Fehlende Whistleblowing-Systeme: Manager bringen sich selbst in Gefahr

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huGO-BildID: 40266604 HANDOUT - ARCHIV - Ein Videograb vom 10.06.2013 zeigt den Whistleblower und früheren CIA-Mitarbeiter Edward Snowden in Hongkong. Foto: Guardien/Glenn Greenwald / Laura Poitras (zu dpa "Snowden würde weiterhin nach Deutschland kommen" vom 14.11.2014" ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit Nennung der Quelle: Guardien/Glenn Greenwald/Laura Poitras) +++(c) dpa - Bildfunk+++

von Claudia Tödtmann

Spätestens seit Edward Snowden ist der Whistleblower jedem ein Begriff. Bei deutschen Unternehmen sind die Vorteile eines Whistleblowing-Systems allerdings nur teilweise angekommen.

Acht Prozent der Manager in Deutschland machen um das Thema Hinweisgebersysteme für Whistleblower einen großen Bogen - und installieren auch vorsichtshalber keine in ihrem Unternehmen.

"Gerade viele größere und große deutsche Unternehmen, die keine ausländische Mutter oder einen ausländischen Investor haben, tun sich mit Whistleblowing-Systemen immer noch schwer", sagt Boris Dzida, Arbeitsrechtler bei Freshfields Bruckhaus Deringer. Immerhin haben 41 Prozent der Unternehmen hierzulande - weltweit sind es sogar 53 Prozent - laut einer Umfrage von Freshfields mit dem Marktforscher Censuswide keine unternehmenseigenen Vorwarnsysteme.

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Boris Dzida, Arbeitsrechtler und Partner bei Freshfields.

Boris Dzida, Arbeitsrechtler und Partner bei Freshfields.

Nur knapp 40 Prozent haben solche Systeme installiert und verstanden, dass damit Straftaten im Unternehmen eher aufgedeckt werden können und die Top-Manager selbst - sei es haftungsrechtlich, sei es mit ihrer weiteren Karriere - dadurch weniger gefährdet sind.

40 Prozent der Unternehmen weltweit geben dagegen zu, bewusst keine Hinweisgebersysteme zu installieren - in Deutschland sind es laut der Freshfields-Umfrage 55 Prozent. Befragt wurden weltweit 2500 Manager aus Großunternehmen aller Branchen. Diese Online-Befragung fand im September und Oktober 2014 statt.

Immerhin urteilte das Landgericht München im spektakulären Fall des Siemens-Ex-Vorstands Heinz-Joachim Neubürger, dass der Top-Manager 15 Millionen Euro Schadenersatz aus eigener Tasche an Siemens zahlen müsse. Insbesondere weil er kein Hinweisgebersystem installiert hatte und die Richter Neubürger dieses Versäumnis als sogenanntes Organisationsverschulden ankreideten.

Ganz abgesehen davon riskieren Unternehmen, dass Missstände publik werden, so Dzida. Denn "Arbeitnehmer könnten brisante Interna über soziale Medien verbreiten oder direkt damit zur Staatanwaltschaft gehen, wenn in ihrem Unternehmen nicht mal Hinweisgebersysteme existieren". Die Folge seien Strafverfahren und Imageschäden. In den börsennotierten US-Unternehmen beispielsweise sind Whistleblowersysteme Pflicht.

Warum deutsche Unternehmen die Installation von Hinweisgebersystemen scheuen? Obwohl sie von denen ja auch selbst profitieren: Etwa wenn sie auf dem Weg kriminelle Mitarbeiter erwischen können, die beispielsweise Produkte, die sie in ihrer Firma gestohlen haben, bei Ebay oder anderen Internet-Portalen verkaufen? Oder Betrügereien ans Licht kommen?

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