FDP: Philipp Rösler soll die Regierung heilen

17. Mai 2011
Philipp Rösler Quelle: dapdBild vergrößern
Der neue Bundeswirtschaftsminister, der FDP-Parteivorsitzende Philipp Roesler (vorne) begruesst am Montag (16.05.11) waehrend der Amtsuebergabe im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin die Mitarbeiter des Ministeriums. Quelle: dapd
von Henning Krumrey

Der Arzt Philipp Rösler will als Wirtschaftsminister die Partei wiederbeleben und die Regierung heilen - mit sanfter Medizin.

Manchmal folgt Politik einer sehr eigenen Logik: Damit der Arzt nicht mehr Gesundheitsminister sein muss, verdrängt er den Ökonomen aus dem Wirtschaftsressort. Dafür kümmert sich ein Bankkaufmann und Volkswirt um Seuchen, Betten und Verbände.

Anzeige

Der Macht- und Zukunftskampf in der FDP hat nicht nur die Partei, sondern auch das Bundeskabinett durchgerüttelt. Dem Guttenberg-Abgang samt Ämterrochade auf Unionsseite folgte der Spielerwechsel bei den Liberalen – in ihren zentralen Ressorts: Parteichef Philipp Rösler muss im Wirtschaftsministerium an die ordnungspolitischen Demonstrationen seines Vorgängers Rainer Brüderle anknüpfen; der neue Gesundheitsminister Daniel Bahr soll vorführen, dass liberale Sozialpolitik weder Leben noch Geldbeutel gefährdet.

Rösler hat deutlich mehr Verwaltungs- als Ökonomieerfahrung. Gestählt hat ihn der Einsatz im Gesundheitsministerium, das er 2009 übernommen hatte. Kanzlerin Angela Merkel hatte ihn zum Wechsel in die Hauptstadt überredet; sein Parteivorsitzender Guido Westerwelle hatte ihn nicht auf dem Zettel. Bei seinem Amtsantritt war Rösler der einzige Freidemokrat im ganzen Haus,19 Monate lang kämpfte er für liberales Denken, das dort auch schon vor der elfjährigen grünen und sozialdemokratischen Regentschaft kaum vorhanden war. Da ist der Wechsel ins traditionell liberal gesonnene Wirtschaftsministerium und ins schönste Ministerbüro eine Erlösung.

Erstes Rüstzeug

Wirtschaftspolitische Erfahrung begleitet Rösler dorthin kaum. Gerade acht Monate hatte er dieselbe Funktion in Niedersachsen inne. Zentrale Felder seines neuen Amtes – Europapolitik, Außenwirtschaft, Ordnungspolitik – kamen dort kaum vor. Das erste Rüstzeug hatte sich der frühere Bundeswehrarzt vor seinem Amtsantritt in Hannover durch die Teilnahme bei den Baden-Badener Unternehmergesprächen geholt, einem dreiwöchigen Fortbildungskurs für Nachwuchs-Führungskräfte.

Zwar werben seine Unterstützer, Rösler habe als Mitglied des VW-Aufsichtsrates tiefe Einblicke in die Großindustrie gesammelt. Doch trotz turbulenter Zeit gab es in jenen acht Monaten gerade mal eine Handvoll Sitzungen, und die spannenden Verhandlungen über die Zukunft von VW und Porsche führte nicht er, sondern Ministerpräsident Christian Wulff. Der Autokonzern mit Staatsbeteiligung war Chef-sache. Nicht zuletzt, weil die Liberalen im Wahlkampf dafür geworben hatten, das VW-Gesetz zu kippen. Später verschwand diese Forderung sang- und klanglos.

Anzeige

Mehr zum Thema

Kommentare | 6Alle Kommentare
  • 23.05.2011, 21:28 UhrMaWo

    Wird Herr Rösler für Parteitage nun von seiner Partei bezahlt oder weiter als Minister in Abwesenheit von Steuerzahler?
    Die Fragestellung gilt sinngemäß für alle Politiker.

  • 18.05.2011, 18:50 UhrBenjamin

    Wenn die zurecht eurokritischen bundestags-Abgeordneten in FDP, CDU und CSU in dieser Schicksalsfrage ihrer Verantwortung wirklich genügen wollen, müssen sie für ihre Überzeugung, die von mindestens 60 % der bevölkerung geteilt wird, kämpfen. Und wenn es gar nicht anders gehen sollte, müssen sie aus ihren Fraktionen austreten und so die schwarz-gelbe Katastrophen-Regierung endlich stoppen.

  • 18.05.2011, 17:00 UhrJochen L.

    ich war seit über 20 Jahren Mitglied in dieser illustren Partei. Nachdem der FDP-Parteitag am Wochenende mehrheitlich beschlossen hat, weiterhin den Kopf in den Sand der Euro-Katastrophe zu stecken, habe ich gestern meinen Parteiaustritt erklärt. Mit solchen Leuten ist wirklich kein Staat mehr zu machen.

Alle Kommentare lesen
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.