
Als Kristina Schröder Anfang des Jahres die Familienpflegezeit vorstellte, gab es Anerkennung von fast überall: Unternehmen, Gewerkschaften und Verbände lobten die Familienministerin für ihr Werk. Der Plan: Beschäftigte, die ihre Angehörigen selbst pflegen wollen, können ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren. Um in dieser Zeit finanziell abgesichert zu sein, zahlt der Arbeitgeber dennoch ein höheres Gehalt, zum Beispiel 75 Prozent der alten Bezüge. Nach Ende der Pflegezeit müssen die Arbeitnehmer dann so lange zu einem geringeren Lohn arbeiten, bis der Vorschuss abgegolten ist.
Nun, fast ein Jahr später, kommt die Kritik ebenfalls von fast allen Seiten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund beklagt die „soziale Prägekraft“ und der „soziale Mindeststandard“. Die Arbeitgeberverbände halten das Gesetz für „nicht notwendig“.
Es zeigt sich wieder einmal, das gut gemeint das Gegenteil von gut gemacht ist. Nicht einmal 200 Menschen nutzen bislang die neue Pflege-Auszeit, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ mit Verweis auf eine interne Statistik des Ministeriums. Angesichts von rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland, die von Angehörigen gepflegt werden, also quasi niemand. Laut Ressort seien das Anlaufschwierigkeiten, das Modell müsse sich langsam, aber stetig bewähren.
Bild: obsCaritas
Der Deutsche Caritasverband besteht aus 900 lokalen Organisationen, dazu gehören auch der Malteser-Hilfsdienst und Bahnhofsmissionen.
Altenpflege und Krankenhäuser betreibt die Caritas an 5000 Standorten. Die Marktanteile sinken tendenziell.Werkstätten für Behinderte gehören ebenso zu den klassischen Einrichtungen.
Flüchtlingshilfe ist ein relativ neuer Bereich, wegen des geringen kirchlichen Bezugs intern umstritten.
Bild: dpaDiakonie
Die evangelische Diakonie ist etwas kleiner als das katholische Pendant und besteht aus insgesamt 21 Mitgliedern, die meisten davon sind Landeskirchen.
Sozialkaufhäuser und Tafeln sind umstritten. Die Diakonie betreibt sie, die Caritas nicht.
Obdachlose zu versorgen ist eine der wenigen Aufgaben, die teilweise aus Eigenmitteln bestritten werden.
Kitas und andere Bildungsleistungen sind das große Wachstumsfeld der Wohlfahrt.
Bild: dpaDeutsches Rotes Kreuz
Der größte nicht konfessionelle Anbieter ist – anders als die anderen Anbieter – nicht nur in sozialen Diensten, sondern auch im Katastrophenschutz und in der internationalen Hilfe tätig.
Bild: dpaArbeiterwohlfahrt
Nach dem ersten Weltkrieg von SPD-Abgeordneten als Selbsthilfeorganisation der Arbeiterschaft gegründet, ist die AWO heute unabhängig und beschäftigt bundesweit mehr als 100 000 Menschen.
Bild: REUTERSDer Paritätische
Der ideologisch ungebundene Verband der privaten gemeinnützigen Träger bündelt die Arbeit von 10 000 Vereinen, die sich der Sozialarbeit verschrieben haben.
Bild: dpaJüdische Wohlfahrt
Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland ist mit Abstand der kleinste der sechs Verbände.
Caritas
Der Deutsche Caritasverband besteht aus 900 lokalen Organisationen, dazu gehören auch der Malteser-Hilfsdienst und Bahnhofsmissionen.
Altenpflege und Krankenhäuser betreibt die Caritas an 5000 Standorten. Die Marktanteile sinken tendenziell.
Werkstätten für Behinderte gehören ebenso zu den klassischen Einrichtungen.
Flüchtlingshilfe ist ein relativ neuer Bereich, wegen des geringen kirchlichen Bezugs intern umstritten.
Wahrscheinlicher ist, dass Unternehmen und Arbeitnehmer die bürokratischen Hürden scheuen. Jetzt, nach einem Jahr Praxistest, treten die Probleme offen zutage: Ein Rechtsanspruch – wie etwa bei der Elternzeit – gibt es nicht, die Dauer der Auszeit beträgt maximal 24 Monate, obwohl laut Statistik die durchschnittliche Pflegedauer rund acht Jahre beträgt. Hinzu kommt: Wer zwei Jahre lang zuhause mit Aufopferung Angehörige gepflegt hat und danach weitere zwei Jahre den Gehaltsvorschuss abarbeiten muss, steht vor der Herausforderung insgesamt vier Jahre lang mit geringerem Einkommen durchstehen zu müssen.
Rechtsexperten warnten bereits Mitte 2012, dass die Details der Familienpflege zu kompliziert und abschreckend seien. Vor allem für Mittelständler sind normale Teilzeitmodelle meistens viel praktikabler, als sich eigens über die Kreditanstalt für Wiederaufbau den Gehaltsvorschuss finanzieren zu lassen – und dafür Firmeninterna preiszugeben. Außerdem muss eine Ausfallversicherung abgeschlossen werden, für den Fall, dass der Arbeitnehmer nicht auf seine Stelle zurückkehrt.















