Fachkräftemangel: Studie: Die Angst vor Zuwanderung ist unberechtigt

Fachkräftemangel: Studie: Die Angst vor Zuwanderung ist unberechtigt

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Festung Deutschland: Netto Zuwanderer (je 1000 Einwohner)

Gestern erleichterte die Bundesregierung die Zuwanderung von Spitzenkräften. Die Opposition kritisierte die Maßnahmen als unzureichend. Trotz des Fachkräftemangels gibt es in Deutschland noch immer große Vorbehalte gegen Zuwanderung. Zu Unrecht, zeigt eine neue Studie.

Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich in einem scheinbar paradoxen Zustand: Einerseits sind noch immer rund drei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, gleichzeitig fehlt es an Fachkräften. Was nicht zusammenzupassen scheint, ist schnell erklärt: Der Arbeitsmarkt besteht aus vielen Teilmärkten, zwischen denen kaum Austausch stattfindet – man kann einen arbeitslosen Lagerarbeiter eben nicht ohne Weiteres zum Elektroingenieur machen.

Wie also soll die Fachkräfte-Lücke geschlossen werden? Die meisten Experten empfehlen mehr Zuwanderung aus dem Ausland. Doch die politischen Widerstände sind enorm. So soll die Freizügigkeit der Bürger aus den osteuropäischen EU-Ländern in Deutschland noch bis 2011 ausgesetzt werden. Immerhin will die Bundesregierung jetzt unter anderem die Mindesteinkommensgrenze, ab der hoch Qualifizierte reibungslos zuwandern können, von derzeit 86 400 auf 63 600 senken. Doch schon kommt Störfeuer aus Bayern. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit werde man sich dagegen „vehement“ zur Wehr setzen, zeterte CSU-Arbeitsmarktexperte Max Straubinger.

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Unberechtigte Angst

Dabei sind die Ängste vor Zuwanderung völlig unberechtigt, so das Ergebnis einer neuen Studie von Herbert Brücker (Universität Bamberg) und Elke Jahn (Aarhus School of Business). Zunächst zeigt sich, dass der Saldo aus Zu- und Abwanderung im internationalen Vergleich gar nicht außergewöhnlich hoch liegt. Zuletzt lag er mit weniger als drei Einwanderern pro Tausend Einwohner niedriger als im EU-Durchschnitt und in den USA. Vor allem aber zeigen die Berechnungen der Autoren, dass die vielfach befürchteten negativen Auswirkungen – Verlust von Arbeitsplätzen, Druck auf die Löhne – allenfalls kurzfristig eine Rolle spielen: Steigt das Arbeitsangebot durch Zuwanderung um ein Prozent, erhöht sich die Arbeitslosigkeit zunächst um 0,1 Prozentpunkte, und die Löhne geben im Schnitt ebenfalls um 0,1 Punkte nach. Nach einer gewissen Zeit, in der der Kapitalstock der Volkswirtschaft an das neue Arbeitskräfteangebot angepasst wird, laufen beide Effekte aus. „Langfristig“, so die Autoren, „verringert sich das durchschnittliche Lohnniveau einer Volkswirtschaft nicht, wenn das Arbeitsangebot durch Zuwanderung zunimmt.“

Hinzu kommt, dass die Anpassungslast fast ausschließlich von den Zuwanderern selbst getragen wird: Weil sie vor allem untereinander konkurrieren, sinken deren Löhne langfristig um 0,6 Prozentpunkte. Die Deutschen profitieren dagegen von den positiven Wachstumseffekten einer Öffnung für ausländische Arbeitskräfte: Sie können durch Zuwanderung sogar mit steigenden Löhnen rechnen.

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