Christian Lindner wählen, Joachim Stamp bekommen

FDP-Kronprinz: Christian Lindner wählen, Joachim Stamp bekommen

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Joachim Stamp ist so ziemlich das Gegenteil seines Chefs Christian Lindner.

von Katharina Matheis

Überall in Nordrhein-Westfalen sind Plakate mit dem Gesicht von Christian Lindner zu sehen: Dabei werden die Wähler ihn gar nicht bekommen. Der FDP-Parteichef hat bereits angekündigt, nach der Bundestagswahl nach Berlin zu gehen. Und sein Nachfolger im Landtag könnte kaum unterschiedlicher sein.

Es gibt eine Anekdote, die die politische Arbeit von Joachim Stamp gut beschreibt. Vor zwei Jahren war der FDPler an der Grenze von Jordanien zu Syrien. An diesem einen Tag sprach er mit einem der Grenzsoldaten, es sollte darum gehen, wie viele Menschen auf dem Weg nach Europa sind. Plötzlich wurde das Gespräch unterbrochen. Stamps Handy piepste, es war eine SMS aus Bonn: Eine Bürgerin wollte von ihm wissen, wann die neuen Mülleimer in ihrer Straße aufgestellt würden.

Stamp ist nicht nur im Landtag. Er sitzt gleichzeitig im Stadtrat seiner Heimatstadt Bonn. An manchen Tagen beschäftigt er sich mit den Ermittlungsfehlern im Fall Anis Amri, um abends über Kunstrasenplätze und Überschwemmungsschutz der Stadt zu debattieren.

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Damit ist Stamp so ziemlich das Gegenteil seines Chefs Christian Lindner. Der Parteichef gilt vielen als abgehoben und hat gleichwohl viele Fans. So setzen die NRW-Liberalen aktuell voll auf ihr prominentes Zugpferd. Was bei der Lindner-Show jedoch verschwiegen wird: Wenn die FDP in den nächsten Bundestag einzieht – und derzeit deutet vieles darauf hin –lässt Lindner seine Fraktion im Landtag zurück.

Für die FDP-Wähler in Nordrhein-Westfalen bedeutet das: Lindner wählen, Stamp bekommen. Für Lindners Rückzug ist bereits alles vorbereitet. Der Parteichef hat seinen Kronprinzen selbst ausgesucht. Dieser steht nun auf der Landesliste direkt hinter Lindner. Der 46-Jährige wurde in der Partei zum Star, als er vor 13 Jahren ein Direktmandat in den Kommunalwahlen holte.

Im Frühjahr steht Stamp hinter der Theke seines Karnevalsvereins und im Sommer am Spielfeldrand seines Heimatvereins Rot-Weiss Röttgen. Bis  heute sitzt er im Bonner Stadtrat, der Stadt in der er aufgewachsen ist. „Kommunalpolitik erdet brutal. Wenn ich mich mit vermeintlich großen Themen beschäftige, führt mir das vor Augen, was die Menschen daheim bewegt“, sagt er. „Aus der Erfahrung weiß ich, dass manchmal auch Konsens organisiert werden muss, um essentielle Dinge durchzusetzen“, sagt er.

Fußball, Karneval und Harmonie gehören nicht zum Markenkern von Christian Lindner. Während der Parteichef keine Gelegenheit verpasst, um politische Gegner rhetorisch zu attackieren, spricht Stamp ruhig und unaufgeregt. Der FDP-Europaparlamentarier Alexander Graf von Lambsdorff bezeichnete Stamp einmal als „kooperationsfähigen Politiker“.

Wie weit er für einen Kompromiss gehen wird, zeigt sich spätestens nach der Landtagswahl. Dann könnte seine Partei die erste sozialliberale Koalition seit 37 Jahren im Land eingehen. Weder SPD noch FDP haben ein Bündnis bislang ausgeschlossen. Stamp würde dann nicht nur Fraktionsvorsitzender, sondern auch Krafts Vize. Und häufig reimt sich Kompromiss auf Machtwille.

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