Fachkräftemangel: In welchen Berufen Fachkräfte fehlen

Fachkräftemangel: In welchen Berufen Fachkräfte fehlen

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Wir brauchen einen Arzt! Krankenhäuser warten Monate auf neue Mediziner

von Mark Fehr und Max Haerder

Alle reden vom Fachkräftemangel. Wo aber klaffen die Talentlücken - und können Einwanderer sie füllen?

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will qualifizierte Zuwanderer ins Land holen. Wer kommen darf, soll ein Punktesystem entscheiden, das junge, stark gefragte Arbeitskräfte mit guten Sprachkenntnissen bevorzugt. Während Oppositionspolitiker Cem Özdemir (Die Grünen) den Vorschlag lobt, kommt Kritik von Brüderles Kabinettskollegen Thomas de Maizière (CDU). Der Bundesinnenminister sieht Unternehmern schon billige Arbeitskräfte „wie gebratene Tauben“ in den Mund fliegen.

Der Streit zeigt: Endlich ringt die Politik um konkrete Gestaltung der Zuwanderungsregeln. Dafür ist es höchste Zeit, denn die seit Wochen köchelnde Debatte um Einwanderer und Integration macht es deutschen Unternehmen schwer, Arbeitskräfte anzulocken. Werner Hoyer (FDP), Staatsminister im Auswärtigen Amt, berichtet von regelrechten „Schockerlebnissen“ bei Besuchen ausländischer Niederlassungen deutscher Unternehmen: „Es gibt große Probleme, die dortigen Top-Kräfte für eine Rotation nach Deutschland zu begeistern.“

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Das ist schlecht, denn die Wirtschaft hat großes Interesse daran, Einwanderer in den deutschen Arbeitsmarkt zu lenken. In vielen wichtigen Berufen stehen Stellen offen – gleichzeitig fehlen heimische Experten, um diese zu besetzen. Besonders deutlich ist der Mangel im Gesundheitssektor und bei Ingenieuren.

Der schrumpfende Anteil Arbeitsfähiger könnte das Land auf die konjunkturelle Kriechspur zwingen. Wissenschaftler des Forschungsinstituts Prognos prophezeien der deutschen Wirtschaft bis 2035 ein Mini-Wachstum von nur einem Prozent pro Jahr. Selbst dieses bescheidene Plus sei nur zu schaffen, wenn Frauen mehr und ältere Erwerbstätige länger arbeiten. Für mehr Wachstum muss Deutschland also zusätzlich seinen Arbeitsmarkt öffnen.

Warten auf Kandidaten

Offene Stellen je Arbeitslosen und Vakanzzeit in Tagen

Offene Stellen je Arbeitslosen und Vakanzzeit in Tagen

Wie groß sind die Lücken – und wo klaffen sie am tiefsten? Fast 3000 offene Positionen für Ärzte zählte die Bundesagentur für Arbeit (BA) im September 2010. Länger als vier Monate dauert es im Schnitt, bis Krankenhäuser den gewünschten Kandidaten einstellen können. Für Krankenschwestern und Pfleger sind laut BA sogar mehr als 8800 Stellen vakant; die Besetzung dauert länger als zwei Monate. Dabei melden Arbeitgeber den Ämtern längst nicht alle Gesuche. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat deshalb für ausgewählte Akademiker-Berufe berechnet, wie viele Stellen je Arbeitslosen mit entsprechender Qualifikation tatsächlich potenziell offenstehen.

Experten fehlen

Das Ergebnis der bislang unveröffentlichten IW-Berechnung: Im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie der Elektrotechnik stehen jedem jobsuchenden Ingenieur derzeit etwa drei Stellen offen. Auf einen arbeitslosen Arzt kommen dabei 2,5 Stellen, und auch die Nachfrage nach Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern ist mehr als doppelt so groß wie das Angebot. „Der Experten-Mangel ist keine vorübergehende Erscheinung, sondern wird sogar noch steigen“, warnt der IW-Ökonom Oliver Koppel. Bis 2020 fehlen der deutschen Industrie laut Koppel jedes Jahr im Schnitt fast 20.000 Hochschulabsolventen mit Qualifikationen in mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Fächern.

So steigt die Zahl der Arbeitsplätze in Informationstechnik, Telekommunikation und neuen Medien laut Branchenverband Bitkom in diesem Jahr auf den Rekordwert von 843.000. Trotzdem sucht der Wirtschaftszweig darüber hinaus händeringend weitere Profis. Allein im IT-Sektor klafft aktuell eine Lücke von 28.000 offenen Stellen. Das zeigt eine repräsentative Unternehmensumfrage. „Wegen der konjunkturellen Erholung kommt das Fachkräfteproblem mit voller Wucht zurück“, sagt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Deutschland müsse sich als weltoffen präsentieren und brauche eine internationale Kampagne im Wettstreit um die klügsten Köpfe. Scheer fordert ein Punktesystem, das dem Vorschlag von Wirtschaftsminister Brüderle ähnelt.

Aber: Internationalisierung ist kein Allheilmittel. „Zwar begrüßen die Arbeitgeber die politische Diskussion darüber, wie Deutschland die besten Köpfe der Welt willkommen heißen kann“, sagt Jürgen Wuttke vom Arbeitgeberverband BDA. Doch die Förderung einheimischer Arbeitskräfte dürfe gegenüber der Zuwanderung nicht in den Hintergrund treten.

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