FDP: Hochprozentige Abstinenz

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Das Fernbleiben von Kubicki wurde von vielen FDP-Mitgliedern als Startschuss für die Jagd auf den Parteivorsitzenden Philipp Rösler angesehen.

von Henning Krumrey

Selten, ganz selten kommt es vor, dass die Spitzenkandidaten einer Landespartei am Morgen nach dem Wahlabend nicht zur Sitzung ihrer Bundes-Führungsgremien in die Hauptstadt reisen. Doch einmalig war die Begründung, mit der sich FDP-Matador Wolfgang Kubicki bei seinem Bundesvorsitzenden Philipp Rösler und den übrigen Präsidiumsmitgliedern entschuldigen ließ.

Kubicki schlafe nicht nur nach einer erleichterten Feier bis in die frühen Morgenstunden, sondern er läge im Koma, lautete die launige Erklärung aus dem Norden für die in Berlin Wartenden.

Auch wenn noch unklar ist, ob es sich bei Kubickis hochprozentiger Abstinenz um einen vorsätzlichen Affront oder um eine Ansehensverletzung im Affekt handelte – den Rösler-Gegnern und -Skeptikern diente das Fernbleiben des relativen Wahlsiegers aus Kiel als willkommenes Signal: Die Jagd auf den Vorsitzenden hat begonnen.

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Schon beim Bundesparteitag in Karlsruhe vor gut zwei Wochen war bei vielen Delegierten – vom Führungskader bis zum tapferen Parteisoldaten an der lokalpolitischen Front – die Erkenntnis gewachsen, dass die Partei mit einem Spitzenkandidaten Rösler bei der Bundestagswahl schlechte Aussichten hätte und bis dahin einen monatelangen Zitterwahlkampf erdulden müsste.

Nadelstiche und Dauerkritik

Denn zumindest auffällig war, dass die wie eingefroren wirkenden gelben Säulen in den Umfragediagrammen der Meinungsforscher in dem Moment langsam in die Höhe zu klettern begannen, als die beiden Spitzenkandidaten in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, Kubicki und Christian Lindner - richtig loslegten und sich auch erkennbar von Ton und Inhalt der Führung rund um Rösler entfernten.

Nun geht es also darum, den inzwischen ungeliebten Vorsitzenden, den man vor gut einem Jahr herbeigesehnt hatte, rechtzeitig wieder los zu werden. Die Gegner setzen auf die Zermürbungstaktik: Mit Nadelstichen und anonymer Dauerkritik in den Medien wollen sie Rösler erst signalisieren, dass er von sich aus gehen solle; notfalls müsse er waidwund geschossen werden.

Fraktionschef Rainer Brüderle, in den vergangenen Monaten und auf dem Parteitag gefeierter Mittelstandsmann für die klassische FDP-Klientel, soll dem jungen Mann aus Niedersachsen als Aushängeschild der Freidemokraten folgen.

Röslers Problem sind nun der ehrenvolle Abgang – und seine Anschlussverwendung. Denn der Spitzenkandidat für die Bundestagswahl gerade einer kleinen Partei bräuchte eine organisatorische Basis, auf der er seine Kampagne fährt. Als Fraktionsvorsitzender  hätte Brüderle aber deutlich weniger öffentliche Wirkungsmöglichkeiten.

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