Fachkräftemangel: Risiko Leerstelle: Gastarbeiter gesucht

Fachkräftemangel: Risiko Leerstelle: Gastarbeiter gesucht

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Leere Bürostühle

von Bert Losse, Cornelia Schmergal und Max Haerder

Deutschland sucht Hunderttausende Fachkräfte. Neue Zuwanderer können die Lücke aber nur zum Teil schließen. Politik und Unternehmen umwerben jetzt die lange Vernachlässigten: hier lebende Migranten, Alte und Frauen.

Es hätte was werden können zwischen Harianto Wijaya und Deutschland. Die Bundesrepublik hatte dem Indonesier den Hof gemacht. Im Februar 2000, selbst Kleinsparer berauschten sich gerade am New-Economy-Boom, war Bundeskanzler Gerhard Schröder auf der Computermesse Cebit der Verkünderstolz anzusehen: Seine Regierung werde ausländische IT-Fachkräfte anwerben. Im großen Stil, nach dem Vorbild der amerikanischen Greencard. Die Branche applaudierte. Keine vier Monate später stand Arbeitsminister Walter Riester persönlich mit dem schüchtern blinzelnden IT-Spezialisten im Blitzlicht der Fotografen.

Es hielt nicht lange. Wijaya, der umworbene Absolvent der RWTH Aachen, beendete seine Liaison mit Deutschland, bevor aus seinem Arbeitsplatz bei einem Startup so etwas wie Heimat werden konnte. 2004, kurz bevor seine Greencard auslief, kündigte er. Das Warten auf Verlängerung hatte ihn zermürbt. Er ging in die USA, später zurück nach Indonesien. Heute ist er stellvertretender Finanzchef beim Bergbaukonzern lthabi Bara Utama. Von Zeit zu Zeit blinken dort heute Mails von den alten deutschen Kollegen in seinem Postfach. Wijaya freut sich darüber.

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Und antwortet auf Englisch.

Zehnjähriges Greencard-Jubiläum

In diesem Sommer überfällt Arbeitsmarktexperten ein Déjà-vu. Zum zehnjährigen Greencard-Jubiläum tobt eine neue Einwanderungsdebatte. Wieder geht es um die große Frage, wie Deutschland im globalen Wettbewerb um kluge Köpfe gewinnen kann. Und erneut auch darum, ob (nur) ausländische Fachkräfte die Wirtschaft retten können.

Jahrzehntelang schwankten Bundesregierungen zwischen einer Politik der offenen Tür und einer Abschottung gegenüber Zuwanderern. Als der millionste Gastarbeiter, der Portugiese Armando Rodrigues de Sà, 1964 in Köln-Deutz aus dem Zug kletterte, begrüßte man ihn mit einem Moped und Blumen. Heute geht es im weltweiten Anwerbekampf nicht mehr um Schichtarbeiter, sondern um höchst und hoch Qualifizierte, um maximierte Lebenschancen und nationale, volkswirtschaftliche Interessen. 2010 ist die Debatte schärfer denn je. Die düstere Prognose der Vergangenheit, der Bevölkerungsrückgang werde die deutsche Wirtschaft irgendwann herunterziehen, droht wahr zu werden.

Akute Hilferufe

Irgendwann ist jetzt. Deutschland geht der Geist aus. Sinkende Geburtenraten, in Rente entschwindende Babyboomer, schrumpfende Schüler- und Absolventenzahlen, dazu in den letzten zwei Jahren mehr Aus- als Einwanderer: Dieser demografische Cocktail kostet uns 20 Milliarden Euro jährlich, hat das Bundeswirtschaftsministerium errechnet. Die anziehende Konjunktur verschärft die Fachkräftelücke weiter. Politiker und Unternehmer stellen sich deshalb dieselbe Frage: Mit welchen Mitarbeitern kann die Wirtschaft in Zukunft noch wachsen?

Die akuten Hilferufe klingen eher nach Schrumpfkur: 36.000 Ingenieure werden gesucht und nicht gefunden. Der IT-Verband Bitkom klagt über eine Lücke von 43 000 Spezialisten. Eine exklusive Umfrage der Wirtschaftsverbände ASU und BJU für die WirtschaftsWoche zeigt: Jedes dritte Unternehmen kann derzeit freie Stellen nicht besetzen. In 66 Prozent der Fälle sind die Interessenten nicht ausreichend qualifiziert. Und für 26 Prozent der vakanten Jobs gibt es gar keine Bewerber mehr. „Der Fachkräftemangel entwickelt sich zu einer gefährlichen Wachstumsbremse“, warnt die BJU-Vorsitzende Marie-Christine Ostermann. Acht Prozent der befragten Mittelständler haben 2010 deshalb Aufträge ablehnen müssen. Die Lücke ließe sich nur noch schließen, wenn die Firmen „weltweit anwerben“.

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