Exzellenzinitiative: Forscher machen einen Bogen um deutsche Unis

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Exzellenzinitiative: Forscher machen einen Bogen um deutsche Unis

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Elitenmangel in Deutschland: Weltbekannte Forscher zieht es zu selten an deutsche Universitäten

von Christian Schlesiger und Susanne Kutter

Immer Ärger mit dieser Elite: Weltweit bekannte Forscher zieht es zu selten an deutsche Universitäten. Die Exzellenzinitiative und mehr Fördergelder sollen das endlich ändern – aber macht die SPD mit?

Emmanuelle Charpentier ist nicht einfach Forscherin, sie ist eine Art wissenschaftlicher Rockstar. Die gebürtige Französin hat in New York und in Schweden geforscht, für ihre Entdeckung von Genstrukturen bei Bakterien gilt sie in Fachkreisen als Anwärterin auf einen Nobelpreis. Forschungseinrichtungen weltweit buhlten um die 46 Jahre alte Mikrobiologin, aber sie entschied sich für Deutschland. Seit zwei Jahren lehrt Charpentier an der Medizinischen Hochschule in Hannover, im Oktober wechselt sie als Direktorin ans Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie.

Die Personalie Charpentier ist ein schillernder Erfolg für den neuen Kurs an deutschen Hochschulen – hin zu akademischer Exzellenz. Mit vier Milliarden Euro fördert der Bund seit 2005 im Rahmen einer „Exzellenzinitiative“ Nachwuchsprogramme und Fachbereiche an Universitäten. Zudem zeichnete der Wettbewerb 14 Hochschulen für ihre Zukunftskonzepte aus („Elite-Unis“). „Die Exzellenzinitiative hat deutsche Hochschulen international erstrahlen lassen und für viele Ausländer attraktiv gemacht“, sagt Enno Aufderheide, Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung, die Gastwissenschaftler anlocken soll. „Das Interesse an Deutschland hat deutlich zugenommen.“

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Doch noch immer stellen Topforscher wie Charpentier in Deutschland eine Minderheit dar. Von 3215 Wissenschaftlern, die nach Anzahl ihrer zitierten Publikationen zu dem besten ein Prozent ihrer Disziplin zählen, arbeitet mehr als die Hälfte in den USA. Neun Prozent forschen in Großbritannien, nur fünf Prozent in Deutschland.

„Gemessen an unserer Wirtschaftskraft, haben wir immer noch zu wenige Forscher, die als potenzielle Nobelpreisträger gehandelt werden“, sagt Aufderheide. Deutsche Bildungsexperten fordern daher, die bereits beschlossene Neuauflage der Exzellenzinitiative (Startschuss: 2017) gezielt auf akademisches Spitzenpersonal auszurichten. Der Bund will den Wettbewerb bis 2028 erneut mit vier Milliarden Euro fördern. Vorschläge dazu soll eine Kommission unter Leitung des Schweizer Forschers Dieter Imboden Anfang 2016 vorlegen.

Die zehn Länder mit den meisten Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Top-Journals (zum Vergrößern bitte anklicken)

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Doch die Politik muss diese absegnen. Und in der großen Koalition sind sich Union und SPD nicht einig, wie wissenschaftliche Elitenförderung künftig aussehen soll. Die Christdemokraten fordern in einem Eckpunktepapier, Exzellenz müsse „das oberste Prinzip für ein künftiges Programm bleiben“. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ruft gar nach einem „neuen Förderformat“. Forscher in Deutschland, „die auf dem Weg zu bahnbrechenden und disruptiven neuen Erkenntnissen und international bereits herausragend profiliert sind“, sollen eine Art Prämie erhalten, wenn sie dem heimischen Bildungsstandort treu bleiben. Vorbild ist die renommierte Alexander von Humboldt-Professur, die mit einem Forschungsetat von bis zu fünf Millionen Euro lockt.

Wenige Spitzenunis fördern

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Zudem müssten einige wenige Hochschulen attraktiver werden, fordert die CDU. „Wir brauchen vier bis sechs Spitzenuniversitäten, die von Bund und Ländern über einen längeren Zeitraum von zunächst mindestens sieben Jahren gefördert werden“, sagt CDU-Bildungsexperte Stefan Kaufmann. Vorbild seien die Schweizer Spitzenunis Lausanne und Zürich, die vom Bund finanziell unterstützt würden. Sie verwalten ihre Milliardenbudgets selbstständig und können so Spitzenforscher aus aller Welt verpflichten.

Die SPD tut sich aber mit einem so engen Elitenbegriff schwer. Man wolle zwar daran festhalten, international renommierte Fachbereiche zu fördern, heißt es in ihrer Fraktion. Ziel müsse jedoch auch sein, regionale Verbünde mit Fachhochschulen und der lokalen Wirtschaft zu stärken. Gleichzeitig solle gute Lehre von Professoren ähnlich belohnt werden wie brillante Forschung.

Für den Herbst haben die Sozialdemokraten ein Konzept angekündigt. Das gezielte Anwerben von Spitzenkräften und die Förderung von Elite-Unis kommen in ihren Denkpapieren bislang nicht vor. Damit dürfte bald ein echter Bildungsstreit auf dem Lehrplan der großen Koalition in Berlin stehen.

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