Fachkräfteboom: Deutschland ist eines der liberalsten Einwanderungsländer

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Fachkräfteboom: Deutschland ist eines der liberalsten Einwanderungsländer

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Deutschland hat eines der liberalsten Zuwanderungssysteme für Hochqualifizierte unter allen Industrieländern. Dennoch muss sich die Bundesregierung weiter anstrengen um den Fachkräftemangel zu beheben

von Henning Krumrey

Ein Jahr nach Einführung der „Blue Card“ stellen Migrationsexperten der Bundesrepublik ein überraschendes Zeugnis aus.

„Deutschland hat heute für hoch Qualifizierte eines der liberalsten Zuwanderungssysteme aller Industrieländer“, sagte Thomas Liebig, Zuwanderungsexperte der OECD, der WirtschaftsWoche. Um den Fachkräftemangel zu beheben, seien aber weitere Anstrengungen erforderlich. Denn nur zehn Prozent der Migranten aus EU-Ländern blieben dauerhaft als Fachkräfte in Deutschland. Von den zugewanderten Spezialisten aus anderen Ländern bliebe zwar ein Drittel länger als fünf Jahre hier, dies seien aber " maximal 10.000", so Liebig.

„Eine stille Revolution“ bilanziert Holger Kolb vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Die Blaue Karte sei „ein Durchbruch“ gewesen, sagte er der WirtschaftsWoche. Die EU-Vorgaben habe Deutschland „so liberal wie nur möglich ausgelegt“, denn der Zuzug von Akademikern mit Jobangebot sei „heute nahezu ohne Einschränkungen möglich“. Das erforderliche Mindestgehalt liegt bei 46.400 Euro pro Jahr, für offiziell benannte Mangelberufe (darunter Ingenieure, IT-Spezialisten, Ärzte) gelten sogar nur rund 36.000 Euro. Die Vorrangprüfung, ob nicht auch eine deutsche Fachkraft die Position füllen könnte, entfällt mittlerweile ganz. An deutschen Hochschulen ausgebildete Absolventen, die aus Nicht-EU-Staaten stammen, haben zudem nun anderthalb Jahre Zeit, um sich hier einen Job zu suchen.  „Lange galten in Deutschland zwei Dogmen“, bilanziert Kolb. „Erstens, keine Einwanderung ohne Arbeitsvertrag. Und zweitens, keine Einwanderung von Nichtakademikern.“ Beide Glaubenssätze seien nun gefallen. „Die Bundesregierung sollte endlich damit anfangen, modernes Zuwanderungsmarketing zu betreiben“, fordert Kolb. „Es fehlt ein gutes Konzept, das von dem Selbstverständnis getragen ist, dass dieses Land um die Klügsten aus aller Welt werben will.“

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Seit 2010 erlebt die Bundesrepublik einen Einwanderungsboom. Voriges Jahr überstieg die Zahl der Ankömmlinge die der Auswanderer um rund 369.000 Menschen  – der höchste Wert seit 1995. Noch 2008 und 2009 verließen mehr Menschen die Bundesrepublik als sich zur Ansiedelung entschlossen. „Alles deutet darauf hin, dass der starke Einwanderungstrend auch 2013 anhalten wird“, erwartet OECD-Migrationsexperte Liebig.

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