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Fachkräfte: Bayerns Jagd auf Spezialisten

von Christian Ramthun

Bayern boomt, es gibt kaum noch Arbeitslose. Nun macht der Freistaat Jagd auf Fachkräfte. Wie bayerische Experten aus dem Ausland zurückgeholt und qualifizierte Zuwanderer aus dem In- und Ausland in den Freistaat gelockt werden sollen.

Mitarbeiter des Quelle: dapd
Mitarbeiter des Automobilherstellers BMW in Regensburg: In Bayern ist die Arbeitslosigkeit niedrig, die Fachkräfte bereits zu knapp (Foto: Lennart Preiss/dapd) Quelle: dapd

Ein Drittel mehr Umsatz, 200 Millionen Euro zusätzlich hätte "Antennen-Toni"  im ersten Halbjahr machen können – wenn er genügend Arbeitskräfte bekommen hätte. Doch der Arbeitsmarkt im Landkreis Rosenheim, wo Anton Kathrein seinen Stammsitz für den Antennenbau hat, ist leergefegt. Nur noch zwei Prozent Erwerbslose gibt es hier. "Das ist nicht Vollbeschäftigung, sondern schon Überbeschäftigung", stöhnt der Bayer.

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Kathreins "größtes Standortproblem" betrifft viele Unternehmen im Freistaat, wo die Arbeitslosigkeit auf nur noch 3,4 Prozent gesunken ist (Bundesdurchschnitt 6,6 Prozent). "In mehr als der Hälfte aller 96 Kreise und kreisfreien Städte in Bayern lag die Arbeitslosenquote im September unter drei Prozent – damit ist dort per Definition Vollbeschäftigung erreicht", sagt Ralf Holtzwart, Geschäftsführer der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit.

Nun will der bayrische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) zu einer groß angelegten Fachkräftejagd blasen. "Wer was kann, der kommt nach Bayern", versprach der Minister vor wenigen Tagen im Münchner Haus der Bayerischen Wirtschaft. Diese nimmt ihrerseits 40 Millionen Euro in die Hand, um Arbeitskräfte anzuwerben. Und die bayrische Arbeitsagentur startete zusammen mit dem Innenministerium die Kampagne "Bayern braucht Sie", um ausländische Studenten nach ihrem Examen im Lande zu halten.

Deutschkurse in Spanien ausgebucht

Bayern exerziert vor, was dem Rest der Republik in einigen Jahren ebenfalls droht, wenn der demografische Knick zu einem Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung führt. Allein das andere Südland, Baden-Württemberg, steht bereits unter ähnlichem Druck mit einer Arbeitslosenrate von zuletzt 3,9 Prozent und reagiert darauf mit der Kampagne "Wir können alles. Außer Hochdeutsch".

"Return to Bavaria", nennt Zeil seine Aktion, mit der er zunächst "deutsche und bayrische" Spitzenkräfte ansprechen will, die ins Ausland abgewandert sind. Rückkehrwilligen will er die Reisekosten für Vorstellungsgespräche erstatten, Angehörige bei der Jobsuche unterstützen. Daneben hofft Zeil, dass mancher Heimkehrer "einen hoch qualifizierten chinesischen, indischen oder südafrikanischen Kollegen mitbringt". Die bayrischen Auslandsrepräsentanzen seien angewiesen, gezielt Fachkräfte "anzuwerben und für Bayern zu begeistern".

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.10.2011, 15:52 UhrStephan Locher

    "So drängt die FDP auf eine Senkung der Mindesteinkommensschwelle von 66 000 Euro auf 40 000 Euro Jahreseinkommen."
    ...geht es also nur wieder um "es fehlen billige Fachkräfte, die sich bestmöglich ausbeuten lassen"? Denn von 40.000 € Jahreseinkommen ließe sich insbesondere in München nurmehr schlecht als recht leben...

  • 13.10.2011, 14:40 Uhrislamisieung des arbeitsmarktes

    viele wollen nicht mehr ausbilden und umschulenda holt man sich doch die sippschaft lieber aus dem ausland macht deutschschulungen zahlT ihnen eine rente 1klaSSE für nur 20 jahre geklebter ARbEiT:

  • 13.10.2011, 14:30 UhrRoland

    Der reflexartige Ruf der Wirtschaft zum Thema Fachkräftemangel ist schon irgendwie komisch. Es gibt - gerade in Süddeutschland - ein großes Potential an - oft akademisch gebildeten - Fachkräften, das brach liegt. ich spreche hier von den Müttern, die aufgrund fehlender Kinderbetreuung nicht arbeiten können, obwohl sie gerne würden.

    in meinem Freundeskreis (ich wohne im Süden Stuttgarts) gibt es eine ganze Reihe an Akademikerinnen, die gerne Teilzeit arbeiten würden (Teilzeit, weil sie ihre Kinder nicht die ganze Woche "abschieben" wollen). Darauf sind die Unternehmen, die sich so lauthals über Fachkräftemangel echauffieren, aber überhaupt nicht ausgerichtet. Sprich, bei uns gibt es kaum Teilzeitstellen, die Nachmittagsbetreuung ist eine Katastrophe und so kann das Knowhow dieser Frauen nicht genutzt werden.

    ich sehe hier aber keinerlei bereitschaft in Politik und Wirtschaft, an diesem Thema etwas zu ändern.

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