Fernstraßen: Deutschlands Autobahnen sind zu teuer

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Fernstraßen: Deutschlands Autobahnen sind zu teuer

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Der Bund plant die Verlängerung der A 14 nach Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Das "Bündnis B189/B5 statt A 14" setzt sich gegen den Ausbau und die damit erwarteten Fehlinvestitionen ein

von Christian Schlesiger

Die Verkehrsprognosen von neuen Autobahnen und Bundesstraßen fallen in aller Regelmäßigkeit viel zu optimistisch aus. Das kostet den Steuerzahler Milliarden.

Jürgen Randau lotst seine Zuhörer gerne ins Internet, um zu erklären, warum die Autobahn vor seiner Haustür keinen Sinn ergibt. „Schauen Sie hier“, sagt der Sprecher des „Bündnisses B189/B5 statt A 14“ und klickt sich durch die Seiten der Bundesanstalt für Straßenwesen. Die Behörde listet für die A 14, die von Wismar an der Ostsee 80 Kilometer Richtung Süden führt, die Zahl der Kraftfahrzeuge auf, die täglich auf ihr fahren. „Schon 2006, als ein Teil der Autobahn fertig war, wurde die Autobahn kaum benutzt“, sagt Randau. Im Schnitt fuhren damals 6061 Autos pro Tag. Fünf Jahre später, nachdem die A 14 bis nach Wismar komplett verlängert wurde, lag die Zahl „nur unwesentlich höher“ bei 7792. „Kein Wunder“, sagt Randau. „Parallel dazu verläuft eine Bundesstraße.“

Randau will verhindern, dass sich so eine Fehlinvestition weiter südlich in seiner Heimat wiederholt. Der Bund will nämlich die A 14 in das 180 Kilometer entfernte Magdeburg in Sachsen-Anhalt verlängern. Randau befürchtet, dass die geplante Autobahn kaum weniger befahren wird als die im Norden, denn auch dort verlaufen parallel Bundesstraßen. Die geplanten Kosten liegen bei rund 1,3 Milliarden Euro. „Das ist doch Irrsinn!“

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Straßenarbeiter teert ein Schlagloch auf der Autobahn zu Quelle: dpa

Randaus Argumente erhalten gerade neue Nahrung. Eine aktuelle Studie im Auftrag der Grünen, die der WirtschaftsWoche vorliegt, kritisiert oft völlig überzogene Annahmen und Prognosen beim Bau von Autobahnen und Bundesstraßen, die der Bund großzügig finanziert. Die Fernstraßen in Deutschland sind vor allem in verkehrsarmen Gegenden oft überdimensioniert und zu teuer. Viele Milliarden Euro ließen sich einsparen, wenn der Bund von Anfang an realistischer planen würde.

Für die Bürgerinitiative in der Altmark kommt die Erkenntnis wohl zu spät. Die A 14 steht im Bundesverkehrswegeplan, der Bibel deutscher Verkehrsinfrastrukturprojekte. In ihm listet die Bundesregierung sämtliche Bauprojekte für die Straßen und Schienen auf, die irgendwann in der Zukunft realisiert werden sollen.

Doch vor allem in den ostdeutschen Bundesländern wurde oft so gebaut wie bei der A 14 im Norden. In dem bereits fertiggestellten Autobahnabschnitt an der Ostsee ist die auf zwölf Kilometer Länge parallel verlaufende Bundesstraße mit 11.300 Fahrzeugen stärker ausgelastet, und dennoch verfügt sie über freie Kapazitäten. „Im Ergebnis bestehen zwei unterausgelastete Bundesfernstraßen mit doppeltem Unterhaltungsaufwand“, so die Studie. Auf den 180 Kilometern durch die Altmarkt könnte es ähnlich aussehen. Angesichts dünner Besiedlung und schrumpfender Bevölkerung in Brandenburg und Sachsen-Anhalt „wäre eine Ertüchtigung der bestehenden Bundesstraßen ausreichend“, wirbt die Studie.

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