FDP-Generalsekretär: In Deckung gegangen

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Christian Lindner geht - der Grund bleibt rätselhaft.

von Henning Krumrey

Christian Lindner ist zurückgetreten. Grund ist nicht der Mitgliederentscheid zur Euro-Rettung, sondern die Illoyalität der FDP-Parteiführung.

Eines ist klar beim Rücktritt von FDP-Generalsekretär Christian Lindner: Am Mitgliederentscheid seiner Partei zur Euro-Rettung hat es nicht gelegen. Ganz knapp liegt die Zahl der Einsendungen noch unter dem erforderlichen Drittel, aber es gehen auch immer noch Stimmzettel bei der FDP ein, denn es gilt der Poststempel vom Dienstag. Erst morgen beginnt die Auszählung, und die Post vom Freitagmorgen kommt auch noch in die Wertung. Zudem geht die versammelte Führung weiter davon aus, dass der Bundesvorstand die Mehrheit bekommt.

Mobbing und Illoyalität

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Lindners Erklärung, die er Mittwochvormittag abgab, ist zur Begründung weitgehend skurril. Seine Worte: „Es gibt den Moment, in dem man seinen Platz frei machen muss, um eine neue Dynamik zu ermöglichen“, würden zum Abgang eines langgedienten Ministerpräsidenten wie weiland Edmund Stoiber oder Kurt Biedenkopf passen, die weit jenseits des 65. Geburtstags endlich von ihrem Amt lassen. Sie klingen merkwürdig bei einem bekennend ehrgeizigen Mann von 32 Jahren, dem viele eine große politische Zukunft vorausgesagt hatten – und der erst zwei Jahre die Funktion im Thomas-Dehler-Haus innehatte. Ein Spitzlicht auf die wahren Gründe wirft ein Nachsatz Lindners: Er lege sein Amt nieder „aus Respekt vor meiner Partei und vor meinem Engagement für die liberale Sache“. Aus Respekt vor der eigenen Leistung kann man nur zurücktreten, wenn man das Umfeld nicht für satisfaktionsfähig hält.

Die Gründe für Lindners Rückzug liegen im inneren Zustand der Parteiführung. Das Verhältnis zwischen dem General und seinem Vorsitzenden Philipp Rösler war in den vergangenen Monaten erodiert.

Der Chef hatte seinen wichtigsten Mitarbeiter bei mancher Illoyalität erwischt. Mal organisierte er vor dem jüngsten Parteitag ein Treffen mit Funktionären, obwohl die Führung dies abgelehnt hatte. Dann sprach Lindner in letzter Zeit gern von der „neuen Führung um Philipp Rösler und Rainer Brüderle“. Die Aufwertung des Fraktionschefs sah der Vorsitzende mit Skepsis. Auch der vorige Parteivormann Guido Westerwelle hatte seine Kür Lindners zum Generalsekretär als einen seiner Fehler gesehen; beim Sturz Westerwelles als Parteivorsitzender hatte der Ex-General Dirk Niebel den einstigen Chef bis zum Morgen des Parteitags verteidigt, während Lindner schon einige Wochen zuvor in Deckung gegangen war.

Schlechte Stimmung

Andererseits war Lindners neue Distanz zu Rösler und die Betonung der Rolle Brüderles auch Ausdruck jener Zweifel, die den Generalsekretär in den vergangenen Wochen immer stärker umgetrieben hatten: Dass nämlich der junge Vorsitzende, überfordert mit der Doppelbelastung als Wirtschaftsminister auf der Suche nach einem Thema und der Führungsrolle in der völlig verunsicherten Partei, kein Vertrauen beim Bürger erlangte, nicht mal bei der FDP-Klientel. Der letzte Anstoß zum Ausstieg könnte Röslers überflüssige Feststellung vom Wochenende gewesen sein, die Euro-Kritiker in der Partei seien gescheitert – drei Tage, bevor überhaupt die Abstimmungsfrist endete.

Trotzdem ist das Urteil über Lindners Rücktritt einheitlich im Parteiapparat: eine Sauerei, die FDP jetzt im Stich zu lassen. „Loyal ist das nicht“, entfuhr es beispielsweise dem NRW-Landesvorsitzenden Daniel Bahr, der sich vor rund einem Jahr zusammen mit Rösler und Lindner auf den Weg gemacht hatte, die Partei zu erneuern. Für den Bundesvorsitzenden Rösler wird es nun eng.

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