Facebook-Kampagne: Junge Alternative erklärt Gleichberechtigung für beendet

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Facebook-Kampagne: Junge Alternative erklärt Gleichberechtigung für beendet

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Bei Facebook posieren junge Anhänger der AfD für eine Aktion gegen Feminismus.

Die Jugend der AfD tritt für konservative Werte ein. In einer Foto-Kampagne auf Facebook wettert die Junge Alternative gegen Feminismus und was aus ihrer Sicht Gender-Wahnsinn ist. Das ging nach hinten los.

"Verstand statt Ideologie" - das wünscht sich die Jugend der Partei Alternative für Deutschland (JA). Im sozialen Netzwerk Facebook verbreiten die Anhänger der JA unter dem Motto "Gleichberechtigung statt Gleichmacherei" zur Zeit Fotos, auf denen sie Plakate mit Sprüchen gegen Feminismus hochhalten. Viele junge Frauen und Männer beteiligen sich an der Aktion. "Ich bin kein Feminist, weil ich keine Ideologie benötige, um Frauen zu respektieren und zu ehren", schreibt einer. Pläne wie die Frauenquote in Konzernen kommen nicht gut an. "Ich bin keine Feministin, weil ich meine Ziele durch Leistung erreichen werde und durch keine Quote", schreibt eine junge Frau. "Ich bin keine Feministin, weil jede Frau selbst entscheiden kann, ob sie Hausfrau wird", eine andere.

Die Aktion der Jungen Alternative ist eine Antwort auf eine ähnliche Aktion "Say the dirty word: Feminism" der Jusos der SPD, bei der junge Menschen anlässlich des Weltfrauentags Spruchplakate wie "Ich bin Feminist, weil Geschlechtergerechtigkeit endlich Realität werden muss" oder "Ich bin Feminist, weil es ungerecht ist, dass meine Kolleginnen weniger verdienen als ich" empor hielten. Hintergrund ist auch eine Studie, die zeigt, dass Frauen noch immer 22 Prozent weniger verdienen als Männer.

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Dies nahm die Junge Alternative zum Anlass, lautstark dagegen zu halten. "Da wir uns "Vernunft statt Ideologie" auf die Fahnen geschrieben haben, konnten wir dies nicht so im Raum stehen lassen. Deshalb zeigt die Junge Alternative Gesicht gegen verstaubte linke Ideologien", überschreibt die Junge Alternative ihre Fotosammlung. In der Jungen Alternative wehrt sich laut Eigendarstellung gegen die ideologische Einfärbung von Diskussionen. "Wir bekennen uns zu den Errungenschaften der Aufklärung und wollen, dass ideologie- und vorurteilsfrei offen über Themen diskutiert werden darf, bevor eine Entscheidung gefällt wird, die auf Fakten, wissenschaftlichen Erkenntnissen oder dem gesunden Menschenverstand basieren sollte", heißt es auf der Internetseite der Jungen Alternative. In deren Jugendorganisation, die es seit Sommer 2013 gibt, sind derzeit 350 Mitglieder aktiv.

Manche der Äußerungen sorgen jedoch für Wirbel. Ob sie einfach nur naiv oder bewusst provokativ sind, wissen nur die Ersteller. "Ich bin keine Feministin, weil ich mit gerne die Tür aufhalten und in die Jacke helfen lasse", malte etwa eine junge Frau auf ihr Schild. Ein junger Mann schreibt gar "Ich stehe auf Frauen, die den Feminismus ablehnen, weil ich wahre Weiblichkeit wunderschön finde". Solche Äußerungen haben eine Welle der Empörung ausgelöst, von "widerlichem Sexismus" ist die Rede.

Auch Markus Frohnmaier, der 22-jährige Spitzenkandidat für den Bundesvorstand, kommt mit seiner Äußerung nicht ungeschoren davon. "Ich bin kein Feminist, weil der künstlich geschürte Kampf zwischen den Geschlechtern von den wirklichen Problemen in unserem Land ablenkt", steht da bei ihm geschrieben. Frohnmaier hat sich den Kampf "gegen Genderwahn und Feminismus" auf die Fahnen geschrieben.

Als "polemisch", "peinliche Lachnummer" oder "sprachlichen Durchfall" bezeichnen einige User den Beitrag, " bitte auch das Frauenwahlrecht wieder abschaffen. Wenn schon denn schon", fordert augenzwinkernd ein anderer. "Was an diesen Fakten ist bitte ein "künstlich geschürter Kampf"? Dass Frauen bei uns massiv benachteiligt sind ist Realität", fragt kopfschüttelnd ein User.

Für Erheiterung bis Kopfschütteln sorgt auch der Beitrag einer jungen Frau, die die Gleichberechtigung der Frau kurzerhand für "abgeschlossen" erklärt. Die Reaktionen reichen von Lachen und der Frage, ob das "Satire" sein soll bis hin zu Beschimpfungen. Mit einem "Gruß von den Jusos" gab es die Antwort: "Ich bin Feministin, weil Frauen auch das Recht haben, von ihrer Arbeit leben zu können", postete eine Jusos-Anhängerin. "Die Gleichberechtigung ist keineswegs abgeschlossen. Einfach mal gucken, wie es mit dem Gehalt bei absolut gleicher Qualifikation und später bei der Rente aussieht, da wird einigen das Lachen ganz schnell vergehen", schrieb die junge Frau dazu.

Der "große Bruder" der JA, die AfD, kämpft im Vorfeld der Europawahl am 25. Mai noch immer mit parteiinternen Diskussionen über die künftige Ausrichtung und auch Vorwürfen der Fremden- und Schwulenfeindlichkeit. Parteichef Bernd Lucke und die Berliner AfD-Politikerin Beatrix von Storch nannten die Berichte „Verleumdungen und Verzeichnungen“. Vor allem in den Landesverbänden werden aber mehr oder weniger offene Richtungskämpfe ausgetragen.

Einem „Spiegel“-Bericht zufolge will Lucke nun mit einem entsprechenden Antrag zu den politischen Leitlinien die Landesverbände und die Mitglieder entmachten. Lucke selbst bestritt solche Pläne. „Diese Vorwürfe stimmen nicht“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Geplant sei, „die bisherige Struktur mit drei Sprechern zu ersetzen durch einen Vorsitzenden und vier Stellvertreter“. Eine solche Parteispitze sei „hierzulande üblich“.

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Zahlreiche AfD-Mitglieder setzten sich gegen die neue Struktur in einer öffentlichen Erklärung zur Wehr und kündigten für den Parteitag Gegenanträge an. Die Diskussion darüber wird nach Angaben eines Sprechers voraussichtlich erst am Sonntag geführt werden. Die AfD will an diesem Wochenende auch ihr Programm für die Europawahl beschließen. Auf dem zweitägigen Parteitag in Erfurt diskutieren rund 2000 Mitglieder von Samstag an unter anderem über den Ausschluss nicht wettbewerbsfähiger Länder aus dem Euro. Der Entwurf für das Wahlprogramm weist die Idee der Vereinigten Staaten von Europa zurück und fordert für Deutschland mehr Gewicht bei EU-Entscheidungen. Das Programm lehnt auch das geplante Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA ab. Der Entwurf war nach Parteiangaben in einer Mitgliederbefragung diskutiert und dann überarbeitet worden.

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