Falsche Abrechnungen: Jede zweite Krankenhausrechnung ist fehlerhaft

Falsche Abrechnungen: Jede zweite Krankenhausrechnung ist fehlerhaft

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Eine Krankenschwester betreut auf einer Intensivstation einen Patienten.

Einer Studie zufolge ist jede zweite Krankenhausrechnung fehlerhaft. Darunter leiden nur die Versicherten - der Schaden beläuft sich auf mehr als zwei Milliarden Euro jährlich.

Jede zweite Krankenhausrechnung stimmt nicht. Stichproben des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen ergaben, dass 2012 in 53 Prozent aller geprüften Abrechnungen der Kliniken Behandlungen aufgeführt waren, die nicht in dem behaupteten Umfang oder sogar gar nicht erbracht wurden.

Die gesetzlich Versicherten zahlen den Preis dafür: über zwei Milliarden Euro im Jahr. Der Verband errechnete, dass der Beitragssatz in der Krankenversicherung um 0,2 Punkte auf 15,3 Prozent sinken könnte, wenn die rund 2000 deutschen Krankenhäuser stets richtig abrechneten.

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Die Krankenkassen prüfen mit Hilfe des Medizinischen Dienstes der Kassen (MDK) die Klinikabrechnungen. Dazu sind sie gesetzlich verpflichtet. Es geht um Versicherungsleistungen von insgesamt mehr als 66 Milliarden Euro.

Die Prüfung läuft in einem zweistufigen Verfahren. Dabei werden die Abrechnungen zunächst auf Fehler durchgesehen. Dies können zum Beispiel zu lange Liegezeiten bei einer leichten Erkrankung sein. In einem zweiten Schritt werden bundesweit rund elf bis zwölf Prozent aller Abrechnungen einer genauen Prüfung unterzogen. Für das Jahr 2012 waren bundesweit 52,99 Prozent dieser geprüften Krankenhausabrechnungen nicht richtig. Im ersten Halbjahr 2013 waren nach vorläufigen Zahlen 52,77 Prozent der genau geprüften Rechnungen fehlerhaft.

Das Sozialgesetzbuch schreibt vor, dass die Krankenkassen die Krankenhausabrechnungen prüfen müssen. Wenn eine Krankenkasse ihrer gesetzlichen Prüfpflicht nachkommt und eine geprüfte Krankenhausrechnung richtig ist, dann muss die Krankenkasse dem Krankenhaus eine „Aufwandspauschale“ in Höhe von 300 Euro zahlen. Wenn die Prüfung aber ergibt, dass die Rechnung falsch war und zugunsten der Krankenkasse korrigiert werden muss, dann passiert - nichts. Das Krankenhaus muss nur den zu viel erhaltenen Betrag zurückzahlen.

„Angesichts dieser Regelung kann man nur ungläubig den Kopf schütteln. Das ist so, als müsste der Schaffner nach einer Fahrkartenkontrolle dem Fahrgast 50 Euro bezahlen, weil er einen Fahrschein hatte! Wenn er aber keinen Fahrschein gehabt hätte, dann müsste er den lediglich nachträglich kaufen, ohne dass es dafür eine Strafe gäbe“, sagt Florian Lanz, Pressesprecher des Spitzenverbandes  Er fordert eine Umkehr: „Eine Strafzahlung für Falschabrechnungen, so wie es im richtigen Leben auch eine Strafe gibt, wenn man ohne Fahrkarte erwischt wird.“ Zumindest müsse es Sanktionen gegen falsch abrechnende Krankenhäuser geben. „Wir gehen davon aus, dass dadurch die Qualität der Krankenhausabrechnungen deutlich besser würde und Beitragsgelder gespart werden könnten.“

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Gesetzlich vorgesehen ist, dass sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der GKV-Spitzenverband auf ein klares Verfahren für die Abrechnungsprüfungen verständigen. Die Verhandlungen sind allerdings gescheitert. Derzeit befasst sich die Schiedsstelle mit einer möglichen Lösung.

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