Fack ju Noten!: Privatschulen boomen – für wen lohnt sich der Wechsel?

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Fack ju Noten!: Privatschulen boomen – für wen lohnt sich der Wechsel?

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Halli Galli wie bei "Fack Ju Göhte 2" oder Persönlichkeitsbildung auf der Schule Schloss Salem? Über 6000 Privatschulen gibt es bundesweit.

von Lin Freitag und Konrad Fischer

Die Schulkomödie "Fack ju Göhte 2" trifft einen Nerv: In Deutschland hat sich Unzufriedenheit mit dem Bildungssystem breit gemacht. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Schüler an Privatschulen verdoppelt. Lohnt sich der teure Abschied aus dem staatlichen System?

Als Daniela Lange die Tasche mit den Tablet-Computern hervorholt, können die 24 Jugendlichen kaum an sich halten. „Emma? Jakob? Kazim? Rana?“ Lange ruft die Namen, die Jugendlichen springen der Reihe nach von ihren Plätzen auf, strecken ihr die Hände entgegen, einen Ich-muss-das-sofort-haben-Blick im Gesicht. Lange verteilt, und langsam wird es ruhiger. Denn sie hat tatsächlich für jeden ein iPad dabei, am Ende daddeln alle ruhig vor sich hin.

Was hier veranstaltet wird, ist keine Charity-Veranstaltung, sondern der erste Schultag in der Freien Schule Anne-Sophie. Deren Räume liegen im obersten Stock des Einkaufszentrums Zehlendorfer Welle in Berlins noblem Südwesten, und auch sonst wird sofort klar, dass dies zwar Schule heißt, aber doch ganz anders ist als das, was man sich landläufig darunter vorstellt.

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Schon nach ein paar Minuten ist Schluss mit der Spielerei, „Werte“ steht auf dem Stundenplan, die Tablets werden zur Seite geräumt. Lange, eine gemütliche Endzwanzigerin in Blümchenbluse, tritt vor die Klasse. Statt „Schüler“, sagt sie „Lernpartner“ zu den Jugendlichen, sich selbst stellt sie als Lernbegleiterin – altdeutsch „Lehrerin“ – vor, was folgt ist kein Unterricht, sondern: Input. 45 Minuten spricht Lange über Achtsamkeit und Wertschätzung, Zuversicht und Lernbereitschaft. Aber sie sagt auch: „Freie Schule bedeutet nicht Laisser-faire – die Freiheit, die ihr habt, funktioniert nur mit Verantwortung für euch selbst.“

"Fack Ju Göhte 2" bricht Rekord

Nicht nur in Zehlendorf ist diese Art der Freiheit derzeit sehr gefragt. In ganz Deutschland besuchen in den vergangenen Jahren mehr und mehr Schüler private Schulen, von der Grundschule bis zum Berufskolleg gibt es inzwischen in jeder Stadt dutzendfach Alternativen zum staatlichen Betrieb. 1992 besuchten 4,8 Prozent aller Schüler private Einrichtungen, heute sind es 9 Prozent, in Sachsen fast 14 Prozent. Insgesamt gibt es in Deutschland knapp 6000 private Schulen, die meisten haben lange Wartelisten. Seit den ersten Pisa-Untersuchungen 2000 hat sich in Deutschland eine Unzufriedenheit mit dem Bildungssystem breitgemacht, die es in der Grundsätzlichkeit vorher nicht gab.

Begleitung statt Kontrolle: Privatschullehrerin Daniela Lange nennt sich lieber "Lernbegleiterin". Quelle: Max Lautenschläger für WirtschaftsWoche

Begleitung statt Kontrolle: Privatschullehrerin Daniela Lange nennt sich lieber "Lernbegleiterin".

Bild: Max Lautenschläger für WirtschaftsWoche

Mit der Fortsetzung der Chaosschulkomödie „Fack ju Göhte“ scheint ein Regisseur das Befinden des Volks getroffen zu haben. Den ersten Teil des Films sahen mehr als sieben Millionen Menschen - der zweite brach schon kurz nachdem er in den Kinosälen angelaufen war den Start-Rekord: „Fack Ju Göhte 2“ machte in nur vier Tagen 17,6 Millionen Euro Umsatz - der höchste aller Zeiten für den Start eines deutschen Films laut Media Control.

Die Politik will von dieser Unzufriedenheit nichts wissen: „Es gibt doch eine große Breite unterschiedlicher Schulformen“, sagt Sylvia Löhrmann, Schulministerin in Nordrhein-Westfalen. „Wer ein alternatives pädagogisches Konzept sucht, der muss nicht auf Privatschulen ausweichen.“ So mag die Unzufriedenheit mit dem aktuellen System nicht der einzige Grund der Entwicklung sein. Denn Privatschulen sind ausgerechnet dort am gefragtesten, wo die Pisa-Ergebnisse am besten sind. Wie in Sachsen besuchen auch in Thüringen und Bayern deutlich über zehn Prozent der Schüler private Schulen.

Gründe? Vielleicht hat das zunächst zarte Wachstum der privaten Bildung einfach eine Eigendynamik entfacht. Mit jedem Kind, das mit Begeisterung und Freude am Lernen aus der Montessorischule oder dem bilingualen Internat nach Hause kommt, entsteht eine Geschichte, die andere Eltern anstiftet, einen ähnlichen Weg zu wählen.

Und so stellt sich gerade jetzt zu Schuljahresbeginn, da die Eindrücke aus dem Schulalltag besonders intensiv sind und der Zeitpunkt für die Planung des nächsten Schulübergangs schon gekommen ist, vielen Eltern die Frage, ob private Schulen auch für ihre Kinder die geeignete Alternative sein könnten.

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