Fachkräftemangel: Für Integration fehlt das Geld

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Der Wirtschaft gehen die Fachkräfte aus. Migranten könnten diese Lücke füllen. Doch der Politik fehlen die dazu nötigen Milliarden. Somit bleibt es bei Reparaturmaßnahmen.

Einmal in der Woche steigt der Altersdurchschnitt in der Kindertagesstätte Rappelkiste im nordrhein-westfälischen Dormagen rapide an. Dann drücken die sogenannten Rucksack-Mütter die Kindergartenbank. Sie kommen aus der Türkei oder aus Russland und wollen ihren Kindern einen guten Start in Deutschland ermöglichen. In einem neunmonatigen Workshop bekommen sie praktische Tipps, wie sie die Sprachfähigkeiten ihrer Kinder fördern können, und erhalten, wo sie schon mal da sind, auch gleich selbst Sprachunterricht – Integrationspolitik made in Nordrhein-Westfalen.

Die Idee dahinter ist simpel: Je früher und besser Zuwanderer Deutsch lernen, desto größer auch ihre Chance auf eine erfolgreiche Integration. Nordrhein-Westfalen ist Vorreiter, auch deshalb, weil im bevölkerungsreichsten Bundesland die Probleme durch mangelhafte Integration besonders spürbar sind. Rund 25 Prozent der knapp 18 Millionen Einwohner haben einen Migrationshintergrund, bei den unter 18-Jährigen sogar fast jeder Dritte. Gleichzeitig weisen die Migranten eine höhere Erwerbslosenquote auf, sind im Vergleich zur deutschen Bevölkerung häufiger erwerbslos und haben ein mehr als doppelt so hohes Risiko, in Armut zu leben.

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Investition zahlt sich aus

Wissenschaft und Wirtschaft schlagen Alarm: Die deutsche Bevölkerung wird immer älter, und in 20 Jahren könnten laut einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos bereits 5,2 Millionen Fachkräfte fehlen. Kinder aus Zuwandererfamilien könnten diese Lücke in Zukunft füllen – doch leider werden zu viele von ihnen den Anforderungen des Arbeitsmarkts nicht gerecht. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat in einer aktuellen Studie berechnet, dass die Regierung jährlich drei Milliarden Euro zusätzlich in Ganztagsbetreuung und Sprachförderung investieren müsste, um die Bildungsdefizite jugendlicher Migranten abzubauen.

Eine solche Investition belastet zwar kurzfristig den Staatshaushalt und zählt daher zu den Posten, bei denen scheidende hessische Ministerpräsident Roland Koch den Rotstift ansetzen würde. Doch langfristig könnten sich die Ausgaben rechnen. Nach 15 bis 20 Jahren, rechneten die Forscher des IW, würden die zu erwartenden Erträge die Kosten decken und danach kontinuierlich übersteigen. Denn gut ausgebildete Migranten sind produktiver, zahlen mehr Steuern und belasten die Sozialsysteme weniger.

Dringender Handlungsbedarf

Wie dringend der Handlungsbedarf ist, spüren die Unternehmen in Handwerk und Industrie schon jetzt. Jeder fünfte Schüler in Deutschland erreicht gerade einmal das Grundbildungsniveau. Rund 80 000 Jugendliche verlassen jährlich die Schule ohne Abschluss. Die Chance dieser Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz ist gleich null. Aber auch diejenigen, die eine Lehrstelle bekommen, sind für ihre Betriebe häufig kein Gewinn. Laut Berufsbildungsbericht 2010 wird jeder fünfte Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst, fast jeder zweite Schulabgänger landet zudem nach der Schule zunächst in einem Grundbildungskurs. Das betrifft zwar nicht nur, aber überproportional viele Jugendliche mit Migrationshintergrund. Sie gehören viermal häufiger zur Risikogruppe als ihre deutschen Mitschüler. Bei jugendlichen Migranten mit Hauptschulabschluss durchläuft jeder Dritte eine Übergangsmaßnahme, bei den Deutschen sind es 17 Prozent.

Aufstieg durch Bildung – davon können viele Zuwanderer nur träumen. In NRW will man das ändern. Sprach-förderung gilt dabei als Schlüssel erfolgreicher Integration. Seit 2007 gibt es in NRW einen verbindlichen Sprachstandstest für alle Vierjährigen. Frühe Erfolge sind schon sichtbar: Der erste Jahrgang, der diesen Sprachtest und die sich anschließende Förderung durchlaufen hat, ist 2009 eingeschult worden und „weist bereits bessere Sprachkenntnisse auf“, sagt der noch amtierende NRW-Integrationsminister Armin Laschet (CDU). "Die Startchancen haben wir somit verbessert."

Der Wirtschaft werden diese Kinder allerdings erst in rund zehn Jahren zur Verfügung stehen. Politisch weniger schön zu verkaufen ist daher das, was zusätzlich geleistet werden muss: der Reparaturbetrieb.

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