräten und freizügiger Liebeshändelei zwischen Häftlingen, die auch heute noch oft als „Gefangene“ bezeichnet werden, als schützenswerte Opfer einer willkürlichen Staatsgewalt.

Diese Verharmlosung des Terrors dauert an, etwa wenn der Intendant des Berliner Subventions-Ensembles, Claus Peymann, dem Terroristen Klar ein Praktikum am Theater anbietet.

Gibt es in Berlin nicht genügend Menschen, die wirklich der Unterstützung bedürften? Gibt es nicht genug junge Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als einmal am Theater arbeiten zu dürfen? Sind hier die Steuergelder richtig angelegt?

Muss man erst Menschen ermorden, um bei Peymann einen Job zu erhalten?

Klar, dass Christian Klar auch keine Eile hat, den Job anzutreten. Er will sich erst mal erholen. Und er will auch nicht zu viel arbeiten, sagt er. Peymann hat damit sicherlich einen wertvollen Mitarbeiter gefunden, er macht aus der Bühne Bert Brechts einen Komödienstadl mit RAF-Mumien.

Warum? Claus Peymann ist nur eines: Öffentlichkeits-Geil. Er braucht gelegentlich die Schlagzeilen des linken Medienmilieus. Ihm ist es gleichgültig, die Hintergründe der Morde will er nicht verstehen.

Auch andere haben den Unterschied zwichen Mord und Spaß nicht verstanden. 

Auch die Repräsentanten der deutschen Wirtschaft können sich nicht aufraffen, deutlich zu machen: Hanns Martin Schleyer, Alfred Herrhausen oder Detlev Karsten Rohwedder starben auch für unsere Freiheit, die wir so gedankenlos konsumieren. 

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