Fake News: Die Jäger der falschen Nachrichten

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Fake News: Die Jäger der falschen Nachrichten

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Falsche Nachrichten wie diese überschwemmen das Netz.

von Katharina Matheis und Marc Etzold

Falschmeldungen im Netz sind ein lukratives Geschäft. Weltweit jagen Freiwillige den Lügen hinterher. Haben sie überhaupt eine Chance? Ein Besuch bei den Jägern der Fake News im Netz.

Einmal sind die Wahrheitssucher von Mimikama selbst auf eine Lüge reingefallen. Im Januar 2016 geht auf Twitter das Gerücht um, dass in Berlin ein Flüchtling erfroren sei. Nach kurzer Zeit schreibt ein Helfer auf Facebook: Ja, der 24-jährige Syrer ist tot. Andre Wolf veröffentlicht die Meldung.

Doch am Abend stellt sich heraus, dass der Helfer gelogen hatte. Seitdem haben Andre Wolf und das Team von Mimikama (Suaheli für: „Gefällt mir“) ein Prinzip: kein Artikel ohne offizielle Stellungnahme der Behörden, selbst wenn das viel Zeit kostet und Zeit im Internet eigentlich nie vorhanden ist.

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Denn Wahrheit ist das Wichtigste im Job von Andre Wolf. Der 39-Jährige ist Fake-Jäger. Er überprüft Nachrichten und Bilder, die millionenfach geteilt werden: Donald Trump tot nach Herzattacke. Burka-Pflicht für deutsche Frauen. Flüchtlinge erhalten Bordellgutscheine.

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Facebook und Google attackieren Fake-Nachrichten-Seiten. Ein Medienwissenschaftler erklärt, warum die Maßnahmen zu kurz greifen, was Menschen an falschen Nachrichten fasziniert und was Journalisten dagegen tun können.

Das Auge der Vorsehung: Ein beliebtes Indiz für Verschwörungstheoretiker. Quelle: Getty Images

Alle zehn Minuten gibt das E-Mail-Postfach von Wolf einen Ton von sich, mittlerweile bekommt er bis zu 150 Hinweise pro Tag. Mimikama ist die größte deutschsprachige Plattform, die solche Falschmeldungen untersucht und entlarvt und die Öffentlichkeit darauf aufmerksam macht. Der Verein hat rund 20 Helfer und finanziert sich über Spenden und Werbeanzeigen. „Würde meine Frau nicht arbeiten, könnte ich das nicht machen“, sagt er.

Es sind nicht nur Idealisten wie Wolf, die neuerdings gegen die Lügen im Netz ankämpfen. Seit einigen Wochen wollen auch die Mächtigen der Internetwelt den Kampf um die Wahrheit aufnehmen. Facebook etwa plant, Falschmeldungen mit Hinweisen zu kennzeichnen. Google sperrte 200 Fake-News-Seiten aus dem Werbesystem. Und in Brüssel analysiert eine elfköpfige EU-Einsatzgruppe Propaganda und Lügen aus Russland. Auf „Disinformation Review“ entlarvt sie Geschichten wie jene von den 700.000 Deutschen, die wegen Merkels Politik das Land verlassen haben.

Nur: Wer entscheidet in Zukunft, was wahr ist und was falsch? Sind es ehrenamtliche und idealistische Fake-Jäger wie das Team von Mimikama? Die Internetgiganten? Oder sollte nicht die Politik etwas gegen die Lügen im Netz tun? Die Grenzen zwischen Wahrheit, Meinungsfreiheit und Propaganda werden derzeit neu ausgehandelt – Ausgang noch völlig offen.

Andre Wolf

Schwarzer Humor: Andre Wolf und die Macher von Mimikama wurden gerade zu Bloggern des Jahres gekürt. Manche Fakes, die sie aufspüren, sind so unsinnig, dass nur noch Lachen hilft.

Falschmeldungen hat es dabei schon immer gegeben. Neu aber ist die Wucht, die die Lügen entfachen, sobald sie sich wie Digital-Tsunamis aufgebauscht haben. Im vergangenen Dezember etwa stürmt ein junger Mann mit einer Pistole eine Pizzeria in Washington – er hatte bei Twitter verfolgt, dass Hillary Clinton dort einen Kinderpornoring betreibe. Eine von Tausenden Falschmeldungen, die plötzlich zur Klaviatur des US-Wahlkampfs gehörten. „Papst unterstützt Donald Trump“, „George Soros hat Wählerstimmen gekauft“, „Hillary Clinton liefert Waffen an den ‚IS‘ “.

Vor allem Anti-Clinton-Lügengeschichten verbreiteten sich vor der Wahl. Viermal häufiger als jene Falschmeldungen, die Trump verleugneten, wie Forscher der Universität Stanford ermittelten. Das könnte die Wahl mitentschieden haben.

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